d4b53ab0-ace6-42e4-860a-92a49eb24468TrueISBN3448047864LargeBooks
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 3/2003, Seite 40. Alle Rechte vorbehalten.
Die erfreuliche Nachricht zu Beginn: Am Markt ist nach den vielen in neuerer Zeit erschienenen Me-too-Veröffentlichungen zum Thema „Projektmanagement“ wieder ein sehr empfehlenswertes Buch erschienen. Schulz-Wimmer hat ein klar gegliedertes Werk vorgelegt, dessen Lektüre auch dem Profi Spaß machen sollte. Nach der sehr kompetenten Klärung von Grundsatzfragen und der Vermittlung von notwendigem Basiswissen wird der Leser am Beispiel eines allgemeinen Vorgehensmodells (Definitionsphase – Planungsphase – Umsetzungsphase) durch den umfangreichen Stoff geführt. Das außerordentliche didaktische Geschick des Verfassers zeigt sich insbesondere an dem durchgezogenen, nicht trivialen (!) Projektbeispiel (erstmalige Beteiligung einer Firma an der CeBIT), den zahlreichen, gut gemachten Checklisten und den vielen anderen Arbeitshilfen wie etwa Formularbeispielen, die auch auf der CD zu finden sind. Der Verlag hat das durch ein durchdachtes und sehr ansprechendes Layout (Marginalien und graphische Symbole z. B. für die Aufforderung „to do“ oder den Hinweis auf ein Formularmuster) noch unterstützt. Besondere Klarheit gewinnt die Darstellung durch die Verwendung des Schemas Eingabe ––> Prozess ––> Ergebnis, das an den PMBOK des PMI angelehnt ist, das aber von Schulz-Wimmer behutsam und mit Vernunft benutzt wird.
Dass der Verfasser wirklich weiß, wovon er redet, und dass er Projekterfahrung hat (heute bei Verfassern von Projektmanagementbüchern keine Selbstverständlichkeit mehr) zeigt sich an vielen Stellen. So schätzt er z. B. die Rolle von PM-Software sehr nüchtern ein. Man kann über das Werk verstreut viele wertvolle Bemerkungen lesen, die in der Literatur leider nur selten zu finden sind, wie z. B. handwerkliche Hinweise auf die Ablaufplanung, verbunden mit der Warnung: „Versuchen Sie einmal auf einem PC-Bildschirm schon 30 oder 40 Arbeitspakete im Blick zu behalten!“ Ein Theoretiker würde so etwas nie schreiben. Derartige Tipps sind es, die u. a. den Wert eines Buches für die Praxis ausmachen.
Einige Abschnitte, die ich für besonders gelungen halte, seien hier kurz hervorgehoben:
- die Situationsanalyse zu Beginn eines Projekts mit sehr originellen Anregungen,
- die Stakeholderanalyse mit einem „Kraftfelddiagramm“,
- die Ausführungen zur Zielentwicklung mit instruktiven Empfehlungen zur Operationalisierung von Zielen und
- die Darstellung zum Projektmarketing.
Manche Mängel fallen demgegenüber nicht allzu sehr ins Gewicht. Angreifbar ist etwa die Formel für die Aufwandsschätzung (S. 209): Aufwand = [Ao (optimistische Schätzung) + Ap (pessimistische Schätzung) + 4 · Aw (wahrscheinlicher Aufwand)] : 6.
Hier wird ungeprüft und ohne Diskussion die außerordentlich problematische, auf der Annahme der Beta-Verteilung basierende Zeitschätzformel des klassischen PERT auf die Aufwandsschätzung übertragen. Und noch ein Punkt: Wenn schon empfohlen wird, Schätzungen in der Gruppe zu machen, dann sollte auch ein praktikables Verfahren (z. B. Breitband-Delphi oder die Methode der Schätzklausur in ihren verschiedenen Varianten) dargestellt werden.
Was mich zusätzlich ein wenig stört, ist der gelegentlich sorglose Umgang des Autors mit anderen Quellen, den Schulz-Wimmer bei der Originalität seiner Ausführungen gar nicht nötig hätte. So sind z. B. die Bemerkungen auf S. 14 ff. sehr stark an das Buch von Lechler (Erfolgsfaktoren des Projektmanagements) angelehnt, ohne dass dies erwähnt wird. Die sehr nützliche Matrix auf S. 12 („Wie komplex ist das Projekt?“) stammt von Mitarbeitern der nicht zitierten Beratergruppe Neuwaldegg und die individuelle Wirkungsanalyse (S. 116) macht beträchtliche Anleihen bei Hansel und Lomnitz. Das mindert den Wert des Buches nicht, sollte aber in einer zweiten Auflage korrigiert werden.
Um die eingangs gemachte Feststellung nochmals zu wiederholen: eine ganz vorzügliche Neuerscheinung, die nahezu alle wesentliche Aspekte des Projektmanagements behandelt und auch Fortgeschrittenen wärmstens empfohlen werden kann.