Von Gerhard Mekelburg
Frau Pfeiffer ist es in Heft 1 bis 3/2004 gelungen, die von der GPM maßgeblich mitgestaltete Entwicklung des Projektmanagements in Deutschland in einer leicht lesbaren Artikelfolge erneut bewusst zu machen. Die hervorragende Recherche möchte ich um einige Details zu Teil 2 der Artikelserie ergänzen:
- Die deutsche Projektmanagement-Szene in den 60er Jahren wurde auch vom Bauwesen mitgestaltet. Prof. Burkhardt entwickelte dafür am Lehrstuhl für Baubetriebslehre der TU München seit 1966 ein Netzplanverfahren für das Bauwesen. Seine Vorlesungen waren somit eine der ersten Ausbildungen zum Projektmanagement in Deutschland. Das Verfahren konnte er mit Unterstützung seiner Schüler, u. a. Prof. A. Schub, zu einem Management-Konzept ausbauen, dessen Regelungen 1975 in die HOAI einflossen und im Bauwesen heute „Projektsteuerung“ genannt werden.
- Im Gründungsjahr der GPM veröffentlichte die DGOR-Arbeitsgruppe „Netzplantechnik im Projektmanagement“ den Sammelband: „Projektmanagement – Konzepte, Verfahren, Anwendungen“. Die drei GPM-Gründungsmitglieder Manfred Saynisch, Heinz Schelle und Adolf Schub konnten mit dieser Publikation erstmals das in Deutschland Ende der 70er Jahre erreichte Spektrum des Projektmanagements aufzeigen.
- Der Know-how-Transfer jener Zeit wurde vom Battelle-Institut zunächst nur organisiert. Die Know-how-Träger kamen aus der Praxis. Manfred Saynisch konnte 1978 und 1979 auf zwei Veranstaltungen des Instituts in Frankfurt sein Konzept zur Erfolgskontrolle bei F+E-Projekten vorstellen. Eine erweiterte Fassung erschien 1980 im Handbuch des Wirtschaftsingenieurs. Ziel dieser Publikation war es, die Erfahrungen, die Saynisch beim Bau des ersten deutschen Satelliten HEOS-A 1965 bis 1967 gemacht hatte, anderen Branchen und dem Mittelstand nutzbar zu machen. Auf diesen Ergebnissen baute dann J. Fendrich vom Battelle-Institut sein Entwicklungsprojekt-Management-Modell auf.
- Der Know-how-Transfer in den Anlagenbau war auch bei Lurgi vom Engagement Einzelner abhängig. So war es Arno Fitting, der 1973 die Netzplantechnik einführte und sukzessive die Symbiose von PM und Projektcontrolling vorantrieb. Seine Ergebnisse präsentierte er 1982 auf dem IPMA World Congress in Kopenhagen. Als Fitting 1983 in die technische Geschäftsführung aufrückte, übernahm Dietrich Werner das Projektcontrolling. Werner war auch Mitglied der GPM-Arbeitsgruppe „Neuorientierung im PM“. Armin Franke, der für Fitting und Werner gearbeitet hatte, führte ab 1990, als sich Lurgi in Sparten aufteilte und Werner die Forschung der Metallurgie übernahm, das Projektcontrolling für den Öl-Bereich weiter. Hier gelang ihm eine ebenso mustergültige Umsetzung, wie bei seinen Arbeiten zum Risikomanagement, die anfänglich von Saynisch begleitet wurden.
Die erste Generation des Projektmanagements in Deutschland wird sich in wenigen Jahren aus der aktiven Verbandsarbeit zurückgezogen haben. In absehbarer Zeit werden deshalb viele Detailkenntnisse und Zusammenhänge über die Geschichte des Projektmanagements in Deutschland endgültig verloren sein. Wäre das Jubiläum der GPM nicht Anlass genug, dass der Fachverband die historische Entwicklung für die nachfolgenden Generationen umfassend aufarbeitet und veröffentlicht?
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 1/2005, Seite 52. Alle Rechte vorbehalten.