Strukturiertes Vorgehen in interdisziplinären Projekten für interaktive Medien
Von Kerstin Osswald
Die Interactive-Media-Branche nimmt für sich in Anspruch, eine der kreativsten und innovativsten Branchen zu sein. Hier entstehen computerbasierte Anwendungen für Individual- Software, mobile Endgeräte, Internet, Intranet und weitere Plattformen, die in der Entwicklung hohe Anforderungen an zahlreiche unterschiedliche Disziplinen stellen. Die drastischen Marktveränderungen der nahen Vergangenheit haben allerdings vielen Unternehmen deutlich gezeigt, dass die rein inhaltliche Arbeit für einen unternehmerischen Erfolg oftmals nicht genügt. Aufgrund fehlender oder nicht klar definierter Vorgehens- und Steuerungsmodelle leiden heute viele Agenturen unter wirtschaftlichen Problemen. Und dies, obwohl sie in der Vergangenheit mitunter höchst kreative und prämierte Ergebnisse hervorbrachten. Das neuartige Vorgehensmodell SMART (Skalierbares Multimedia-Aufgaben- und Ressourcenplanungs-Tool) stellt Interactive-Media-Unternehmen ein Rahmenwerk zur methodischen, strukturierten und transparenten Vorgehensweise zur Verfügung und bietet interdisziplinären Teams eine grundlegende Struktur für die professionelle Arbeit. Es wurde im Jahr 2002 mit dem Studienpreis der Deutschen Gesellschaft für Projektmanagement (GPM) ausgezeichnet.
Media System Design
Sollen innovative und qualitativ hochwertige Lösungen für interaktive Medien entstehen, ist es erforderlich, dass sich neben IT-Kompetenzen noch zahlreiche weitere Disziplinen an einer Produktentwicklung beteiligen und in eine intensive Interaktion miteinander treten. Inhaltliche Konzeption, Redaktion, Marketing und Entwicklung der Benutzerschnittstelle sind nur einige Tätigkeitsbereiche, die im plattformübergreifenden Media System Design eine entscheidende Rolle spielen. In Abhängigkeit von den jeweiligen Inhalten und Projektschwerpunkten können darüber hinaus auch Psychologie, Didaktik oder Pädagogik wichtige Kompetenzen sein, die in die Projektarbeit integriert werden müssen. Dabei liegt die Hauptschwierigkeit darin, all diese Kompetenzen während des Projektverlaufs zu koordinieren, insbesondere da die Beteiligten über sehr individuelle Denkmodelle verfügen. Während sich beispielsweise der Psychologe mit dem Menschen beschäftigt, drehen sich beim Informatiker alle Überlegungen um die Maschine, den Computer. Ein jeder der beteiligten Fachbereiche verfolgt so seine individuellen Ziele und setzt unterschiedliche Vorgehensweisen und Methoden zur Zielerreichung ein.

Phasen- und Workflow-Unterteilung
Diese Tatsache stellt alle Beteiligten vor eine anspruchsvolle Aufgabe, denn speziell für das Management von Media-System-Design-Projekten und die Koordination der unterschiedlichen Spezialisten existieren kaum geeignete Managementinstrumente, die auf die individuellen Anforderungen der Branche zugeschnitten sind. Vorgehensmodelle aus anderen Bereichen, wie etwa der Informatik, berücksichtigen zwar technologische Aspekte, vernachlässigen aber weitgehend gestalterische, psychologische, emotionale und wirtschaftliche Bereiche. Sie eignen sich daher kaum für eine direkte Übertragung auf die Arbeitsprozesse in Interactive-Media- Unternehmen. Dies wird umso deutlicher, betrachtet man die übliche Vorgehensweise renommierter deutscher Anbieter. Eine umfangreiche Studie in 25 repräsentativen Unternehmen hat gezeigt, dass die Konzeption einer interaktiven Lösung oft sehr unstrukturiert stattfindet. Projektteams arbeiten häufig ohne vorgegebenes Regelwerk und in jedem Projekt unterschiedlich. Da aber die Komplexität im Entstehungsprozess eines innovativen computerbasierten Konzeptes stetig steigt, sind kompetente Projektplanung, strukturierte Durchführung, disziplinübergreifende Projektfortschrittskontrolle und darüber hinaus eine maximale Transparenz gegenüber dem Auftraggeber und allen Beteiligten dringend erforderlich.
Konzeptmanagement als neue Führungsaufgabe beschäftigt sich mit der strukturierten und modellbasierten Planung, Überwachung und Steuerung von Projekten für interaktive Medien, die hohe konzeptionelle Anforderungen stellen und eine intensive Konzeptionsarbeit erfordern. Dabei werden neben Zeit- und Kostenkomponenten insbesondere auch die inhaltlichen Bereiche betrachtet, die in Media-System-Design-Projekten einen direkten Einfluss auf die Qualität der entstehenden Produkte haben. Untersuchungen und Studien zu diesem Thema leisten einen wichtigen Beitrag, die eher noch ad hoc geführten interdisziplinären Projekte besser planbar und steuerbar zu machen.
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 2/2004, Seite 28 - 32. Alle Rechte vorbehalten.
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