Interview mit dem PM-Experten Erwin von Wasielewski
Von Oliver Steeger
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 4/2002, Seite 12 - 13. Alle Rechte vorbehalten.
Projektvergleichstechnik hilft, eine Bilanz aus zurückliegenden Projekten zu ziehen. Sie ermittelt einen Maßstab, um Trend und Güte aktueller Projekte zu messen. Kennzahlen und Parameter spielen eine große Rolle, die Ergebnisse sind hieb- und stichfest. Eigentlich eine enorme Hilfe – sofern die Zahlen nicht gegen den Projektmanager verwendet werden. Im Gespräch mit Redakteur Oliver Steeger räumte PM-Experte Erwin von Wasielewski Bedenken aus.
Projektvergleichstechnik scheint auf den ersten Blick ein zweischneidiges Schwert zu sein.
Inwiefern?
Nun, das Unternehmen reiht ein Projekt in ähnliche, frühere Projekte ein und erkennt, wie lange vergleichbare Projekte dauerten, was sie kosteten und welche Qualität sie am Ende erarbeitet haben. Diese Zahlen können Unternehmen zum einen eine wichtige Hilfe für Planung, Steuerung und die Nachbetrachtung des Projekts sein. Zum anderen können sie Unternehmen verleiten, Projektmanager zu überfordern, indem sie für neue Projekte nur Bestleistungen aus der Vergangenheit als Maßstab gelten lassen.
In dem Punkt gebe ich Ihnen Recht. Die Vergleichstechnik hat zwei Seiten und muss fachmännisch, mit Augenmaß angewendet werden. Vergleiche machen Sinn, um beispielsweise die Zielerreichung zu messen. Aber die Ziele müssen erreichbar bleiben und dürfen nicht auf die Personen projiziert werden. Es gibt zu viele Einflüsse in Projekten, die wir nicht mit Parametern erfassen können. Der Anteil persönlicher Leistung bleibt rechnerisch unbekannt.
Das ist der zweckmäßige Einsatz. Man kann die Vergleichstechnik aber auch missbrauchen …
Kann man, natürlich. Ebenso, wie man andere Kennzahlen, Prüfnoten oder Instrumente missbrauchen kann. Auch das Skalpell eines kundigen Chirurgen gehört nicht in die Hand eines Mordsüchtigen. Blindes Herumreiten auf Kennzahlen würde für das Team zur Tortur werden und für den „Reiter“ zur Disqualifikation führen. Davor kann ich nur warnen. Es würde die Mitarbeiter verprellen und dem Projekt mehr schaden als nützen. Keine erfahrene und verantwortungsbewusste Führungskraft würde dies zulassen.
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