Eine Stellungnahme zu dem Artikel „Neuorientierung oder Glasperlenspiel?“ in Projektmanagement aktuell, Heft 2/2003

Von Christian Eisenschink

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1 Einführender Sachverhalt

Der Artikel „Neuorientierung oder Glasperlenspiel?“ von Günter Drews in „Projektmanagement aktuell “ (2/2003) kritisiert die Ansätze der Systemtheorie und bezweifelt darüber hinaus den Nutzen einer theoretischen und praktischen Integration systemorientierter Ausprägungen in das Projektmanagement. Die nachfolgenden Ausführungen, deren Umfang durch eine Restriktion der Herausgeber gekennzeichnet war, positionieren die Drews ’schen Entgegnungen zur Systemtheorie und zeigen die potentiellen Erkenntnisgewinne von systemischen Ansätzen im Projektmanagement. Zudem sollen Impulse entstehen, die Rolle ökonomischer Erkenntnisse in die Diskussion um „Neue Wege im Projektmanagement “einzubringen.

2 Theoretische Bausteine

2.1 Theoriedynamik durch Konzepttransfers

Drews negiert die systemorientierten Ansätze durch Zitate von Anthony Giddens, Jürgen Habermas etc., die eine Übertragung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse auf die Gesellschaftstheorie in Frage stellen. Jedoch steht die Diskussion von Konzepttransfers zwischen wissenschaftlichen Disziplinen seit einigen Jahren nicht mehr im Zentrum der Betrachtung. Die Nutzenerhöhungen übertreffen in den meisten Disziplinen die möglichen Nachteile etwaiger inkonsistenter Analogieschlüsse. „Evolutiv belohnt wird nicht Vollkommenheit, sondern Effektivität. Für evolutiven Erfolg maßgebend ist nicht pure Qualität, sondern ein vertretbares Kosten-Nutzen-Verhältnis.“

Bereits im letzten Jahrhundert konnten Konzepttransfers, insbesondere auch innerhalb der Naturwissenschaften, zur Entwicklung der Theorien und des technischen Fortschritts beitragen. Als prominente Beispiele können die Übertragung von Konzepten der Informatik auf die Molekularbiologie und Gentechnologie sowie auf die Gehirnforschung genannt werden. Zudem können auch Übertragungen naturwissenschaftlicher Konzepte in den Gesellschafts- bzw. Wirtschaftswissenschaften Erkenntniszuwächse generieren, wie z.B. die Blutkreislaufanalogie von F. Quesnay (1694 – 1774),die die Grundlagen für die moderne volkswirtschaftliche Gesamtrechnung bereitstellte. Quesnay übertrug als homöopathischer Arzt auch die Hippokratischen Gedanken auf die Wirtschaft, wodurch sich die Vorstellung der Selbstheilungskräfte der Wirtschaft entwickelte. Diese Ansätze wurden für die Ausarbeitung des Konzeptes einer (selbst organisierten)Marktwirtschaft verwandt. Die aufgezeigten Beispiele belegen die Erkenntnisfähigkeit interdisziplinären Handelns, die die Grundlage für die Evolution in den einzelnen Disziplinen darstellt.

© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 4/2003, Seite 45 -47. Alle Rechte vorbehalten.
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