Wenn Leistung allein nicht voranbringt ...

Von Oliver Steeger

Leistung zählt, heißt es unter aufstiegswilligen Projektmanagern. Sie krempeln die Ärmel hoch. Mit jedem Projekt legen sie die Messlatte höher. Noch schwieriger, noch komplexer, technisch noch anspruchsvoller ist das Folgeprojekt. Irgendwann aber liegt die Messlatte zu hoch. Mit Misserfolg schließt das „finale“ Projekt ab – und beendet den Aufstieg des einst hoffnungsvollen, jetzt ratlosen Projektleiters. Eine heimtückische Karrierefalle. Und sie ist derzeit nicht die einzige Falle auf dem beruflichen Weg vieler Projektmanager. Aufspringen auf den Karrierezug – leicht gesagt! Noch wenige Unternehmen bieten derzeit Projektmanagern ein attraktives Karrieremodell. Aber: Tendenz steigend …

Karriere als Projektmanager machen: Das kommt manchen wie die Quadratur des Kreises vor. Sie arbeiten hart. Doch die Personalverantwortlichen und Auftraggeber vergessen derlei Projekterfolge schnell. Angebote der Unternehmen, die Karriereleiter emporzuklettern, bleiben aus. So versuchen manche Projektleiter, durch mehr Leistung auf sich aufmerksam zu machen und den Anlauf auf dem schwierigen Karriereweg zu schaffen. Es hilft nicht viel, leider.

Karrierestrategien, die in der Linie wie eine gut geölte Maschine funktionieren, versagen im Projektmanagement. „Hoffnungen, dass Leistungen in Projekten im Unternehmen auffallen und die Karriere fördern, werden häufig bitter enttäuscht“, meint Heinrich Keßler, Berater für Bildung, Organisationsentwicklung und Wissensmanagement. Seit mehr als 15 Jahren ist er in einem deutschen Automobilkonzern tätig und hat sich des Themas Karriereentwicklung angenommen. Er beobachtet: „Geht es beispielsweise darum, einen Linienmanager für ein Team mit einem Etat von zehn Millionen Euro zu finden, liegen gute Instrumente und Strategien für die Personalauswahl und –entscheidung bereit. Dagegen werden Projektleiter für ein Projekt mit einem Budget von zehn Millionen Euro eher auf Zuruf, manchmal auch durch Zufall berufen.“

In der Tat bemühen sich derzeit wenige Unternehmen, das Thema „Karriere im Projektmanagement“ voranzubringen. Konzerne wie die Deutsche Telekom, Lufthansa Systems oder Siemens haben eigene Karrieremodelle erprobt oder dauerhaft installiert. Vorhut bildet hier unter anderem die Software-Branche. So hat Lufthansa Systems ein Karrieresystem entwickelt und dabei auf das vierstufige Zertifizierungssystem der GPM-eigenen, unabhängigen Zertifizierungsgesellschaft PM-Zert aufgesetzt (siehe „Projektmanagement aktuell“, Heft 3/2002). Noch lässt sich nicht abschätzen, ob diese ersten Ansätze auf breiter Front Schule machen.

© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 3/2003, Seite 8 - 12. Alle Rechte vorbehalten.
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