Eine klassische PM-Aufgabe im Rahmen von freiwilligen Konfliktlösungsverfahren
Von Bernd Kochendörfer
Der Autor sieht Konfliktmanagement als eine der zentralen Projektmanagement-Aufgaben an. Ziel ist es, Konflikte und Konfliktbeteiligte möglichst früh zu identifizieren und effiziente Konfliktlösungsmöglichkeiten zu suchen. Er gibt einen breiten Überblick über freiwillige Konfliktlösungsverfahren bei Streitigkeiten in Bauprojeken und behandelt vertieft die mediative Sachverständigenvermittlung als Praxismodell für komplexe Planungs- und Bauvertragskonflikte.
Planen und Bauen sind per se nicht schwierigere Aufgabenbereiche als andere Projekte, trotzdem weisen sie auf Grund der Komplexität in der Aufgabenstellung und der Vielzahl von Beteiligten mit z. T. konträren Zielen sowie der ökonomischen und rechtlichen Rahmenbedingungen ein vergleichsweise hohes Konfliktpotenzial auf. Dieses lässt oftmals den Gang vor staatliche Gerichte unvermeidbar erscheinen – ein Gang mit meistens mehrjähriger Dauer, dessen Ergebnis häufig in einem Vergleich endet, der beide Parteien dann in Anbetracht der Dauer und der bis dahin aufgewendeten Ressourcen nicht mehr zufrieden stellen kann.
Bietz verweist auf Daten des Statistischen Bundesamtes von 2000, wonach Verfahren über zwei Instanzen (LG und OLG) eine durchschnittliche Dauer von über 27 Monaten aufweisen, gelangt der Fall vor das BGH, muss mit weiteren 12 Monaten gerechnet werden. Aus PM-Sicht und ohne detaillierte Quantifizierung der Verfahrensfolgen kann dabei mit Sicherheit nicht mehr von schnellen und kostengünstigen Konfliktlösungen gesprochen werden.
Ausgehend vom Konfliktmanagement als einer der zentralen PM-Aufgaben mit möglichst frühzeitiger Identifikation von Zielkonflikten und Konfliktbeteiligten sowie der Suche nach Wegen zu in jeder Beziehung effizienten Konfliktlösungen stellt sich insbesondere für den PM-Verantwortlichen in Bauprojekten die Frage, welche Wege grundsätzlich begangen werden können, welches Chancen-Risiken-Profil die verschiedenen Wege aufweisen und wie insbesondere die oft zitierten und unbestritten erstrebenswerten Win-win- Situationen erreicht werden können. Die Mediation als Weg zur Konfliktlösung, die im Wesentlichen durch die Beteiligten selbst erarbeitet werden kann, muss dabei im Kontext der Verfahrensalternativen gesehen und bewertet werden. Dieser Beitrag steht deshalb im inhaltlichen Zusammenhang mit dem Beitrag von Vock in dieser Ausgabe.
Abgrenzung von Verfahren zur Konfliktlösung nach deutschem Recht
Genau genommen dürfte man nicht von Verfahren zur Konfliktlösung, sondern nur von Verfahren zur Konfliktbehandlung sprechen; denn ob eine Lösung erreicht wird, liegt weniger am Verfahren oder am methodischen Ansatz, sondern an den Beteiligten. Hertel spricht von der Konfliktbewältigung und trifft dabei im Wesentlichen folgende Abgrenzungen zum Verfahren der Mediation, das ein außergerichtliches Verfahren darstellt, in dem die Parteien unter Einbeziehung eines neutralen Dritten aktiv und eigenverantwortlich gemeinsam eine Lösung erarbeiten.
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 2/2004, Seite 20 - 27. Alle Rechte vorbehalten.
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