© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 4/2002, Seite 37. Alle Rechte vorbehalten.
Recent market surveys of Gartner Group, Forrester and Standish Group indicate that many e-business projects fail due to a lack of operational excellence in project management. Some project management techniques proven in traditional IT projects for decades can be also applied to e-business projects, but not all. This book shows which proven techniques are still valid and provides new techniques for situations that are unique to or have a special significance in e-business projects.
Als ich diese Zeilen auf dem Klappentext las, bekam ich zunächst ein schlechtes Gewissen. Die zum Teil deprimierenden Ergebnisse der oben zitierten Studien, die sich freilich nicht nur auf E-Business-Vorhaben beziehen, kannte ich. Dennoch hatte ich in Vortragen und Podiumsdiskussionen nachdrücklich die Meinung vertreten, dass man für E-Business-Projekte kein "neues" Projektmanagement braucht, wenngleich nicht zu leugnen ist, dass graduelle Unterschiede zu anderen IT-Projekten bestehen. (Will man diese Unterschiede allerdings präzise fassen und verallgemeinern, tut man sich sehr schwer.) Als Beispiel diente mir in neuerer Zeit das Projekt "Online Ordering" der BMW AG, das mit sozusagen traditionellem Projektmanagement geplant und realisiert wurde und das so erfolgreich war, dass es im Jahre 2001 den Projektmanagement Award der GPM gewann.
Nach der Lektüre des Buches war ich aber beruhigt. Der Autor, ein erfahrener Praktiker, bringt keine revolutionären Erkenntnisse und schließt sich auch nicht den Vertretern des "Neuen Denkens im Projektmanagement" an, sondern bestätigte mich in meiner Einschätzung. Diese Feststellung soll freilich den Wert des Werks in keiner Weise mindern. Ganz im Gegenteil: Stoehr bietet auf 279 Seiten sehr solide und vor allem hervorragend strukturierte Informationen. Bei der Strukturierung lehnt er sich an die Systematik des Body of Knowledge des Project Management Institute of America an und benutzt das Schema "Input" (z.B. Projektbudget), "Techniken" (z.B. Arbeitswertanalyse), "Aktivitäten" (z.B. Ermittlung und Analyse von Kostenabweichungen) und "Output" (z.B. Restkostenschätzungen und beschlossene Maßnahmen der Projektsteuerung). Flankierend werden unter der Überschrift "Key success factors" jeweils Ratschläge geboten. Natürlich geht der Autor auch auf spezielle Charakteristiken von E-Business-Projekten ein (z.B. häufig viele Stakeholder und sehr unklare Ziele zu Beginn) und zieht daraus Konsequenzen fur das Projektmanagement, wie z.B. die Ablösung des "Wasserfallmodells", das bei BMW allerdings mit Erfolg eingesetzt wurde, durch ein alternatives Vorgehensmodell. Wie schon betont, sind diese Modifikationen allerdings nicht neu, sondern werden vielfach in der Literatur diskutiert.
Alles in allem ragt das Buch freilich weit aus der wachsenden Zahl von zum Teil hingeschluderten Büchern zum Management von E-Business-Projekten heraus. Die klare Struktur, ein gutes Glossar, die praxisnahe Darstellung und die zuverlässige Wiedergabe des "state-of-the-art" machen es zu einem sehr empfehlenswerten Standardwerk. Eine kleine Anregung sei dem Rezensenten am Schluss gestattet. Ein wenig mehr Grafiken, mit denen in einigen Kapiteln sehr sparsam umgegangen wird, und Beispiele (etwa für Arbeitspaketbeschreibungen oder Kostenberichte) hätten der Publikation nicht geschadet. Aber das könnte man in einer zweiten Auflage ja ändern.
Fazit
Wer sein E-Business-Projekt professionell managen will, sollte dieses Buch lesen.