Von Oliver Steeger
Der Kunde gibt seinen Druck an das Team weiter. Keine Zeit verlieren, schon gar keine Zeit verschenken. Beispielsweise verschenken für den Projektstart. Binnen zehn Monaten soll die neue Softwarelösung in der Testphase sein. Den Wunsch des Projektleiters, in einer „stillen“ Woche den Projektstart vorzubereiten, schmettert der Auftraggeber ab: „Die Zeit, die Sie damit vergeuden, wird hinterher fehlen.“ Hinterher fehlt in der Tat Zeit. Zeit, die Fehler zu Beginn des Projekts zu korrigieren. Und was das für Fehler sind: Streit mit dem Kunden über Auftrag und Leistungsumfang, Kompetenzgerangel und Missstimmung im Team, Ärger mit beteiligten Abteilungen und politische Probleme im Management. Nicht alles, aber vieles wäre vermeidbar gewesen.
Nach Expertenmeinung verschenken Deutschlands Projektmanager beim Projektbeginn nach wie vor viele Chancen und bringen sich unnötig in Gefahr. Sie definieren unzureichend Ziele, lassen den Auftrag im Unklaren, entwickeln keinen Teamgeist, machen sich zu wenig Gedanken über die Risiken ihres Vorhabens – all das, was in Projektmanagement-Seminaren betont wird, bleibt im Arbeitsalltag ungehört. Dies, scheint’s, wissen insgeheim auch die Projektmanager selbst.
Symptomatisch: Als Beraterin Sabine Peipe vor GPM-Regionalgruppen das „Allerweltsthema“ Projektstart präsentierte, fand sie dicht besetzte Stuhlreihen in den Seminarräumen. „Das breite Echo auf mein Vortragsangebot hat mich überrascht“, meint sie, „Projektstart gehört doch zum kleinen Einmaleins des Projektmanagements.“ Methoden und Vorgehensweisen für den Aufbruch ins Projekt seien bekannt und in nahezu jedem Grundlagenwerk zum Projektmanagement zu finden.
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 1/2003, Seite 43 - 44. Alle Rechte vorbehalten.
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