Von Oliver Steeger
Eine enorme Belastung für Geschäftsbilanzen und Image in der IT-Branche: Fast jedes dritte IT-Projekt, so berichtet der CHAOS-Report der Standish-Group, scheitert. Bei mehr als der Hälfte der Vorhaben werden die ursprünglichen Kostenschätzungen um nahezu 200 Prozent überschritten. 16 Prozent der untersuchten Projekte hielten Termin und Kosten ein und realisierten auch die ursprünglich geplanten Funktionen. „Die Zahlen spiegeln erschreckend die Praxis in der IT-Branche wider“, verrät ein leitender Projektmanager eines bundesdeutschen IT-Spezialisten im vertraulichen Gespräch, „das sind nicht nur nackte Fakten. Dahinter steht Leidensdruck.“ Risikomanagement, hält Experte Markus Gaulke entgegen, könnte die Not im IT-Projektmanagement deutlich lindern. Markus Gaulke, Risikomanagement-Experte im Bereich Information-Risk-Management bei KPMG: „Viele in der IT-Branche üblichen Industriestandards wie das Reifegradmodell oder ISO-Normen beinhalten Risikomanagementaspekte.“
Es gab Zeiten, da federten satte Margen aus dem Hardware-Geschäft die Schlappen der IT-Projekte ab. Doch die Zeiten sind vorbei. Misslingen heute IT-Projekte, schlägt dies ungeschmälert auf die Geschäftsbilanzen durch. Die Fehlschläge kosten Dienstleister und Kunden nicht nur Investitionen, sonder eben auch jene Wettbewerbsvorteile, die mit dem Projekt erzielt werden sollten.
Ein wichtiger Grund für die Misserfolge liegt im mangelhaften Risikomanagement. Viele Projekte wären günstiger verlaufen oder erst gar nicht gestartet worden, hätten sich die Unternehmen über die Gefahren ihres Vorhabens informiert. Während sich viele Großunternehmen auf das Risikomanagement vorbereitet haben, arbeiten kleine Dienstleister und Mittelständler nach wie vor auf gut Glück. Wie lange das so noch gut geht, das können selbst Branchenkenner nicht abschätzen. Der Druck nehme zu – und auch die Angst.
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 2/2003, Seite 14 - 15. Alle Rechte vorbehalten.
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