Projektmanagement auf allen Führungsebenen
Von Oliver Steeger
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 2/2004, Seite 43 - 47. Alle Rechte vorbehalten.
„Warmes Wasser für die Badewanne kommt aus dem Geyser.“ Der Produktname Geyser steht noch heute weltweit für Warmwasser-Erhitzer, so, wie man unter „Tempo“ Taschentücher versteht. 1905 entwickelte Vaillant den Gasbadeofen, und er begleitete Generationen in Küche und Bad. Heute sind die Wandheizgeräte „made by Vaillant“ mit energiesparender High-Tech und anderem Komfort mehr ausgestattet. Die Bezeichnung Geyser ist gewichen. Geblieben ist im Hause Vaillant die Marktstellung: Bei Wandheizgeräten ist die Vaillant Hepworth Group mit 21 Prozent Marktanteil weltweit führend. 1,3 Millionen Geräte setzt Vaillant jährlich ab.
In der Forschung und Entwicklung arbeiten bei Vaillant Teams mit mehreren hunderten Mitarbeitern, eine der größten und kreativsten Innovationsschmieden der Branche, wie die Remscheider Heiztechniker meinen. Für Überraschungen ist die Entwicklung immer wieder gut – getreu dem „Osterhasen“, der das Firmenlogo seit 105 Jahren ziert. Zu deren Realisierung setzt das Unternehmen ganz auf Projektmanagement. Es bietet ambitionierten Projektmanagern ein reizvolles Betätigungsfeld.

Die Vaillant Hepworth Group: Arbeitsplatz für rund 300
Projektleiter (Foto: Vaillant)
Anfang der neunziger Jahre hat Vaillant Projektmanagement eingeführt, zwei Jahre später seinen Innovationsprozess festgeschrieben. Die Unternehmensgruppe bezeichnet sich selbst als hochgradig projektorientiert. „Unternehmenswichtige Aufgaben werden ausschließlich als Projekt abgewickelt“, betont Rainer Schild, der mit seinem Team vor vier Jahren den „Deutschen Projektmanagement Award“ der GPM gewonnen hat.
Vier von fünf Projektmanagern kommen – wie auch alle anderen Führungskräfte – aus dem eigenen Haus. Der typische Weg zur Projektleitung: Ingenieure, Wirtschaftswissenschaftler oder Marketingfachleute arbeiten zwei Jahre lang in einem Projekt mit. Dann führen sie selbst ein kleines Projekt (mit einem Aufwand zwischen 2.000 und 5.000 Mannstunden), bevor ihnen die Leitung eines großen Vorhabens übertragen wird. Anschließend stehen ihnen höhere Positionen offen – die aber immer noch mit Projektmanagement verbunden sind. Selbst Verantwortliche für ganze Produktprogramme führen noch große Vorhaben an.
Nahezu alle Führungspositionen bei Vaillant sind verknüpft mit Projektmanagement. Deshalb erwartet das Unternehmen von seinen Projektmanagern auch Führungsverhalten. Sie sollen sich durch „erfolgreiche Projektführung für weiter gehende Aufgaben qualifizieren“, wie Rainer Schild formuliert. Dazu gehört beispielsweise Führen durch konstruktives Feedback, das alle einfordern und geben. „Führen durch Fragen und einvernehmliche Entscheidungen gehören zur Vaillant- Führungskultur. Gleiches gilt für aktives Zuhören, bewusstes Aufbauen von Vertrauen, Coaching der Mitarbeiter, Fragen nach den Meinungen von Mitarbeitern, Pflege von Netzwerken oder zielorientiertes Handeln. Bei Vaillant weiß man sehr genau, wie man sich die Mitarbeiterführung wünscht.
Im Jahr 2001 übernahm das ambitionierte Remscheider Traditionsunternehmen die britisch-französische Heiztechnikfirma Hepworth. Zur Marke Vaillant kamen vier weitere Marken sowie das Geschäft mit Baumaterialien und Haushaltsprodukten hinzu. Auch stieg die Vaillant Hepworth Group, wie sich Vaillant heute nennt, in den Automotive-Bereich ein. Der Gesamtumsatz schnellte auf 1,75 Milliarden Euro (2002) empor. Vaillant wächst aus dem Mittelstand heraus. Obgleich der Betrieb mit weltweit 9.300 Mitarbeitern noch nicht den Zuschnitt eines „Global Players“ hat, erleben Projektmanager hier immer mehr die Atmosphäre eines international agierenden Unternehmens. Damit kommt zunehmend internationales Projektmanagement ins Gespräch. Für die Projektmanager heißt dies: Fremdsprachenkenntnisse erwerben, Gespür für andere Kulturen und Mentalitäten entwickeln, bereit sein zu befristeten oder unbefristeten Auslandseinsätzen, zumindest zu mehr Reisetätigkeit.
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