Von Heinz Schelle
Fehlgeschlagene Projekte gibt es natürlich auch in der Privatwirtschaft in großer Zahl. Der Unterschied zu Projekten der Öffentlichen Hand ist, dass der Misserfolg häufig verheimlicht werden kann und dass die Geschädigten in der Regel „nur“ die Anteilseigner, der Kunde und u. U. auch die eigenen Mitarbeiter sind. Bei Projekten, die von Ministerien und sonstigen staatlichen Stellen durchgeführt werden, sind wir, die Steuerzahler, diejenigen, die letztendlich den Schaden tragen. Gott sei Dank gibt es wenigstens Rechnungshöfe, die die Pannen dokumentieren. Im neuesten Bericht des Bundesrechnungshofs (www.bundesrechnungshof.de) werden neben vielen Fällen der Geldverschwendung im Bereich der administrativen Routineaufgaben auch eine ganze Reihe von Projektkatastrophen aufgeführt. Ein besonders eklatantes Beispiel ist das Vorhaben „Einsatz des Softwareprodukts Lotus Notes in der Bundeswehr“ (S. 193 ff. im 300 Seiten starken Bericht vom November 2002; das Gutachten kann kostenlos aus dem Netz heruntergeladen werden). Die Bundeswehr betreibt den Kommunikationsverbund mit rund 1.000 Servern und etwa 60.000 Nutzern. Der Rechnungshof nennt nicht die genaue Budgetsumme des Projekts, sondern spricht nur von einem dreistelligen Millionenbetrag (DM). Hier die Kritik in Kurzform: „Trotz dessen Größe, Komplexität und Bedeutung führte die Bundeswehr den Kommunikationsverbund nicht als strukturiertes IT-Großprojekt. Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen und Projektplanungen, die für einen wirtschaftlichen Verlauf des Projekts notwendig gewesen wären, nahm sie nicht vor. Hieraus ergaben sich hohe vermeidbare Kosten.“ Und an anderer Stelle kann man lesen: „Die Verantwortlichen setzten nicht die erforderlichen Instrumente ein, um einen ordnungsgemäßen Projektverlauf sicherzustellen.“ Diese herbe Kritik wiegt um so schwerer, als das Bundesministerium für Verteidigung vor allem in den 60er und 70er Jahren ein Pionier systematischen Projektmanagements in Deutschland war.
Welche Folgerung lässt sich für die GPM daraus und aus den vielen anderen vom Bundesrechnungshof gerügten Vorhaben ziehen? Wir sollten mit dieser Institution, mit den Landesrechnungshöfen und auch mit dem Bund der Steuerzahler strategische Allianzen schließen und für Projektmanagement in einer großen Pressekampagne werben. Das wäre im Zeichen leerer Kassen dringend notwendig.
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 1/2003, Seite 45. Alle Rechte vorbehalten.
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