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Buchbesprechung von Heinz Schelle
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 4/2001, Seite 34. Alle Rechte vorbehalten.
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Vor einiger Zeit hat der Rezensent das viel gerühmte Vorgängerbuch „Der Termin“ vom gleichen Autor aus verschiedenen Gründen, u. a. auch wegen der miserablen Übersetzung, in dieser Zeitschrift ziemlich heftig kritisiert, wenn auch eingeräumt wurde, dass DeMarco für den erfahrenen Leser eine Menge Wissenswertes bietet. Das neue Werk findet, um das gleich vorwegzunehmen, sehr viel mehr die Zustimmung des Kritikers. Die Romanform wurde verlassen, und das ist gut so. Diese Literaturgattung gehört nicht zu DeMarcos Stärken. Der nicht so in der Materie bewanderte Leser wird auch nicht mehr mit kryptischen Inhalten verwirrt. Und nicht zuletzt ist der Übersetzerin hohes Lob auszusprechen. Es ist ihr gelungen, den Text aus dem Amerikanischen in flüssiges, gut lesbares Deutsch zu übersetzen. Die „agressiven Terminpläne“ – agressiv ist nach Ansicht des Rezensenten die Eigenschaft von Lebewesen und nicht von Konstrukten wie es Pläne sind –, die immer noch zu finden sind, seien ihr verziehen. Aber kommen wir zur Sache: Der Autor greift ein – noch – unpopuläres Thema auf. Er zeigt sehr plastisch, dass das ungebremste Streben nach immer mehr Effizienz in unseren Organisationen zu immer geringerer Flexibilität und damit geringerer Wandlungsfähigkeit führt. DeMarco gelingt es mit vielen praktischen Beispielen aus seiner Beratungspraxis eine Einsicht zu vermitteln, die vielleicht bei allen von uns schon einmal kurz aufgeblitzt ist, die wir aber aus Furcht, uns zu blamieren oder nicht leistungsfähig genug zu erscheinen, nicht auszusprechen wagten, dass nämlich die „höllische Hektik im Job“ (DeMarco) auf Dauer kontraproduktiv ist. Das Buch gliedert sich in folgende vier großen Abschnitte:

Teil I („Spielräume“) behandelt ausführlich, was oben schon einmal kurz erwähnt wurde, nämlich dass die meisten Organisationen nur effizienter werden, indem sie ihre Wandlungsfähigkeit opfern, und wie Spielräume für die beteiligten Menschen zur Rettung führen können.

Im Teil II („Wie sich Stress auf Organisationen auswirkt“) werden Gründe für und Rezepte gegen unternehmerischen Stress angeführt.

Teil III („Wandel, Wachstum und betriebliches Lernen“) greift das Thema der Spielräume wieder auf und bringt es in Verbindung mit dem Wachstum einer Organisation. Das Credo von DeMarco lautet: „Insbesondere Vision und Führung hängen davon ab, wie viel Freiraum ein Unternehmen seinen potenziellen Visionären oder Führungspersönlichkeiten zugesteht. Hält man solche Talente an der kurzen Leine, werden sie ihre Magie nicht entfalten können.“

Unorganisch eingefügt wirkt der letzte Teil IV („Risiko und Risikomanagement“). Der Zusammenhang mit der Thematik des Buches ist nur sehr lose, wesentlich Neues wird kaum geboten, ganz im Gegenteil: Risikomanagement wird hier in unzulässiger Weise vereinfacht. Man hat den Eindruck, dass der Autor mit diesem Kapitel einfach nur den Umfang des Buches etwas erhöhen wollte. Das mindert aber den Wert der Publikation nicht.

In der Rezension des neuen Buches von DeMarco kann natürlich nicht detailliert auf die vielen wertvollen und unkonventionellen Einsichten eingegangen werden, die geboten werden. So sei an dieser Stelle nur auf das überaus lesenswerte Kapitel „Überstunden“ (S. 60 ff.) hingewiesen, auf die originellen Berechnungen der Kosten von Personalfluktuation (S. 34 ff.) und auf die sehr kritische und bedenkenswerte Bewertung der Matrixorganisation (S. 15 ff.), die der Rezensent so noch bei keinem anderen Autor gefunden hat.

Vielleicht ist es ja so, dass die Gedanken DeMarcos in einigen Jahren so selbstverständlich geworden sind, dass sie von den meisten geteilt werden. Vielleicht wundern wir uns dann auch, dass wir damals im Jahr 2001 die Folgen des „Gib-Gas-Mantras“ nicht auch selbst so klar gesehen haben wie er. Zurzeit ist er zwar nicht der einzige Rufer in der Wüste, aber die Zahl seiner Mitstreiter (z. B. in Deutschland Geißler und Reheis) ist noch nicht sehr groß. Lesen Sie das Buch – es ist so spannend geschrieben, dass die Lektüre keine Arbeit, sondern ein Vergnügen ist und vielleicht sogar der erste Schritt zur Überwindung des Beschleunigungswahns. Möglicherweise vermehrt sich dann die Gruppe derer, die das „Lob der Langsamkeit“ singen, um einige Leser dieser Zeitschrift.


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