Von Heinz Schelle

© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 4/2005, Seite 2. Alle Rechte vorbehalten.
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Die vorliegende Nummer enthält eine ganze Reihe von Artikeln, die mich als Chefredakteur des Ressorts Wissen ganz besonders freuen. Da ist einmal der Aufsatz von Lutz Becker „Neue Führungskunst? Mehr Effizienz durch projektmethodische Führung von Marketing- und Vertriebsorganisation“. Er stellt die Frage, wie eine projektorientierte Führungskonzeption in Marketing und Vertrieb aussehen könnte. Mit seiner These „Marketing und Vertrieb können als Summe von Projekten geführt werden“ könnten sich für das Führungskonzept Projektmanagement ganz neue Anwendungsfelder eröffnen. In die gleiche Richtung, freilich auf einem völlig anderen Gebiet, gehen die Statements des Polizeidirektors Johann Peter Holzner von der Polizeiführungsakademie in Münster-Hiltrup („Durch Projektmanagement bei der Polizei mehr Effizienz, Effektivität und Bürgernähe“). Holzner verweist auf eine Fülle von aktuellen und zukünftigen nationalen und internationalen Projekten, die systematisches Projektmanagement benötigen, und berichtet vom großen Interesse, das länderübergreifend unsere Disziplin bei den Polizeibehörden genießt. Eine wesentliche Unterstützung bei der Zusammenarbeit verschiedener Länder bei der Präventionsarbeit sieht er in der dreisprachigen ICB. Ein von Holzner zusammen mit dem Autor dieser Zeilen verfasstes Handbuch, das ganz auf die Belange der Polizei ausgerichtet ist, ist soeben auf dem Markt erschienen.

Ähnlich wie der Aufsatz von Becker zeigt auch der Beitrag von Oechtering („Externes oder internes Projektmanagement. Ein Unterschied?“), dass es sich lohnt, einen Blick über den Zaun zu anderen betriebswirtschaftlichen Teildisziplinen zu werfen. Der Verfasser greift auf die Transaktionskosten- und Agenturtheorie zurück und analysiert die nicht augenfälligen Kostenbestandteile, die in unterschiedlicher Höhe bei interner oder externer Beauftragung von Projekten anfallen. Mithilfe der Agenturtheorie erarbeitet er Kriterien, mit denen sich die qualitativen Unterschiede zwischen den verschiedenen Formen der Beauftragung darstellen lassen. Die Gedanken von Oechtering geben mir die Gelegenheit, für eine engere Zusammenarbeit mit der Betriebswirtschaftslehre in der Facharbeit der GPM zu plädieren. Die zum Teil starke Dominanz der Ingenieurwissenschaften hat uns in der Vergangenheit sicher gut getan. Jetzt gilt es meines Erachtens aber auch verstärkt das Potenzial des betriebswirtschaftlichen Fächerkanons zu nutzen. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Der Dialog mit den Gebieten „Strategische Unternehmensführung “ und „Investitionsgütermarketing “ könnte außerordentlich befruchtend wirken und auch ein Mittel gegen die zunehmende Verflachung sein, wie sie sich aus meiner Sicht besorgniserregend in der Flut von neueren Büchern zeigt. Hier wird das Rad immer wieder neu erfunden und nahezu alles unterschlagen, was andere erarbeitet haben. So tritt man ständig auf der Stelle.

Ein weiteres Betätigungsfeld, das trotz der zahlreichen Arbeiten von Gemünden und seinen Schülern und vieler Wissenschaftler in den angelsächsischen Ländern noch stärker bearbeitet werden müsste, ist das der empirischen betriebswirtschaftlichen Forschung. Sie kann uns helfen an die Stelle von Vermutungen gut bestätigte Theorien zu setzen.

Trittmann, Mellis, Wagner, Bergmann und Avcý vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, Systementwicklung der Universität zu Köln gehen in einer empirischen Studie der Frage nach, ob in der Softwareentwicklung die traditionelle Vorgehensweise, etwa repräsentiert durch das Wasserfallmodell, oder Ansätze wie die des Extreme Programming zu erfolgreicheren Projekten führen. Das Ergebnis kurz zusammengefasst: „Moderne Projektgestaltung (führt)nicht unbedingt zu erfolgreichen Projekten. Dieser Zusammenhang besteht nur im Falle hoher Unsicherheit der Anforderungen.“

Ebenfalls mit der Software-Entwicklung beschäftigt sich das Aktuelle Stichwort. Greb beschreibt das Capability Maturity Model Integration (CMMI), eine Weiterentwicklung von CMM aus dem Jahre 2002,mit der der Schwerpunkt von der Softwareentwicklung stärker auf die Systementwicklung verlagert wird.

Die sehr aktive GPM-Fachgruppe „Software für Projektmanagement-Aufgaben“ hat in Zusammenarbeit mit dem IPMI Institut für Projektmanagement und Innovation der Universität Bremen und unter Führung von Mey Mark Meyer eine Studie erarbeitet, die auf der Befragung von über 300 Projektmanagern basiert. Die Problemstellung war: „Wie entwickelt sich Projektmanagement-Software und wie führt man die Software erfolgreich im Unternehmen ein?“ Und weiter: „In welchen Aufgabenbereichen des Projektmanagements unterstützt spezialisierte Software bereits heute das Projektteam?“

„Jenseits aller Methodik“ analysiert Strohmeier, wie man Organisationsvorhaben Erfolg versprechende Voraussetzungen geben kann. Sein Ziel ist es, „Wissen zu sammeln und es strukturiert aufzubereiten, um daraus Lösungsansätze für erfolgversprechende Rahmenbedingungen zu entwickeln“, eine ganz neue Problemstellung, wie der Autor mit Recht sagt.

Im Karriereteil geht es um „Blended Learning “ in der Projektmanagement- Ausbildung. Steeger sowie Grau, Vossebein und Roth von der Fachhochschule Gießen-Friedberg (Studiengang Diplom-Projektmanager) berichten umfassend über Erfahrungen und aktuelle Entwicklungen auf diesem noch relativ jungen Gebiet.

Sechs Buchrezensionen, darunter vier Besprechungen von Publikationen zum Thema Projektcontrolling, informieren über Neuerscheinungen.


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