Bahnstromspezialist Transtechnik beschleunigt Projektbearbeitung
Von Oliver Steeger
Übliche Projekttermine einzuhalten scheint vielen Unternehmen bereits ein sportliches Unterfangen. Die Laufzeiten allerdings um ein Drittel oder mehr zu kappen – das scheint eher utopisch. Da winken viele ab: Unmöglich! Wirklich? Kommt drauf an, wie das Projektteam die Zeit nutzt. Der bayerische Bahnstromspezialist Transtechnik probierte es mit „Critical-Chain-Projektmanagement“. In sieben statt bislang zehn Monaten sollte der Mittelständler aus Holzkirchen Umrichter für die U-Bahn in Oslo entwickeln. Der Plan ging auf: Sogar früher als geplant stehen dem Zugsystemlieferanten der skandinavischen Einsenbahner die Geräte zur Verfügung. Für Transtechnik selbst hat das Tempo einen weiteren aparten Nebeneffekt. Das Unternehmen kann direkt das nächste Projekt in Angriff nehmen. Bahnen in Australien und Italien haben Umrichter bestellt – ebenso im Expresstempo zu liefern. Schnellere Projekte zahlen sich eben auch am Markt aus.

Burkhard Mätzing, Projektleiter
bei Transtechnik in Holzkirchen,
ist von der Methodik des Critical-
Chain-Projektmanagements
begeistert: „Wir waren – trotz
um ein Drittel reduzierter Plan-
termine – deutlich vor Termin
fertig.“ Foto: Transtechnik
Projektleiter Burkhard Mätzing ist im Ruhrgebiet aufgewachsen, zwischen Zechen und Stahlkochern. Die Leute im „Revier“, wie die Industriegegend heißt, sind schwere Arbeit gewohnt. Man drückt sich nicht „vorm harten Stück Maloche“. Eine Spur dieser Mentalität hat Burkhard Mätzing mitgenommen ins oberbayerische Holzkirchen. Dort stand dem Nachrichtentechniker vor einem Jahr ein besonders hartes Stück Maloche bevor. Sein Unternehmen hat sich auf Leistungselektronik spezialisiert, genauer: auf Umrichter, Spezialanfertigungen in Serien bis einhundert Stück, deren Produktion sich für Matadore wie Siemens oder Bombadier nicht lohnt. Das Geschäft in der Nische ist schwierig. Zeit und Termintreue bestimmen den Wettbewerbsvorteil. Wem es gelingt, die branchenüblichen Lieferzeiten zu unterbieten, der kommt ins Geschäft.
Damit ist Transtechnik auf einer Linie mit seinen Kunden, den Eisenbahnern in aller Welt. Die Bahnen müssen im Kampf um schnelle Verbindungen bestehen, für sie ist der Faktor Zeit eine prägnante Größe. Braucht ein Kunde wie die Osloer Metro binnen sieben statt zehn Monaten einen voll funktionsfähigen Prototypen zur Qualifikation ihrer Züge, hat das seinen Grund. Dann nämlich werden die 66 Umrichter für insgesamt 33 Züge ebenfalls früher verfügbar sein. Transtechnik bewies jetzt, dass auch für Entwicklungsprojekte eine schnelle Verbindung zwischen Projektauftrag, Entwicklung, Produktion und Lieferung möglich ist. Die Holzkirchener Spezialisten haben die Lieferzeit um drei Monate reduziert. Wie man im Ruhrgebiet sagt: „Geht nich gibbet nich.“
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 2/2005, Seite 9 - 13. Alle Rechte vorbehalten.
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