Wie findet man einen Auftragnehmer für die Umsetzung eines IT-gestützten Vorhabens?
Von Thomas Batz, Kym Watson
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 4/2004, Seite 27 - 35. Alle Rechte vorbehalten.
Thema dieses Beitrages ist, wie ein Unternehmen für eine kundenspezifische Software- Entwicklung in geeigneter Weise eine Ausschreibung durchführt und dabei einen Auftragnehmer auswählt. Wesentlichen Einfluss auf den Inhalt des Projekts haben auch die im Projekt eingesetzten Technologien, die Bedeutung des Projekts für das Unternehmen, die zur Verfügung stehende Entwicklungszeit sowie die Betriebsdauer des Systems. Neben den fachlichen, anwendungsorientierten Anforderungen an das System spielen auch die nichtfachlichen Anforderungen z. B. aus der IT-Technik (Einbindung des Projekts in die vorhandene IT-Landschaft, bestehend u.a. aus Netzen, verfügbaren Daten, bereits eingesetzten Systemen und Entwicklungsumgebung) eine wesentliche Rolle für den Erfolg des Projekts. Die Qualität des Auftragnehmers (Nachweis durch erfolgreiche Referenzprojekte und verfügbares, qualifiziertes Personal) ist bei den immer komplexer und interdisziplinärer werdenden Projekten ebenfalls von großer Bedeutung. Als standardisierte Methode zur Beschreibung und Bewertung von Anforderungen wird UfAB (Unterlagen für Ausschreibung von IT-Leistungen) verwendet, welche sehr häufig von öffentlichen Auftraggebern eingesetzt wird, aber durchaus auch für den Einsatz in Unternehmen geeignet ist. UfAB und deren Bewertungsschema werden kurz vorgestellt und anhand eines Beispiels erläutert.
1 Einleitung
Die Arbeitsteilung in unserer Wirtschaft wird immer stärker und die Wertschöpfungskette des einzelnen Unternehmens damit immer kürzer. Dies führt dazu, dass in vielen Fällen zur Softwareentwicklung externe Auftragnehmer eingesetzt werden. Nicht vorhandenes oder nicht verfügbares Fachpersonal, kurze Projekt-Umsetzungszeiten und ein rasanter Technologiewechsel tragen ebenfalls dazu bei, ein komplettes Projekt an einen externen Dienstleister zu vergeben. In diesem Beitrag soll für IT-gestützte Vorhaben ein Vorgehen zum Requirements Engineering vorgestellt werden, das die systematische Erfassung der Anforderungen zur Umsetzung des Systems und die Auswahl eines geeigneten Realisierers ermöglicht. Insbesondere werden Projekte im Forschungs- und Entwicklungsbereich betrachtet, die kundenspezifische Entwicklungen und keine Anpassung/Weiterentwicklung von Standard-Software zum Inhalt haben. Requirements Engineering ist hier sehr weit gefasst und enthält nicht nur die technischen Anforderungen an das System, sondern auch die Anforderungen an den Auftragnehmer (AN), die Integration in die betrieblichen Abläufe, die Qualitätssicherung sowie die Bewertung der Anbieter.
2 Art des Projekts
Neben der Umsetzung einer konkreten Fachaufgabe werden häufig auch Nebenziele wie das Kennenlernen neuer Techniken verfolgt. Diese sowie die vorhandenen Rahmenbedingungen haben Auswirkungen auf die Gestaltung und den Leistungsumfang des Projekts. Bezüglich der einzusetzenden Technologie ist es wichtig, ob diese bereits im Unternehmen weit verbreitet ist und die im Unternehmen getroffenen Festlegungen zu Werkzeugen, Programmierrichtlinien etc. berücksichtigt werden müssen. In der Regel muss auch eine Integration mit existierenden Systemen erfolgen, da z. B. vorhandene Daten benötigt oder die Infrastruktur wie Directory- Services, User-Verwaltung oder Authentifizierungsmechanismen genutzt werden sollen. Die zeitliche Dimension des Projekts (Entwicklungs- und Betriebszeit) und der Systemlebenszyklus haben ebenfalls erhebliche Auswirkungen auf notwendige Festlegungen. Bei langen Entwicklungszeiten sind verschiedene Ausbaustufen sinnvoll, ebenso sollte auf Veränderungen der Anforderungen reagiert werden können. Bei langen Betriebszeiten ist ebenfalls auf Anpassbarkeit gegenüber veränderten Anforderungen und den eingesetzten Technologien zu achten. Außerdem ist festzulegen, wer den Betrieb und die Weiterführung des Projekts nach Abschluss des Entwicklungsauftrags übernimmt.

Tätigkeitsbereiche
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