055abd29-781b-4a68-95ea-e630b64a7912TrueISBN3932588835LargeBooks


Buchbesprechung von Heinz Schelle
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 3/2001, Seite 29 - 30. Alle Rechte vorbehalten.
Mehr zum Thema

Wer sich einigermaßen in der Projektmanagement- Literatur auskennt, weiß, dass es zwar vor allem in Kongress-Proceedings eine Fülle von Aufsätzen über erfolgreiche Vorhaben gibt, kaum aber Berichte über mehr oder weniger fehlgeschlagene Projekte. Schon aus diesem Grund muss man die Herausgeber und die Autoren des Sammelbandes außerordentlich loben. Das Buch ist aus einer Initiative der Fachgruppe 5.12 Projektmanagement des Fachbereichs 5 (Wirtschaftsinformatik) der Gesellschaft für Informatik entstanden. Es enthält sieben Beiträge, in denen über insgesamt zwölf erfolgreiche und weniger erfolgreiche Projekte berichtet wird. Behandelt werden Eigenentwicklungen, die Auswahl und der Einsatz von Standardanwendersoftware, Migrationsvorhaben und ein Projekt zur Lösung der Jahr-2000-Problematik. Auch aktuelle Themen wie IT-Lösungen nach der Übernahme von Unternehmen werden angesprochen. Dass die Organisationen, in denen die Projekte realisiert wurden, in der Regel anonym bleiben, tut dem Wert der Publika tion keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil: Dieses Beispiel sollte Schule machen und vielleicht andere dazu ermutigen, ebenfalls nicht nur Erfolge, sondern auch Projektfehlschläge ehrlich zu analysieren. Besonders zu rühmen ist, dass jeder Erfahrungsbericht am Schluss von einem der Herausgeber (Heidi Heilmann) kommentiert wird.
Im Einzelnen enthält der Band folgende Beiträge:

  • Erfolgfaktoren des IT-Projektmanagements (H. Heilmann)
  • Benutzerorientiertes Projektmanagement in großen Software-Entwicklungs- und -Einführungsprojekten (M. Kütz)
  • Umsetzung einer IT-Strategie in einem stark veränderlichen betrieblichen Umfeld (H.-J. Etzel, D. Faißt, R. Richter)
  • Analyse, Auswahl, Anpassung, Fehlschlag – die Historie einer Standardsoftwareeinführung (M. Raulf)
  • Systematisches Management eines Jahr-2000-Projekts (J. Grahl, J. Puchan, A. Senzenberger)
  • Sanierung eines IT-Projekts – Einführung einer Standardsoftware zur Vertriebsabwickung (H. J. Etzel, H. Vollberg)

Im ersten Grundsatzbeitrag gibt H. Heilmann einen knappen, aber sehr aktuellen und informativen Überblick über das IT-Projektmanagement, neuere Entwicklungen, aktuelle Rahmenbedingungen (z. B. steigende IT-Durchdringung, Trend zu Standardanwendersoftware, zunehmende Notwendigkeit des Risikomanagements), Fallstricke und Erfolgsfaktoren. Bei diesem letzten Punkt hätte man sich freilich einen Hinweis auf die umfangreiche Erfolgsfaktorenforschung in der Disziplin Projektmanagement gewünscht. Mit H.-G. Gemünden und seinen Schülern haben wir in der Bundesrepublik ja exzellente Repräsentanten dieses Forschungszweigs. Es wäre interessant gewesen, die Ergebnisse der Forschung, darunter die Resultate einer empirischen Analyse von 448 Projekten in der Bundesrepublik (mit etwa 25 % IT-Vorhaben), mit den sehr differenzierten Schlussfolgerungen des Sammelbandes zu vergleichen. Die folgenden Beispiele werden in etwa alle nach dem nachfolgenden Muster kommentiert:

  • Projektinhalt
  • Zeit, Kosten, Qualität
  • Beteiligte: Benutzermanagement, Projektleitung, Projektteam, Lenkungsausschuss
  • Methoden, Tools

Positive Aspekte werden besonders hervorgehoben.
Folgende Fragen werden immer wieder gestellt:

  • Welche Fehler wurden gemacht, wie hätte man sie vermeiden können, wie konnten sie korrigiert oder abgemildert werden?
  • Welche Probleme sind aufgetreten, wurden sie rechtzeitig erkannt, konnten sie gelöst werden?
  • Warum scheitern Projekte, wie hätte man einen Projektabbruch oder ein völliges Neuaufsetzen vermeiden können?
  • Was lässt sich daraus für künftige IT-Projekte lernen?

Insgesamt kann die Publikation der Gesellschaft für Informatik, wie schon anfangs betont, nicht genug gelobt werden. Sie hebt sich in wohltuender Weise von den zahlreichen, schönfärberischen Tagungsberichten ab, die man bis zum Überdruss geboten bekommt und die eher der Selbstdarstellung des Referenten und seiner Organisation als der Information des Lesers dienen.

Man kann aus den offenen und ehrlichen Darstellungen vermutlich mehr lernen als aus der Lektüre vieler mehr oder weniger abstrakter Lehrbücher, zumal die einzelnen Beitrage auch noch eine ganze Reihe von Anregungen (z. B. zur präzisen Formulierung von Meilensteinen und zum Risikomanagement) bieten. Die weitgehend einheitliche Kommentierung und die umfangreiche Literaturliste steigern den Wert des Werks noch erheblich. Fazit: Das Beispiel kann anderen Autoren - nicht nur aus der IT-Branche - nur dringend zur Nachahmung empfohlen werden. Die Edition derartiger Projektanalysen ware für die Ausbildung des Projektmanagement-Nachwuchses erheblich wichtiger als die in neuerer Zeit geradezu hektische Aufschüttung des schon genügend hohen Lehrbuchbergs mit zum Teil schlechtem Schuttgut.


---> Zum Inhaltsverzeichnis von PMaktuell - Heft 3/2001

GPM-Mitglieder erhalten ein kostenfreies Abonnement von projektMANAGEMENTaktuell.
Informieren Sie sich über die Vorteile der GPM-Mitgliedschaft

Bibliothekskataloge

Hier können Sie erfahren, an welchen Hochschulen das Werk verfügbar ist:

Anregungen?
Wenn Sie Anregungen zur Online-Ausgabe von PM aktuell haben oder Fehler entdecken, senden Sie bitte eine Nachricht an
PM-Qualifizierung
auf hohem Niveau

Weitere Info...

↑↑↑     --     Impressum | Sitemap | Login Redaktion     --     ↑↑↑ Kontakt | \

Powered by pmwiki-2.1.26 - Optimiert für Bildschirmauflösungen ab 1024 x 768