Von Stefan König
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 1/2002, Seite 19 - 24. Alle Rechte vorbehalten.
Im vorliegenden Beitrag werden Gemeinsamkeiten und parallele Strukturen von Projektmanagement in der Wirtschaft und dem Management einer Saison in den Sportspielen herausgearbeitet. In beiden Bereichen zeigt sich, dass der Projektleiter bzw. der Trainer als zentraler Erfolgsfaktor gilt und Erfolg im Projekt bzw. in der Saison zu einem großen Teil von den steuernden Maßnahmen dieser Personen abhängt. Folglich sind für beide Stellen spezifische Schlüsselqualifikationen (Fachkompetenz, Methodenkompetenz, Sozialkompetenz) notwendig. Entscheidend für die Umsetzung dieser Kompetenzen sind letztendlich angemessene Techniken und Methoden, die sich nach Sizemore House in drei Blöcke aufgliedern lassen: Formale Planungs- und Kontrollmethoden, Methoden der internen Integration und Methoden der externen Integration. Da sowohl in der Unternehmens- wie auch in der leistungssportlichen Praxis die Bedeutung einer effektiven Teamarbeit häufig betont wird, bedarf es in beiden Bereichen einer intensiven empirischen Überprüfung der jeweiligen Empfehlungen aus Theorie und Praxis. Dies erfolgt im Rahmen einer Untersuchung, die sich mit Maßnahmen zur Teambildung von Sportspieltrainern auseinander setzt.
Zwischen Spitzenleistungen im Mannschaftssport und Spitzenleistungen in der Wirtschaft gibt es Parallelen. Beide Bereiche können voneinander lernen.“ Ausgehend von dieser These hat Dieter Frey, Organisationssoziologe aus München, seinen Vortrag auf der Tagung der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie 1995 in Tübingen eröffnet und in diesem Referat deutlich gemacht, dass die Aufgaben einer Führungsperson in der Wirtschaft und eines Trainers im hochleistungsorientierten Mannschaftssport sehr ähnlich sind. Diese Parallelität soll in einem ersten Abschnitt herausgearbeitet werden, indem Gemeinsamkeiten zwischen Projektmanagement und einer Sportspielsaison aufgezeigt werden. Da es letztendlich im Sport und in der Wirtschaft zuallererst um Erfolg geht, steht die Analyse des Projektleiters als Erfolgs- bzw. Misserfolgsfaktor im Mittelpunkt des zweiten Abschnitts. Die beiden folgenden Kapitel untersuchen die Methodenkompetenz von Projektleitern, wobei diese zunächst allgemein und anschließend in Bezug auf das Projektteam diskutiert wird. Da Trainer in einer besonderen Situation 1 sind, berichtet der fünfte Abschnitt von einer empirischen Untersuchung aus der Sportwissenschaft, die Planungs- und Kontrollprozesse von Trainern in Bezug auf den Erfolgsfaktor „Teamentwicklung“ analysiert. Ziel des Beitrages ist es somit, parallele Strukturen zwischen Projektmanagement und Saisonmanagement aufzuzeigen, um letztendlich das spezifische Wissen dieser beiden Konzepte Gewinn bringend für das jeweils andere einzusetzen.
1. Projekte: Gemeinsamkeiten von Wirtschaft und Sport
Das in der Betriebswirtschaftslehre entwickelte Projektmanagement kann als Leitungs- und Organisationskonzept zur Durchführung komplexer Vorhaben bezeichnet werden. Dieser theoretische Ansatz ist insofern auf die Situation „Erfolgsplanung im Mannschaftssport“ übertragbar, als die folgenden sechs Parallelen vorliegen:
- Komplexität und zeitliche Begrenzung sind zentrale Merkmale wirtschaftlicher Projekte. Auch eine Sportspielsaison kann als komplexe, aber zeitlich begrenzte Aufgabe betrachtet werden. Sie ist insofern komplex, als sie Teilaufgaben wie Trainingssteuerung, Spielerrekrutierung, Mannschaftsentwicklung, Spielvorbereitung und -steuerung etc. umfasst. Die zeitliche Begrenzung ergibt sich aus der Tatsache, dass sich dies alles in der Regel auf ein Jahr bezieht.
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