Kritik der systemtheoretischen Ansätze im Projektmanagement, Teil 2
Von Günter Drews
Der Autor setzte sich in Heft 2/2003 kritisch mit dem im „Arbeitskreis Neuorientierung im Projektmanagement” der GPM eingeschlagenen Weg auseinander, eine Projektmanagementtheorie und -praxis auf systemtheoretischer Grundlage zu entwerfen. Er kritisierte eine systemische Verengung des theoretischen Bezugsrahmens, der andere fruchtbare, in der Praxis bewährte Ansätze wie interpretative und handlungsorientierte Theorien aus dem Blick verliert. Begrenzter neuer Erkenntnisgewinn und Fehlentwicklungen der „Neuen Wege im Projektmanagement” wurden an den Beispielen Zielbildungsprozess und Projektabschluss analysiert.
Anhand der Theorie der Strukturierung von Giddens werden in diesem Heft die Grundzüge eines handlungsorientierten Projektmanagements beschrieben und mit Beispielen (der Theory of Constraints von Goldratt und der Accelerated Solution Environment™ von Cap Gemini Ernst & Young) in der Praxis bewährter Vorgehensweisen dargestellt, die belegen, wie fruchtbar interpretative Ansätze für eine Projektmanagementpraxis nutzbar gemacht werden können.
3 Alternative Ansätze
Im Folgenden werden Ansätze diskutiert, die die „neuen Wege“ aus dem Blick verloren haben, und an zwei Beispielen die Fruchtbarkeit dieser Ansätze für eine Projektmanagementpraxis aufgezeigt.
3.1 Handlungsorientiertes Projektmanagement
Systemtheoretische Ansätze sind weitgehend objektivistisch. Sie betrachten das Handeln der Akteure in einem System als von Systemzwängen determiniert und nur in engen Grenzen beeinflussbar. Demgegenüber stellen subjektivistische Ansätze die Handelnden in den Vordergrund. Sie sind akteurorientiert.
Ein handlungsorientiertes Projektmanagement verhilft den Akteuren wieder zu mehr Einflussmöglichkeiten gegenüber der Überbetonung von vermeintlichen Gesetzmäßigkeiten sozialer Systeme. Dabei decken sich handlungsorientierte Ansätze wie Rational-Choice-Theorien und verständnisorientierte Theorien von hermeneutischen Ansätzen bis zum modernen Wissensmanagement weitgehend mit Giddens’ Theorie der Strukturierung, sowohl was die Einschätzung des Verhältnisses von Akteuren zum sie umgebenden und von ihnen geschaffenen System betrifft als auch in Bezug auf die Einschätzung des Bewusstseins der Akteure von den Bedingungen, unter denen sie handeln.
Giddens versucht, die Gegensätze zwischen objektivistischen Theorien und subjektivistischen Ansätzen aufzuheben. Das Verhältnis von System und Akteur wird als ein dialektisches Verhältnis interpretiert, in dem die von den Akteuren selbst gestalteten Strukturen auf diese zurückwirken und aus der Sicht der Handelnden zu unbeabsichtigten Folgen der eigenen Handlungen führen (ein Phänomen, das jedem Projektmanager geläufig sein dürfte).
Die Akteure betrachtet Giddens als mit Bewusstheit ausgestattete Personen, das heißt, die Personen wissen über die Umstände ihres Handelns entweder implizit Bescheid, oder in Form eines diskursiven Wissens, das in der Lage ist, die Bedingungen des eigenen Handelns zu verbalisieren und Gründe dafür anzugeben.
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 3/2003, Seite 25 – 28. Alle Rechte vorbehalten.
Mehr zum Thema: PM Optimierung
... Weiterlesen in PDF-Ausgabe (Für registrierte GPM-Mitglieder)