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Von Oliver Steeger

Risiko vorprogrammiert: Von 10.000 potentiellen Wirksubstanzen kann die Pharma-Forschung am Ende nur eine Handvoll auf den Markt bringen. Der Rest scheitert in den umfangreichen Labortests, Tierversuchen, klinischen Studien und Genehmigungsverfahren. Ein zwar „natürliches“, nichts desto trotz jedoch gewaltiges Risiko, mit dem die Entwicklung neuer Medikamente behaftet ist. Für die Pharma-Branche gilt als wahrscheinlich, dass solch ein Projekt während seiner zehn- bis zwölfjährigen Laufzeit eher auf der Strecke bleibt, als dass es gelingt und das Medikament in die Apotheken kommt.

Die Entwicklungswelt der Pharma-Industrie gleicht einem Labyrinth – viele Sackgassen und nur wenige Wege zum Ziel. Selbst dann, wenn nach drei bis vier Jahren Forschungszeit neue Wirksubstanzen beim Menschen angewendet werden können, haben sie nur eine Chance von zehn bis zwanzig Prozent, den Markt zu erreichen und die Entwicklungskosten wieder einzuspielen. „Wenn Sie bedenken, dass die Entwicklung eines Medikaments 500 bis 800 Millionen Euro kosten kann, wägen Sie genau ab, in welchem Stadium Sie ein Projekt abbrechen oder welches Restrisiko Sie bei der Weiterführung akzeptieren können“, erklärt Dr. Sabine Bernotat-Danielowski, Leiterin der globalen Portfolioplanung bei Merck KGaA Pharma.

Mit diesen Risiken umzugehen, das hat die Pharma-Industrie gelernt. Der Branche ist es nicht möglich, die technischen Risiken ihrer Projekte vollständig auszuschließen. Sie wägt ab, welche Risiken sie für welchen möglichen Gewinn in Kauf nimmt. Was lohnt es sich wirklich zu riskieren – diese Frage stellt sich im Pharma-Projektalltag fast täglich. Hier beschäftigen sich interne und externe Fachleute damit, technische Risiken und den künftigen Markterfolg abzuschätzen. Beides wägen die Unternehmen gegeneinander ab. Erst dann entscheiden sie, ob es mit einem Projekt weitergeht oder ob es mangels Erfolgsaussicht eingestellt wird.

Risiko-Wertanalyse nennt sich diese Strategie, mit den Risiken umzugehen, eine Vorgehensweise, die sich auch für andere Branchen empfiehlt. Risiko-Wertanalyse: Hier verhalten sich die Pharma-Entwicklungsabteilungen ähnlich wie Versicherungsgesellschaften. Sie versuchen Risiken so präzise wie möglich zu beziffern und in Wahrscheinlichkeiten zu rechnen. Komplizierte Rechenmodelle liegen dem zugrunde. Die Entwickler bauen Szenarien auf, spielen von Meilenstein zu Meilenstein Was-wäre-wenn-Modelle durch und kommen zu bemerkenswert sicheren Ergebnissen.

© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 2/2003, Seite 11 - 13. Alle Rechte vorbehalten.
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