Von Oliver Steeger

© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 3/2002, Seite 2. Alle Rechte vorbehalten.
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Großartig war er, der "IPMA Worldcongress on Project Management" in Berlin. Ich weiß, ein Wirtschaftsjournalist ist zu sachlicher, eben wenig enthusiastischer Berichterstattung verpflichtet. Doch hier, im Editorial, erlaube ich mir Begeisterung von der Seele sprechen. Beeindruckend zu beobachten, wie Experten von allen Kontinenten in der Bundeshauptstadt Projektmanagement-Trends diskutieren. Befreiend zu erkennen, wie lebendig und dynamisch die Projektmanagent-Szene sich gestaltet. Und befriedigend festzustellen, dass Programm und Kalkül der zumeist ehrenamtlich arbeitenden GPM-Teams für Kongress und Award aufgingen. Von dem Weltkongress gingen Signale aus, Signale an die internationale PM-Gemeinschaft, an die GPM und an die Wirtschaft. Eine fruchtbare Saat wird dies sein.

Die GPM hat enorme Leistungskraft und sich als kompetenter IPMA-Partner bewiesen. Mehr noch: Mit dem "Internationalen Projektmanagement Award" hat sie auf weltweitem Parkett das Heft in die Hand genommen und damit als Pionier das Thema Benchmarking vorangetrieben. Indes, das eigentliche Signal, das von Berlin ausging, ist feiner und zwischen den Zeilen zu lesen: Die deutschen Projektmanager haben international Farbe bekannt. Ihnen, denen man gerne technisches Know-how und Organisationstalent, aber wenig internationale Praxis nachsagt, hat der Kongress zur rechten Zeit Wind unter die Flügel gegeben. Partner aus dem Ausland sind derzeit offen dafür, ihr Bild vom "deutschen Projektmanager" neu zu zeichnen und Vorurteile zu revidieren. In der aufgeschlossenen Berliner Atmosphäre hatten sie Gelegenheit dazu, und sie werden das neue Image in ihre Heimatländer tragen. Wie wichtig das ist, wird sich zeigen. Dann nämlich, wenn das Management internationaler Projekte nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel ist. Dann, wenn deutsche Projektmanager noch mehr als bislang den Fuß in die Welt setzen.

Auch in die Reihen der GPM sandte der Weltkongress ein gutes Signal. Die Tage in Berlin machten glaubhaft die internationale Dimension der Projektarbeit spürbar. Eine nicht geringe Zahl von versierten Projektfachleuten erkennt zwar die Globalisierung, schlägt aber noch nicht die Brücken zur eigenen Arbeit. Obgleich Beobachter mahnen, dass international besetzte Projektar-beit bald praktisch jeden Projektleiter erreichen kann. Nach dem Kongress ist diese internationale Dimension ein Stück weit zur Normalität geworden, gut so.

Dann haben wir noch die Wirtschaft. Die bundesdeutschen Auguren zweifeln am Aufschwung. Sie bereiten auf Durststrecken vor, wecken Furcht vor Fachkräftemangel und ungenügender Kompetenz, wittern Pleiten, von denen die spektakulären Crashs der letzen Wochen nur Vorboten, quasi die Spitze des Eisbergs sind. Sie mahnen, Kräfte zu bündeln. In dieses Szenario sendet der Weltkongress eine zuversichtliche Botschaft. Projektmanagement als ein Weg zur Effizienz, zur Qualität und zur Wettbewerbsfähigkeit. Zu signalisieren, dass Deutschland in vielen Feldern, nicht aber beim Projektmanagement in die zweite Liga abzurutschen droht - das ist das rechte Zeichen zur rechten Zeit. Es gibt nichts Besseres, als jetzt eine dynamische Projektmanagement-Szene mit neuen Ideen nach außen zu vermitteln - und mit der Feststellung zu verbinden, dass internationale Partner den deutschen Projektmanagern Anerkennung zollen.

Mit Sicherheit, ein Stück weit hat die Wirtschaft die Bedeutung des Projektmanagements erkannt. Die GPM vermeldet Rekordzahlen bei der Projektmanagement-Ausbildung und der Zertifizierung. Dies ist durch jahrelange, geduldige Kleinarbeit der GPM-Aktiven vorbereitet worden. Genauso hat der Weltkongress etwas vorbereitet, was sich erst in ein oder zwei Jahren auszahlen wird.


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