Von Oliver Steeger
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 3/2002, Seite 45 - 47. Alle Rechte vorbehalten.
Der Teilprojektleiter hebt auf dem Jour fixe beschwörend die Hände. Ja, morgen. Morgen ist der Statusbericht fertig. Ganz bestimmt. Und der überfällige Budgetplan für das Teilprojekt nächste Woche Dienstag, mit Sicherheit, er ist ja zur Hälfte schon geschrieben. Am Wochenende ist ja notfalls noch Zeit. – Der Mann scheint völlig überlastet. Er tut dem Projektleiter sogar leid. Seine To-do-Liste erstreckt sich mittlerweile über zwei Seiten. Armer Kerl. Aber: Andere schaffen doch auch ihr Pensum. Weshalb nicht er? Was ist los?
Was los ist? Der Teilprojektleiter schiebt seine Arbeit vor sich her, eine Bugwelle von unerledigten Aufgaben. Aufschieberitis. Das ist nicht nur sein Problem. Von seinen aufgeschobenen Arbeiten hängen die weiteren Projektschritte ab. Der Zeitplan droht mittlerweile im Domino-Effekt zu stürzen. Und schon wieder bittet er um Aufschub, um Zeit, um eine Atempause. Er könne, meint er, nur unter Druck arbeiten. Dass er mit seiner Saumseligkeit nicht nur sich Druck macht, sondern dem gesamten Projekt – das nimmt er schuldbewusst zur Kenntnis.
„Aufschieberitis“ ist in der Projektarbeit wie eine Virusinfektion, die den Organismus lähmt. Rund vierzig Prozent aller Befragten gaben in den USA an, dass ihnen durch Aufschieben bereits Nachteile entstanden sind. Jeder Vierte steht seiner Neigung, Aufgaben erst einmal liegen zu lassen, hilflos gegenüber. Des Teufels schlimmstes Möbelstück ist die „lange Bank“.
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