Ein hybrides Entscheidungsmodell für die Selektion alternativer Projektportfolien
Von Franz Fischer
Projektportfoliomanagement ist nach Gareis ein Geschäftsprozess projektorientierter Unternehmen. Im Projektportfoliomanagement wird einerseits die Strategie eines projektorientierten Unternehmens mit Hilfe von Projekten und Programmen abgebildet, andererseits existieren einschränkende Ressourcenbedingungen. Um ein optimales Projektportfolio zu erhalten, kann man auf die Portfoliotheorie von Markowitz zurückgreifen. Dort werden alternative Wertpapierkombinationen nach Nutzen und Risiko eingeteilt und in einer Nutzen-Risiko-Matrix dargestellt. Die Risiken korrelieren miteinander und es existiert ein optimales Wertpapierportefeuille. Troßmann wendet die Portfoliomethode auf betriebliche Projekte an, deren Nutzen und Risiko durch Erwartungswert und Varianz des abgezinsten Kapitalwerts dargestellt werden. Positiv korrelierte Projekte erhöhen das Risiko, negativ korrelierte Risiken vermindern es. Williams beschreibt das Versagen herkömmlicher Projektmanagementmethoden im Projektportfoliomanagement und Programmmanagement, wenn komplexe Zusammenhänge in großen Projekten existieren, aufgrund von Rückkoppelungsmechanismen, Feedbackschleifen und dynamischem Systemverhalten. Für die interessante Fragestellung, wie ein Projektportfolio optimiert werden kann, das in einem sehr frühen Stadium auf vorwiegend qualitative Daten angewiesen ist, kann man das folgende Verfahren anwenden. Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen gekürzten Vorabdruck aus dem gleichnamigen Buch.
Um die Projekte in einem Projektportfolio nach Nutzen und Risiko einzuteilen, muss das Risiko der einzelnen Projekte miteinander vergleichbar gemacht werden. Ausgangspunkt ist die Einteilung der Risiken nach Chicken in technische, wirtschaftliche und sozio-politische Risikoaspekte, wobei das Risiko als positive und negative Zielabweichung definiert ist. Wichtig ist die Tatsache, dass die Risikoeinschätzungen in einem sehr frühen Stadium (es existieren keine expliziten Arbeitspaketbeschreibungen) durchgeführt werden. Solche Methoden werden auch von Gutmannsthal-Krizanits vorgeschlagen, um korrelierte Risiken zu dokumentieren. Bei dem folgenden semi-quantitativen Scoring- Verfahren werden Nutzen und Risiko auf jeweils einer fünfteiligen Skala von den Entscheidungsträgern eingeschätzt. Hinter den Skalen liegen lineare (Nutzen) bzw. logarithmische (Risiko-)Wertebereiche, um die qualitativen Einschätzungen zu quantifizieren. Vereinfacht werden automatisierte Mittelwerte der einzelnen Wertebereiche durch ein programmiertes Excel-Modul generiert. Dadurch ist es im systemisch-konstruktivistischen Sinn möglich, durch explizite Berücksichtung von Korrelationen alternative Projektportfolios miteinander zu vergleichen und mit Hilfe einer vorher festgelegten Risikoeinstellung ein Optimum zu erlangen.
Eine Fallstudie mit einem anonymisierten projektorientierten
Unternehmen soll dargestellt werden. Der Prozess
der Erstellung umfasst
- die Durchführung der Risikoanalyse,
- die Ergebnisse der Risikoanalyse sowie
- die Reflexion der Erfahrungen der Risikoanalyse.
Das betrachtete Unternehmen ist einer der weltweit führenden Anbieter für Informationsdienstleistungen und -technologien. In über 100 Ländern werden Kunden bei Konzeption und Realisierung von IT-Lösungen unterstützt. Es wurde ein Projektportfolio mit Projekten in osteuropäischen Ländern betrachtet. Die 17 aktuellen Projekte sind Kundenprojekte unterschiedlicher Größe. Der betrachtete Teilbereich des Unternehmens ist eine Controlling-Stabsstelle, die Zugang zu allen laufenden Projekten besitzt und periodisch die Struktur dieses Projektportfolios bestimmt. Dazu gibt es Sitzungen der Projektportfolio-Group einmal im Quartal. Im Rahmen dieser Sitzung war es möglich, die Risikoanalyse in Form eines Risikoworkshops durchzuführen.
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 3/2004, Seite 25 - 33. Alle Rechte vorbehalten.
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