„Projektmanagement meist erst, wenn es kriselt“

Von Oliver Steeger

Nicht alle Tage wird eine so umfangreiche Studie zum Thema Projektmanagement vorgestellt. Grund genug für Projektmanagement aktuell, mit dem Initiator der ab Seite 4 vorgestellten Studie Kontakt aufzunehmen. Redakteur Oliver Steeger sprach mit Karsten Schmidt von „Volkswagen Coaching Projekt-Management“ über Ergebnisse und Perspektiven der Studie, die seit Juni 2002 unter dem Titel „Stand und Trend von Projektmanagement in Deutschland“ vorliegt.


Mit Ihrer Studie haben Sie eine Bestandsaufnahme des deutschen Projektmanagements vorgelegt. Was hat Sie zu dieser Studie motiviert?
Es ging uns in erster Linie darum, das Verständnis von Projektmanagement, die Erfolgsfaktoren und quasi die aktuelle Situation des Projektmanagements zu ermitteln.

Gibt es da Bedarf?
Aber ja. Praxiserfahrungen haben gezeigt, dass mehr Kenntnisse über die Realität von Projektarbeit notwendig sind, da Projektmanagement in Deutschland unterschiedlich eingesetzt und gestaltet wird. Abstimmungen zwischen Lehre und Praxis erscheinen notwendig, um die aus diesem Spannungsfeld entspringenden Fragen zur Umsetzung von Projektmanagement zu klären. Des Weiteren benötigen wir diese Informationen für unsere Projektmanagementberatung. Die Frage war hier, was müssen wir wie auf dem Markt für Projektmanagementdienstleistungen anbieten.

Und? Sie haben Antworten auf diese Fragen gefunden?
Antworten vielleicht nicht, aber viele wichtige Informationen. Wir können beispielsweise nachweisen, dass einerseits zwischen dem Anspruch an Projektmanagement aus Wissenschaft und Lehre, andererseits der Projektmanagementpraxis in Unternehmen zum Teil eine große Lücke klafft.

Dieses Ergebnis ist nicht neu. Eine alte Vermutung scheint damit bestätigt zu werden.
Richtig. Aber wir haben differenzierte Informationen bekommen. Wir können sagen, dass die Idee von einer breit angelegten Projektmanagementkultur, die sich als umfassender Führungsansatz in Unternehmen durchsetzt, eine Vision ist. In der Praxis sieht es um den Stellenwert von Projektmanagement anders aus. Dort wird Projektmanagement häufig eingesetzt, wenn es in einem Projekt eng wird.

Also die blanke Not treibt zum Projektmanagement? Projektmanagement als Feuerwehrinstrumentarium?
Das lässt sich mit Sicherheit nicht so verallgemeinern. Aber ein gewisser Druck gehört offenbar dazu, dass Projektmanagament zum Zuge kommt. Wir haben vier Treiber für Projektmanagement festgestellt. Sich schnell ändernde Märkte, erhöhte Anforderungen an die Flexibilität eines Unternehmens, Komplexität von Vorhaben und starker Termindruck – das sind die Motoren für Projektmanagement.

Projektmanagement wird also nicht proaktiv eingeführt, im Sinne einer vorsorgenden Maßnahme?
Der Impuls kommt aus zwei Richtungen. Zum einen fürchten Führungskräfte um ihre Marktposition und drängen deshalb auf den Einsatz von Projektmanagement. Das ist durchaus proaktiv. Häufig kommt aber auch das Signal aus konkreten Projekten, quasi reaktiv auf Probleme in den Vorhaben.

© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 1/2003, Seite 8 - 10. Alle Rechte vorbehalten.
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