Von Heinz Schelle
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 2/2003, Seite 4. Alle Rechte vorbehalten.
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Projektmanager hatten vor allem im 16.und 17.Jahrhundert nicht den besten Ruf im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Natürlich nannte man sie nicht so, vielmehr hießen die Initiatoren und Leiter von Projekten damals Projekte- oder Projecte(n)macher.
Wer mit Google im Internet unter dem ersten Begriff sucht, wird erstaunt sein, wie viel Informationen ihm aufgelistet werden. Meist ist der Kontext allerdings ziemlich negativ. So heißt es z.B. für Giacomo Casanova im Klappentext zu seinen berühmt-berüchtigten Memoiren: „Giacomo Casanova, Chevalier de Seingalt, trat in den Metropolen des 18. Jahrhunderts in jeder nur denkbaren Profession auf. Hochgebildet und zu allem fähig, zog er als Magier, Spieler, Literat, Spion, Diplomat, Börsenspekulant,Projektemacher durch ganz Europa. “Nebenbei: Der Begriff „Projekt“ wurde bereits vor rund 300 Jahren in etwa dem Sinne wie heute gebraucht. Es waren häufig recht windige Burschen, die sich da mit kühnen Versprechungen an potentielle Sponsoren, häufig Fürsten deutscher Kleinstaaten, heranmachten. Dass dabei gelegentlich auch wertvolle, wenn auch ungeplante Ergebnisse erzielt wurden, zeigt der Fall der Erfindung des Porzellans durch J.F. Böttger, eigentlich ein klassisches F&E-Projekt.
Eine besonders negative Beurteilung der Projektleiter der Frühen Neuzeit kann man im „Grossen vollständigen Universal-Lexikon “(Bd. 29, Pr-Pz, Halle und Leipzig 1741, Sp. 784) von Johann Heinrich Zedler nachlesen. Der „Zedler“, für Historiker eine unentbehrliche Quelle, gibt auch Ratschläge für den Umgang mit Projektmanagern und ihren nicht immer ganz soliden Projektanträgen.
Im Brockhaus der damaligen Zeit steht geschrieben:
„Projectenmacher, heissen insgemein diejenigen, welche den Leuten dieses oder jenes Project, davon sie sich vor die Erfinder ausgeben, entdecken, und sie zu deren Ausführung unter scheinbahren Vorstellungen eines daraus zu erwartenden Gewinns anermuntern. Einem solchen muß man nicht sogleich Gehör geben, weil sie insgemein Betrüger sind (Hervorhebung durch den Verfasser), vielweniger Geld-Summen seinen hochherausgestrichenen Vorschlag damit auszuführen geben, denn das und nichts anders ist es öffters, was solche Leute intendiren. Solche Projectmacher wagen sich öfters an hohe Häupter und hat ein Minister hiebey alle Behutsamkeit anzuwenden, dass er erforsche, ob sein Landes-Herr mit einem ehrlichen Manne oder einem Betrüger zu thun habe, welches letztere sich sonderlich erfahren und mercken läst, wenn ein solcher Kerl von lauter grossen Stücken und viel tausenden spricht, Monopolia angiebt und darbey grosse Besoldungen und Prädicata sich ausbedingen will, ingleichen wann er mehr des Herrn seine Schatzkammer als dessen Unterthanen zu bereichern, im Vorschlage hat, da doch, wenn diese viel haben, des Landes-Herrn seine Kammer auch keinen Mangel leiden wird. Man erkennt ferner solche Leute, wenn sie grossen Vorschuss voraus prätendieren, und tausend haben wollen, wozu sie hundert nöthig hätten, auch mit solchen auskommen könnten.“