Projektmanagement im Spiegel der Zeit – Teil 1
Von Astrid Pfeiffer
2004 wird die GPM 25 Jahre alt. Von 1979 bis heute hat sie die Entwicklung des Projektmanagements in Deutschland begleitet und maßgeblich gestaltet. Zeit für einen Rückblick über die Geschichte des Projektmanagements und ein Ausblick in die Zukunft. Als Start einer mehrteiligen Serie geben wir in diesem Heft einen Überblick über die Vorläufer des modernen Projektmanagements vom Altertum bis in die Neuzeit. Großprojekte, die gemanagt werden mussten, gab es bereits im alten Ägypten und im Mittelalter, auch wenn damals noch niemand von Projektmanagement im heutigen Sinne sprach. Erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts existiert dieser Begriff, und erst seit dieser Zeit fanden Projektplanungstechniken eine größere Verbreitung.

Wernher von Braun, Leiter deut-
scher und amerikanischer Rake-
tenprogramme, hatte an Projekt-
management noch kein besonde-
res Interesse (Foto: NASA)
Die Baumeister des alten Ägypten haben eine Leistung erbracht, die bis heute unübertroffen ist: den Bau der Pyramiden. Das um 2700 vor Christus errichtete Grabmal des Pharaos Cheops, die größte Pyramide des Landes, war für damalige Verhältnisse ungeheure 146 Meter hoch – vergleichbar einem Wolkenkratzer mit 42 Stockwerken – und bedeckte mehr als fünf Hektar Fläche. In diesem Beitrag interessiert jedoch weniger das technische Können, sondern die Perspektive des Projektmanagements.
Die Baumeister bewegten Zehntausende von Arbeitern dazu, unter Qualen tonnenschwere Steinquader aufeinander zu schichten. Sie koordinierten den Einsatz der Arbeiter, organisierten Baumaterial und sorgten für dessen Transport zur Baustelle. Dafür bedurfte es einer funktionierenden Infrastruktur. Professor Bernd J. Madauss, Autor des Standardwerks „Handbuch Projektmanagement“ (siehe Interview), glaubt deshalb: „Schon beim Pyramidenbau muss eine Art Projektmanagement- Funktion existiert haben.“
Über Jahrzehnte schufteten Zehntausende von Steinmetzen, Facharbeitern, Tagelöhnern und Versorgungspersonal auf der Baustelle. Gearbeitet wurde in Gruppen, wahrscheinlich einige hundert Mann pro Team, und zwar im Schichtbetrieb, so dass immer nur eine begrenzte Zahl von Arbeitern zeitgleich im Einsatz war. Die Baumeister sollen bereits Buch über Arbeitszeiten, Personaleinsatz und Löhne geführt und Berichte über Baumaßnahmen, Logistik sowie Zeitpläne erstellt haben. Starb ein Pharao, bevor seine Pyramide, die ihm als Grabmal für die Ewigkeit dienen sollte, fertig war, war Krisenmanagement angesagt. Priester, Architekten und Bauleiter mussten innerhalb kürzester Frist eine Ersatzlösung realisieren, da die Mumie des verstorbenen Pharaos 70 Tage nach dessen Tod beigesetzt werden musste.
Projekte für militärische Zwecke
Die griechischen Philosophen und Techniker der Frühantike besaßen bereits ein umfangreiches Wissen in den Naturwissenschaften. Doch das Ingenieurwesen erlebte erst später, im Römerreich, seine Hochzeit. Vor allem die Militäringenieure trieben die Entwicklung in der Bautechnik voran. Die römischen Legionen sorgten für den Ausbau der Straßen, errichteten Brücken, Häfen und Städte. Ein Großteil der Projekte diente also schon damals militärischen Zielen. Sie ermöglichten erst, dass Projektmanagement später auch in zivile Bereiche vorstieß.
Andere große Bauprojekte, etwa die Chinesische Mauer, dienten ebenfalls militärischen Zwecken. Der Schutzwall ist etwa 3.450 Kilometer lang, mit allen Zweigmauern 6.250 Kilometer. Schon 481 bis 249 vor Christus setzte der Bau von Grenzbefestigungen in China ein. Damals bestanden diese Wallanlagen zur Abwehr von Überraschungsangriffen der Reiternomaden aus der Steppe und zum Schutz gegen die Nachbarstaaten noch aus Erde und Holz. Die Ming-Dynastie, die von 1368 bis 1644 regierte, brachte die Mauer in ihre heutige Form.
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 1/2004, Seite 3 - 9. Alle Rechte vorbehalten.
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