Der Software-Pionier spricht mit projektMANAGEMENTaktuell über sein COCOMO-Schätzmodell

Von Siegfried Seibert

© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 1/2005, Seite 9 - 13. Alle Rechte vorbehalten.

Fast täglich hören wir Meldungen über Projekte, bei denen Kosten und Termine nicht eingehalten werden. Mehr als die Hälfte der Softwareprojekte überschreitet ihre Termine und ihre Kosten um mehr als 50 %. Auch wenn einzelne dieser Überschreitungen nicht vorhersehbar sind, so können doch die meisten Fehleinschätzungen durch fundierte Schätzmethoden vermieden werden. Eines der bekanntesten Modelle zur Schätzung der Kosten von Softwareprojekten ist COCOMO („Constructive Cost Model“). Es wird von Tausenden von Projektmanagern weltweit eingesetzt, um die Kosten- und Terminsituation von Softwareprojekten zu analysieren. Entwickelt und vorangetrieben wurde COCOMO von Professor Barry W. Boehm, einem der einflussreichsten und am häufigsten zitierten Fachleute im Software-Projektmanagement. projektMANAGEMENTaktuell sprach mit Barry Boehm über den Nutzen des COCOMO-Modells, über dessen Problembereiche und über die zukünftige Weiterentwicklung.


Foto: USC

Seit knapp 50 Jahren hat Professor Dr. Barry W. Boehm als Wissenschaftler, Manager und Hochschullehrer gearbeitet. In den 60er Jahren war er Leiter des Information Sciences Department der Rand Corporation, eines „Think Tanks“ der US-Regierung. In den 70er und 80er Jahren war er Chefwissenschaftler der Defense Systems Group bei TRW, einem kalifornischen Automotive- und IT-Unternehmen. Später arbeitete er als Direktor des Information Sciences and Technology Office im US-Verteidigungsministerium. Seit 1993 ist er Professor für Software Engineering und Direktor des Zentrums für Software Engineering an der University of Southern California (USC). Er hat im Beirat mehrerer wissenschaftlicher Magazine sowie in vielen Beratungsgremien und Komitees mitgewirkt und eine große Zahl nationaler und internationaler Ehrungen und Auszeichnungen erhalten. Boehm hat das Software Engineering und Management maßgeblich beeinflusst und gestaltet. Er war der Erste, der in den 60er Jahren die Software als den Hauptkostenfaktor zukünftiger Computersysteme identifizierte. Er entwickelte das COCOMO-Kostenschätzmodell. Er ist Erfinder des Spiralmodells für risikogetriebene, iterative Softwareprojekte, das später als Grundlage für den Rational Unified Process RUP diente und die derzeit intensiv diskutierten agilen Projektmodelle beeinflusste. Und er entwickelte bereits vor mehr als 15 Jahren den „Win-Win-Approach“, mit dem die systematische Stakeholderanalyse in Softwareprojekte integriert wurde


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