PM Forum 2010 mehrWERTprojektmanagement. Chancen zum Wachsen nutzen

Von Uwe Techt

Projekte geraten immer wieder in Zeitverzug. Die Kosten für die Unternehmen sind hoch: Konventionalstrafen für Verspätungen und verzögerte Zahlungen schlagen zu Buche. Die Mehrzahl der Projektleiter behauptet, die herkömmlichen Methoden des Projektmanagements würden unzureichend ausgeschöpft. Der amerikanische Physiker und Unternehmensberater Eliyahu M. Goldratt hat 1998 eine andere Erklärung für diese Schwierigkeiten ins Gespräch gebracht. Er vertritt die Ansicht, dass den Projekten in der Regel mehr als genug Zeit zur Verfügung steht. Sie könnten sogar vor Termin fertig werden, manche ihre Durchlaufzeit um 25 bis 50 Prozent reduzieren. Termintreue wäre zu nahezu 100 Prozent möglich. Doch ein großer Teil der Zeit, so Eliyahu M. Goldratt, rinnt Projektmanagern unbemerkt durch die Finger.

Als problematisch hat Goldratt die verbreitete Überzeugung ausgemacht, die optimale Zeitplanung einzelner Arbeitsschritte führe zwangsläufig zu einer optimalen Planung des gesamten Projekts. Dieser Satz bereitet seiner Ansicht nach in der Praxis größte Schwierigkeiten. So paradox es klingt: Projektmanager, die einzelne Arbeitspakete absichern, verlieren die Sicherheit des gesamten Projekts aus dem Blick. Weshalb?

Klassisches Projektmanagement leitet an, ein komplexes Projekt in sinnvolle Teile (beispielsweise Teilprojekte oder Arbeitspakete) zu zerlegen. Bei der Projektplanung werden die Mitarbeiter gebeten, für diese Arbeitspakete Bearbeitungszeiten zu kalkulieren. Die Mitarbeiter wissen, dass diese Schätzungen später als verbindliche Termine in den Projektplan eingetragen werden. Folglich addieren sie – um die verbindlichen Termine höchstzuverlässig einzuhalten – persönliche Zeitpuffer ein. Wenigstens fünfzig Prozent der Projektlaufzeit sind, so wird geschätzt, als Sicherheitsreserve verplant. Je zwingender ein Termin ist, desto mehr „persönlicher Puffer“ wird der eigentlichen, realistisch geschätzten Arbeitszeit aufgeschlagen; sie wird zumindest verdoppelt

© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 2/2005, Seite 14 - 15. Alle Rechte vorbehalten.



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