Psychische Anforderungen und Belastungen für Projektmanager und -mitarbeiter
Von Manfred Mühlfelder
Stress im Projekt ist ein ernst zu nehmendes Thema für jeden Projektmanager und -mitarbeiter. Es ist die originäre Aufgabe und Verpflichtung jedes Projektleiters, dafür zu sorgen, dass sowohl er selbst als auch seine Mitarbeiter unter gesundheitsgerechten Bedingungen arbeiten, gesund sind und dies auch bleiben. Der Zusammenhang zwischen psychischen Belastungen einerseits und stressbedingten Erkrankungen andererseits ist empirisch belegt. Daher sollte es zum Grundwissen eines Projektleiters gehören, solche Belastungen seiner Mitarbeiter zu erkennen und diese im Rahmen seiner Möglichkeiten zu verringern. Die Projektarbeit beinhaltet aber auch viele Anforderungen, die sich in positiver Weise auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter auswirken können. Auch dieser Zusammenhang sollte einem Projektleiter bekannt sein, um seine Projektteam- Mitglieder entsprechend on-the-job zu entwickeln und zu fördern.
Immer mehr Menschen arbeiten dauerhaft in Projekten. Projektarbeit wird als eine Arbeitsform der Zukunft diskutiert. Projektarbeit bedeutet, dass die Mitarbeiter einer Organisation dauerhaft den größten Teil ihrer Arbeitskraft für zeitlich befristete, neuartige, zieloffene Aufgaben verwenden. Beispiele hierfür sind mehrjährige Fahrzeugentwicklungsprojekte in der Automobilindustrie oder große Softwareentwicklungsprojekte in der IT-Branche, in denen bis zu mehrere hundert bis tausend Mitarbeiter involviert sind.
Ökonomische Hauptargumente für eine solche Form der Arbeitsorganisation sind zum einen eine erhöhte Flexibilität einer Organisation (Projektressourcen lassen sich leichter als Funktionsressourcen administrieren), zum anderen eine größere Wertschöpfung durch die Fokussierung auf kundenrelevante Arbeitsprozesse (z. B. die Entwicklung und Herstellung eines kostengünstigen, qualitativ hochwertigen, für viele Kunden attraktiven Fahrzeugs der Marke X bis zum Markteintrittszeitpunkt Y).
Gesundheitsrelevante Aspekte für die beteiligten Projektmitarbeiter werden in diesem Zusammenhang eher selten diskutiert. In diesem Beitrag soll daher der Versuch unternommen werden, Projektarbeit hinsichtlich ihres gesundheitsförderlichen bzw. gesundheitsschädigenden Potenzials für die Mitarbeiter zu analysieren. Die Hauptmotivation für eine genauere Beschäftigung mit diesem Thema liegt darin, dass die gängigen Bewertungsmodelle für Arbeits- und Gesundheitsschutz in industriellen Betrieben für diese und ähnliche Arbeitsformen kaum Verwendung finden. Wenn aber die Behauptung stimmt, dass immer mehr Menschen dauerhaft in Projekten arbeiten werden, erscheint es umso wichtiger, sich auch mit den gesundheitsrelevanten Aspekten der Projektarbeit auseinander zu setzen.
Als eine Facette gesundheitsgerechter Arbeitsgestaltung wird hier der Aspekt „Psychischer Stress“ herausgegriffen. Ein Grund hierfür ist die durch Beobachtung begründete Vermutung, dass stressbezogene befindens- und leistungsbeeinträchtigende Symptome (z. B. Ein- und Durchschlafprobleme, gesteigerte Reizbarkeit, Unkonzentriertheit, Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Herz-/Kreislauferkrankungen etc.) bei Mitarbeitern, die dauerhaft in Projekten eingesetzt sind, relativ häufig auftreten. Projektarbeit gilt gemeinhin als „stressig“. Eine tiefer gehende Analyse der Wirkzusammenhänge zwischen objektiven Merkmalen von Projektarbeit einerseits und stressbezogenen Gesundheitsbeeinträchtigungen andererseits erscheint daher notwendig und sinnvoll.
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 3/2004, Seite 39 - 46. Alle Rechte vorbehalten.
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