Neue PM-Systeme im Konzern Deutsche Telekom

Von Dieter Seitz, Christiane Kerlen, Horst Steg

Im Rahmen einer prozessbegleitenden Evaluation der Implementierung neuer Projektmanagement-Systeme im Konzern Deutsche Telekom konnte deren positive Wirkung sowohl auf die maßgeblich erfolgsbeeinflussenden Faktoren als auch auf den Projekterfolg selbst nachgewiesen werden. Die neuen Projektmanagement-Standards tragen damit wesentlich zu einer besseren Wirtschaftlichkeit all jener Projekte bei, die unter den neuen Rahmenbedingungen durchgeführt werden.

Was Projekte wirtschaftlich macht, scheint eine auf den ersten Blick leicht zu beantwortende Frage zu sein. Mit Budget- und Zeitgrößen, mit gegenstands- und qualitätsbezogenen Zielparametern werden Projekte gesteuert und am Ende ist aus ihnen ein ökonomisches Ergebnis ermittelbar. Wie jedoch diese Größen und Parameter so gestaltbar und beeinflussbar sind, damit Projekte ihre Ziele erreichen und wirtschaftlich abgeschlossen werden können, bleibt erst einmal offen. Hinter dem Problem der Handhabung dieser bekannten Größen steht also die Frage: Was sind die eigentlich relevanten Faktoren, über welche die Steuerungsfunktion dieser Parameter im intendierten Sinne erst wirksam werden kann? So gesehen geht es nicht nur um eine Beschäftigung mit Indikatoren und Methoden der Ermittlung von Wirtschaftlichkeit. Der vorliegende Beitrag rückt stattdessen die Voraussetzungen wirtschaftlichen Handelns in den Mittelpunkt: Was sind die strukturellen, prozessualen, personalen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen, die den Projekterfolg maßgeblich beeinflussen? Und wie sind sie auszugestalten? In dieser Perspektive ist unsere Frage, was Projekte wirtschaftlich macht, auf Einzelprojektebene nicht mehr sinnvoll zu thematisieren. Vielmehr stehen die Qualität und Leistungsfähigkeit von Projektmanagement-Systemen zur Diskussion.

Vor rund fünf Jahren hatte die Deutsche Telekom beschlossen, ihre Projektmanagement-Systeme einer eingehenden Revision zu unterziehen und sie grundlegend neu zu gestalten. In vielen Unternehmensbereichen galt Projektarbeit schon lange als strategisch relevante und erfolgreich praktizierte Arbeitsform. Dennoch war die Arbeit in Projekten durch zahlreiche Defizite gekennzeichnet, die u. a. ihren ökonomischen Erfolg empfindlich beeinträchtigten. Was waren die wesentlichen Gründe für diese Situation?

Zum einen hatte die generelle Bedeutung von Projektarbeit rapide zugenommen. Denn die Notwendigkeit, die Produkte und Dienstleistungsangebote des Konzerns schneller den veränderlichen Anforderungen des liberalisierten Telekommunikationsmarktes anzupassen, also das Innovationstempo zu erhöhen, erforderte flexiblere Formen der Leistungserstellung, als konventionelle Linienstrukturen sie bieten.

Zum anderen hatten Veränderungen der Unternehmensstruktur dazu beigetragen, dass viele Leistungsprozesse nicht mehr innerhalb einzelner, allein verantwortlicher Linieneinheiten, sondern mit fortschreitender Dezentralisierung in Form temporär angelegter, bereichsübergreifender Kooperation, also in Projekten, realisiert werden.

Drittens schließlich war eine negative Entwicklung der Leistungsbilanz nicht zuletzt bei strategisch relevanten Projekten zu verzeichnen: Mangelhafte Zielerreichung, regelmäßige Zeit- und Budgetüberschreitungen sowie Konflikte zwischen Linienmanagement und Projekten hatten teilweise massive Effizienz- und Effektivitätsverluste, häufig auch den Abbruch von Projekten zur Folge

© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 2/2005, Seite 30 - 41. Alle Rechte vorbehalten.



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