Siemens-Team bewies hervorragendes Projektmanagement
Von Oliver Steeger
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 3/2001, Seite 3 - 8. Alle Rechte vorbehalten.
Für viele Projektleiter ein Alptraum: Trotz Bilderbuch-Projektmanagements, Sachkompetenz und engagierten Teams bleibt ihr Projekt stecken. Denn ihr Unternehmen richtet die Geschäftspolitik neu aus, organisiert sich um oder hat einen neuen Mann in der Chefetage. Plötzlich werden Prestige-Objekte zu Problemobjekten. Gestraft sind die Teams, die über Monate zugepackt haben. Ein Team um den Siemens-Mann Wolfgang Rzehak fand sich von heute auf morgen auf schwankendem Boden – und stolperte dennoch nicht. Ganz im Gegenteil, mit ihrer Arbeit stürmten sie ins Finale des "Internationalen Deutschen Projektmanagement Awards 2001". Projektmanagement-aktuell-Redakteur Oliver Steeger besuchte die IT-Spezialisten in Fürth.
Das gerahmte Poster in der Projekt-Kaffeelounge hat sich das Team selbst ausgesucht: ein Cartoon mit einem Dutzend Comic-Enten, fröhlichen Donald Ducks, die bei sturmgepeitschter See in einem Ruderboot sitzen; um die wetterfeste Bootsbesatzung herum Blitz und Donner, meterhohe Wellen, finstere Wolken. Und was tun die Donalds? Allem Unbill trotzend singen, lachen und in gemütlicher Runde fröhlich sein. Das witzige Motiv gefiel dem Team. Darin fand es sich wieder. „Denn so haben wir uns manchmal in unserem Projekt gefühlt“, meint Projektleiter Wolfgang Rzehak.
Mit seiner Mannschaft hatte er im letzten Jahr für Siemens Business Services wichtige Prozesse optimiert und dabei eine kostengünstige, automatisierte Web-Hosting-Dienstleistung eingeführt. Die Fakten: Bislang hatte der 1995 gegründete IT-Spezialist für Großkunden maßgeschneiderte E-Business-Lösungen erstellt. Zusätzlich wollte das Unternehmen nun Dienste anbieten, die es automatisch abwickeln und damit günstig auf einen neuen, größeren Markt bringen konnte. Mit seinen elf Spezialisten erstellte Wolfgang Rzehak in einem Businesspiloten Machbarkeitsstudien, entwarf Businesspläne, strickte an Serviceprozessen, wählte Software aus und richtete ein Call-Center ein – keine leichte Sache. Was wie ein Sturm über die kleine Mannschaft hereinbrach: Mitten im Projekt änderte die Siemens-Tochter ihre Organisationsstruktur und richtete sich neu aus. Das dem Ende entgegengehende Projekt wurde komplett überdacht, die Ziele wurden umdefiniert. Der Boden unter den Füßen des Teams schwankte. Allein den grundlegenden Businessplan musste es viele Male überarbeiten und anpassen. Zuletzt endete das Team mit seinem Projekt,wo es sich niemand beim Kick-off hätte träumen lassen. Sein neues IT-Produkt – trotz aller Reife – ging nicht an den Markt.
Alles umsonst? Gerne hätten Rzehak und seine Mannen das Serviceprodukt am Markt gesehen und ihr „Baby“ großgezogen. Doch vergeblich war das Projekt mit seinen Mühen nicht. Im Gegenteil, das Unternehmen profitiert heute von dem Know-how, das es während des Projekts entwickelt hat. Es berät andere Provider und Dienstleister, wie sie automatisiert und günstig diese E-Business-Dienste bereitstellen können. Man hat Erfahrungen gesammelt. Jetzt verkauft man sie. Auch einige Lektionen über effizientes Projektmanagement hat das Team bei diesem „Lern-Projekt“ verstanden. Entgegen allen Widrigkeiten hatte Rzehaks Mannschaft das IT-Projekt vorbildlich auf Kurs gehalten. Sie bewarb sich schließlich um den „Internationalen Deutschen Projektmanagement Award“ und kam mit ihrer Arbeit ins Finale des weltweit ausgeschriebenen Wettbewerbs um Management-Spitzenleistungen.
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