Von Max L. J. Wolf

© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 1/2005, Seite 31 - 36. Alle Rechte vorbehalten.

Im Zuge der Projektplanung müssen die Arbeitszeiten und die Durchlaufzeiten der Arbeitspakete und der Produktkomponenten geschätzt werden. Eine Schätzung beruht auf Erfahrungswerten, die einerseits aus vergangenen Projekten gewonnen werden können, andererseits in Methoden und Verfahren eingearbeitet sind. Wenn die Erfahrung nicht vorliegt, ist es sinnvoll, sich entsprechende Experten an den Tisch zu holen, um mit den Fachleuten pro Arbeitspaket den Zeitaufwand (Mengengerüst) zu ermitteln. Eine solche Sitzung wird Experten- oder Schätzklausur genannt. Eine Schätzklausur bedarf einer intensiven Vorbereitung, sie soll durch einen Moderator geführt werden, und die Ergebnisse fließen in den Terminplan und in die Kalkulation des Projekts ein. Im Folgenden werden Methoden und Verfahrensweisen zur Experten- oder Schätzklausur vorgestellt. Dieser Artikel ist bereits in der Loseblattsammlung „Projekte erfolgreich managen“ erschienen und wurde nun aktualisiert.

Nachdem das Projektteam den Liefer- und Leistungsumfang (Projektergebnisstruktur), die Meilensteine und die Projektstruktur für sein Projekt aufgestellt hat, müssen die Arbeitspakete aus dem Projektstrukturplan zeitlich, kapazitäts- und kostenmäßig bewertet werden. Die zum Schätzen erforderliche Erfahrung hat das Projektteam möglicherweise aus vergangenen Projekten. Voraussetzung dazu ist, dass die Daten aus abgeschlossenen Projekten in einer Projektstruktur gesammelt werden. Die Projektstruktur aus solchen Projekten soll inhaltlich ähnlich dem zukünftigen Projekt sein. Erfahrungen aus früheren Vorhaben können nur dann vernünftig genutzt werden, wenn nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden. In der Praxis scheitert die Dokumentation der Erfahrungswerte oft an den großen Unterschieden von Projekt zu Projekt. Es gibt allerdings verschiedene Firmen, die eine Erfahrungsdatenbank aufgebaut haben und trotzdem damit das Problem der Vergleichbarkeit von Projekten kaum lösen konnten. Nach wie vor müssen die gesammelten Erfahrungswerte stark subjektiv interpretiert werden. Dennoch können sie nach der Kalkulation der Arbeitspakete zu Plausibilitätskontrollen herangezogen werden.


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