7a521780-ae33-4ee7-bfbb-d1924de123c4TrueISBN3446215360LargeBooks
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 3/2001, Seite 31 - 32. Alle Rechte vorbehalten.
Um es vorwegzunehmen, das Buch ist jedem zu empfehlen, der MS Project 2000 anwendet, anwenden will oder eine Entscheidungshilfe für die Auswahl eines PM-Tools braucht. Der Autor Schwab hat es verstanden, sich auf die Anwendung des Werkzeugs zu konzentrieren und kein weiteres Buch über Projekt management zu verfassen.
Zu Beginn eines jeden seiner acht Kapitel gibt er eine kurze Einführung in die fachliche Thematik und macht damit deutlich, dass vor der Toolanwendung die geistige Durchdringung der Aufgabenstellung steht. Im Anhang sind für den eiligen Praktiker auf neun halben Seiten die wichtigsten Einstellungen (Teil des „Customizing“) für MS Project 2000 zusammengefasst, die unter Extras/Optionen dargestellt werden. Da die jeweils anderen Hälften dieser Seiten die Abbildung der Einstellung im MS-Project-Menü zeigen, findet man sich auch als Anfänger schnell zurecht.
Mit dieser Kurzfassung soll deutlich werden, dass das Buch den Leser in seiner realen Situation abholt, indem es Antworten auf typische Fragen gibt (Wie ordne ich Vorgängen Ressourcen zu? Wie stelle ich den Projektfortschritt dar?), aber dem Projektmanager auch spezielle Anwendungen erläutert (Wie wird die Stundenrückmeldung automatisiert? Wie gestalte ich die Anwendung im Web [z. B. Intranet]?). Sehr hilfreich sind auch die vielen besonders hervorgehobenen Tipps, Hinweise, Warnungen und Übungen. Doch nun einige Erläuterungen im Detail. Die acht Kapitel des Buches sind überschrieben mit
- Grundlagen,
- Ansichten und Menüs,
- Vorgänge,
- Ressourcen,
- die richtigen Informationen,
- Projektüberwachung,
- Mehrprojekttechnik und
- Kommunikation im Team.
Schwab beginnt mit einem Überblick: Was gehört alles zu einer Planung? Er schließt eine Übersicht der vielfältigen Menüs, Tabellen, Masken und Hilfen der Software an. Hier findet sich z. B. der Tipp für das spätere Berichtswesen, dass man sich schon beim Anlegen von Gliederungsgruppen überlegen soll, für welche Zielgruppen diese Ebenen relevant sind (Geschäftsführung, Projektmanager, Team).
Im Kapitel Vorgänge werden der Gebrauch mehrerer Kalender vorgestellt (vom Fabrikkalender bis zum persönlichen Kalender) ebenso wie die Notwendigkeit und die Verwendung von Verknüpfungen von Vorgängen. Er bezieht sich später im Kapitel „Die richtigen Informationen“ im Rahmen der Netzplantechnik wieder darauf. Sehr gut gefallen mir hier die prägnante Übersicht der Verknüpfungen und die knappe Erläuterung, wie MS Project 2000 widersprüchliche oder sich aus anderen Angaben ergebende Verknüpfungen interpretiert.
Geschickt gewählt ist im Kapitel „Ressourcen“ der Name eines Mitarbeiters: Halbtags. Nomen est omen, der Leser weiß sofort, dass es hier um die Planung von Teilzeitkräften geht. Das Ressourcenmanagement mit E-Mail-Anbindung an MS Outlook und die zugehörige Teamwork-Funktion werden ebenso ihre Leser finden wie der Einsatz von Ressourcen als Material und die Zuordnung von festen Kosten zu einem Vorgang. Im Kapitel „Informationen“ geht es um die Generierung und Gestaltung eigener Ansichten, Berichte und Vorlagen für Projektplan-Standards. Die Eingabe eigener Formeln ist ebenso mit Beispielen und Übungen hinterlegt wie die automatische Generierung von Ampelanzeigen in Berichten bei der Überschreitung von Schwellenwerten.
Spätestens hier sollte man sich an den eingangs gegebenen Tipp erinnern, bei der Festlegung der Gliederungsgruppen an die Zielgruppen der Berichte zu denken. Dem Praktiker werden auch die Exportmöglichkeiten von Plänen und Berichten ins HTML-, GIF-, Excel- oder Word-Format gefallen. Weiter geht es mit der Darstellung des Arbeitsfortschritts, CPI und SPI aus der Earned Value Analysis und der Möglichkeit des Exports nach Excel zur grafischen Darstellung. Die Mehrprojekttechnik schließt das Ressourcenmanagement ebenso ein wie die Verknüpfung von Vorgängen zwischen Projekten, die Vorgangsanfrage bei Ressourcen sowie die Ist-Daten-Rückmeldung und -Verarbeitung.
Das Arbeiten mit MS Project 2000 im Web rundet das Kompendium ab mit Hinweisen zur Installation und der Darstellung der Unterschiede zum „normalen“ MS Project 2000. Alles, was oben erwähnt wurde, von der Planung über die Eingabe von Kalendern, Aufbau und Einsatz eines Ressourcenpools, die Verknüpfung von Vorgängen, Erzeugung von Berichten bis zur Ist-Daten- Rückmeldung wird noch einmal bzgl. der Besonderheiten erläutert.
An einem Punkt stimme ich Schwab nicht zu (das ist wenig, bezogen auf die nahezu 400 Seiten des Buches). Unter der Überschrift „Was ist ein Projekt?“ stellt er die Berechtigung einer Normung des Begriffs „Projekt“ in Frage. Und er schreibt weiter: „Wenn Sie Planungsbedarf haben, haben Sie ein Projekt.“ Diese Einstellung führt zu einer Projektinflation, die dem Projektmanagement schadet (Stichwort: Mit Kanonen auf Spatzen schießen). Ein paar Zeilen weiter bin ich wieder ganz bei ihm: „Immer, wenn Sie einen Planungsbedarf haben, können Sie Project 2000 einsetzen!“ Ganz genau, aber dies ist kein Hinweis dafür, dass es sich um ein Projekt handelt.
Der einzige, der sich ärgern könnte, ist möglicherweise der Layouter: Hat er doch für jedes Kapitel ein Bild mit der Kapitelbezeichnung entworfen. Leider sind in der Druckerei bis zu 75 % der jeweiligen Bezeichnung verschwunden, da die Schrift weiß vor weißem Hintergrund gehalten ist (ich vermute, der Layouter hatte einen anderen Hintergrund gewählt). Das ist beim Redigieren aber ebenso wenig aufgefallen wie die E-Zeichen, die aussehen wie eingerahmter Fliegendreck. Das sind aber Kleinigkeiten, die vielleicht nur dem Kritiker auffallen.