Von Oliver Steeger
Scheitern Projekte in der Sozialwirtschaft, trifft es oft die Schwachen der Gesellschaft. Dann fehlt das Geld, mit einer zusätzlichen Finanzspritze das Vorhaben wieder flott zu machen – mit Folgen beispielsweise für alte, kranke und behinderte Menschen. So gesehen wundert kaum, dass die Sozialwirtschaft den Wert funktionierenden Projektmanagements immer stärker unterstreicht: Sie will ihre Chancen ausschöpfen, den Bedürftigen zu helfen.
Wie aufgeschlossen gemeinnützige Organisationen für dieses Thema sind, zeigte das zweitägige „Forum Sozialwirtschaft“ (15. und 16. Februar, Göttingen). Standortbestimmung und Effizienzsteigerung im Projektmanagement standen auf dem Programm. Veranstaltet wurde das Forum von der Akademie des Deutschen Roten Kreuzes. Bemerkenswert: Das kleine, aber feine Forum richtete sich ausdrücklich nicht an Projektmanager. Eingeladen waren Verantwortliche der sozialen Verbände und Einrichtungen – eben jene, die Projekte beauftragen, über Ressourcen und an den Meilensteinen über das Projekt entscheiden.
„Nur wenige Organisationen haben sich bis dato die Professionalisierung des Projektmanagements zu einer Schwerpunktaufgabe gemacht“, warnte Akademieleiterin Brigitte Wettenengel. Sie meinte: Nicht nur Projektmanager, sondern auch die Entscheider tragen zum Projekterfolg bei. Projektleiter können nur so gut arbeiten wie es der Rahmen zulässt, in dem sie arbeiten. „Den Rahmen professionell zu gestalten ist ebenso wichtig wie die Qualifizierung und Zertifizierung der Projektleiter“, hob Heinrich Keßler (HCS Human Capital System, Appenweier) hervor. Der anerkannte Fachmann und Buchautor stellte fest: „Wir benötigen auch im sozialen Bereich ein projektgerechtes Umfeld.“
Prof. Andreas Strunk von der Fachhochschule Esslingen schlüsselte die Rahmenbedingungen für erfolgreiches Projektmanagement auf. Er nannte beispielsweise präzise Projektaufträge, ehrliche Kalkulationen, richtige Auswahl und Führung der Projektleiter, korrekte Abnahme der Ergebnisse und Leistungen – allesamt Bringschuld der Projekt-Auftraggeber. Diese Fakten selbst sind bekannt (gleichwohl sie nicht häufig genug verbreitet werden können). Neu indes war die Offenheit, mit der die Teilnehmer an neuralgischen Punkten rührten. „Die Ausstattung von Projekten mit Ressourcen“, so gab einer von ihnen zu bedenken, „ist auch eine Frage des Umgangs mit Macht und Verantwortung.“
Verantwortliche für den angemessenen Rahmen des Projektmanagements zu sensibilisieren – das war unter dem Strich das Verdienst der zweitägigen Veranstaltung. Erfolgreiches Projektmanagement ist, so die Erkenntnis, weit mehr als nur eine Frage der Qualifizierung und Methodik. „Entscheidungsträger dürfen ihre Projektmanager nicht allein lassen“, formulierte Heinrich Keßler. Der Appell schien auf dem Göttinger Forum auf fruchtbaren Boden zu fallen.
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 2/2005, Seite 60. Alle Rechte vorbehalten.