Dargestellt am Beispiel des Verbundprojekts „mobilist – Mobilität im Ballungsraum Stuttgart“
Von Dieter Eberle, Roger Kreja, Manfred Wacker, Ralf Lattner, Andreas Megerle, Janine Schubert
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 4/2002, Seite 14 - 22. Alle Rechte vorbehalten.
Im Rahmen des Projekts „mobilist – Mobilität im Ballungsraum Stuttgart“ wird eine projektbegleitende Hemmnisanalyse als Methodenbaustein der Projektevaluationen entwickelt und angewendet. Sie weist eine gewisse Ähnlichkeit mit der Projektumfeld- bzw. Stakeholder-analyse auf. Durch die projektbegleitende und zeitnahe Erhebung fördernder und hemmender Randbedingungen können die Projektumsetzung beeinflussende Faktoren erkannt und Strategien zur Sicherung des Projekterfolgs entwickelt werden. Da es sich hierbei um eine sehr sensible Thematik handelt, ist es notwendig, eine Methodik zu finden, die auf der einen Seite eine Vertrauensbasis zwischen den zu Evaluierenden und dem Evaluator schafft und die auf der anderen Seite dennoch den notwendigen Informationsaustausch in ausreichender Tiefe gewährleistet. In mobilist ist dies durch eine Kombination von regelmäßigen mündlichen und schriftlichen Befragungen, die sich an Schlüsselpersonen im Projekt wenden, gelungen, die durch eine einmalige Befragung aller Partner ergänzt wird. Ferner kann auf Ergebnisse eines so genannten Nutzerbeirats zurückgegriffen werden. Die hohe Akzeptanz der Hemmnisanalyse bei allen Projektbeteiligten zeigt, dass eine ernsthafte Notwendigkeit zur Dokumentation und zur Beeinflussung der Umsetzungsrandbedingungen gesehen wird.
1. Die projektbegleitende Hemmnisanalyse als Evaluierungsbaustein
1.1 Einsatzformen und -bereiche
Insbesondere bei innovativen Entwicklungsvorhaben ist immer wieder zu beobachten, dass trotz großen Projekterfolgs keine dauerhafte Umsetzung erfolgt. Dies liegt häufig an externen, d. h. vom Projekt nicht unmittelbar zu beeinflussenden Rahmenbedingungen (im Folgenden verkürzt als Hemmnisse bezeichnet), die der gewünschten Umsetzung entgegenwirken. Eine Beschäftigung mit derartigen Hemmnissen erfolgt meist erst, wenn das Projekt zu scheitern droht. Als Konsequenz wird dann aber oft nur festgehalten, „beim nächsten Mal alles besser zu machen“. Eine solche, am Ende eines Projekts durchgeführte Analyse der Rahmenbedingungen wird als Ex-post-Analyse bezeichnet.
Bei größeren Projekten wird aus diesem Grunde verstärkt dazu übergegangen, bereits beim Entwurf des Projektes eine Strategie und Konzeption auszuarbeiten, wie im Projektverlauf auftretenden Hemmnissen frühzeitig entgegengewirkt und damit zum Erfolg des Projekts beigetragen werden kann (projektbegleitende Analyse). Ein geeignetes Instrument stellen dabei speziell auf die Identifikation von Hemmnissen ausgerichtete Analysen dar. Der klassische Ansatz erfolgt über eine Engpass- oder Mismatch-Analyse von Projektziel und Projektstand. Die Engpassanalyse hat zum Ziel, die zum überwiegenden Teil am schwächsten entwickelten Schlüsselbereiche innerhalb eines Projektes ausfindig zu machen, um daran anknüpfend deren Weiterentwicklung voranzutreiben. Vergleichbar mit dem Liebig’schen Gesetz vom Minimum (Pessimum-Gesetz) wird durch eine verstärkte Konzentration auf die identifizierten Problemfelder erwartet, dass insgesamt eine positive Auswirkung auf den weiteren gesamten Projektfortschritt erzielt wird. Die Mismatch-Analyse beschränkt sich auf das Aufdecken mangelnder Kongruenzen zwischen Projektstand und Projektziel. Die speziell für das Projekt mobilist entworfene „Analyse fördern der und hemmender Randbedingungen“ geht in ihrem Ansatz einen Schritt weiter, indem neben der Konzentration auf Hemmnisse auch Maßnahmen und Sachverhalte einbezogen werden, die für das Projekt förderlich sind. Darüber hinaus werden auch projektbegleitend Lösungsansätze dokumentiert. Erst aus der Bewertung des Zusammenspiels dieser Faktoren werden dann projektsteuernde Maßnahmen abgeleitet, die zum richtigen Zeitpunkt in das Projekt eingebracht werden können.
Zwar drückt die Bezeichnung „Analyse fördernder und hemmender Randbedingungen“ prägnant und ausgewogen die Inhalte dieser Analyse aus, allerdings ist sie in der Handhabung in Wort und Schrift recht sperrig. Trotz einer gewissen Skepsis gegenüber dem negativ belegten Begriff „Hemmnisanalyse“ konnte sich dieser letztlich in der Anwendung bei mobilist durchsetzen und wird auch im Folgenden – allerdings im weiteren Kontext unter der Einbeziehung fördernder Randbedingungen – gebraucht.
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