Von Oliver Steeger

© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 3/2001, Seite 2 Alle Rechte vorbehalten.
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Über Jahre galt Projektmanagement als nette Zusatzqualifikation, fiel für die eigene Karriere nicht mehr ins Gewicht als ein Schnellkurs in moderierter Besprechung oder ein Abendseminar „Umgang mit PowerPoint“. Das soll sich bis dato grundlegend geändert haben – hat es sich wirklich? Verbessert im Qualifikationsprofil das Stichwort „Projektmanagement“ die Job-Chancen und Karrieremöglichkeiten? Projektmanagementlehrgänge schießen wie Pilze aus dem taufrischen Waldboden. Projektleiter investieren in ihre Weiterbildung und Zertifizierung. Fraglich, ob sich Müh und Aufwand rentieren. Denn wenn es um Aufstieg und Vergütung geht, scheinen Projektmanagement-Qualifikationen nach wie vor „Privatsache“ zu sein.

Doch hier und dort wechselt der Wind. In manchen Branchen wird Projektmanagement für den Geschäftserfolg wichtig, möglicherweise überlebenswichtig. Ohne Projektmanagement kein Auftrag: In der IT-Branche beispielsweise ist es bei internationalen Projekten üblich, dass Kunden ihre poten ziellen Lieferanten auch auf die Qualität ihres Projektmanagements abklopfen. Flugs ist die Branche in die Offensive gegangen. Sie hat Karrieresysteme für Projektmanager auf die Beine gestellt und rechnet bei der Vergütung mit dem PM-Faktor.

Diese steife Brise von vorne spüren derzeit nur wenige Unternehmen. In den meisten Branchen ist der Projektmanager nach wie vor ein Überlebenskünstler mit vielen Aufgaben, wenig Kompetenzen und kaum Anerkennung. Das Blatt aber kann sich auch hier schnell wenden. Die wirtschaftlichen Rahmendaten spielen effizient arbeitenden Projektmanagern gut zu. Überrascht von den neuen, eher pessimistischen Prognosen, rechnen Unternehmen wieder bei den Kosten nach. Die Wirtschaftswoche sichtete bereits eine Sparwelle bei einbrechender Konjuktur. Nach ihren Prognosen haben Sparkommissare in Unternehmen Hochkonjunktur.

Was die ökonomische Schlechtwetterfront spannend macht: Budgetschonendes Projektmanagement ist ein gutes Werkzeug, jenseits von Streich- und Rationalisierungsorgien bei den Kosten Maß zu halten. Versierte Projektmanager dürften im Kurs steigen. Grund genug für Unternehmen, Projektmanagement-Fachleuten nach den mageren Jahren reicher gesegnete Zukunftsaussichten zu eröffnen. Besser jetzt ein Karrieresystem vorbereiten und aufbauen – als in einigen Jahren der Konkurrenz teuer die Experten abjagen.

Also was tun?
Erstens: Projektmanager sollen der Linie Aufgaben abnehmen, die sich in Projekten günstiger und schneller erledigen lassen. Folglich brauchen Projektmanager ein eigenes Karrieresystem außerhalb der Linie, also jenseits der üblichen Leitern für Führungskräfte und Fachkräfte. Diese Trennung ist die „sauberste“ Lösung und gibt auch innerhalb eines Unternehmens deutlich Signal, welchen Stellenwert Projektmanagement im Hause hat.

Zweitens: Dem Karrieresystem müssen einheitliche Ausbildungs- und Kompetenzmaßstäbe zugrunde liegen. Es muss exakt festgelegt werden, welche Skills ein Projektmanager auf welcher Hierarchiestufe beherrschen muss. Ein spezielles Ausbildungs- und Weiterbildungsangebot muss das System ergänzen.

Drittens: Projektmanagement ist Erfahrungssache. Nicht nur die Ausbildung zählt, sondern auch die Frage, wie viel Routine und Praxis ein Projektmanager in welchen Projekten gesammelt hat. Erfahrung muss angemessen in die Systematik der neuen Karrierepfade eingehen.

Viertens: Topmanager wie der Post-Vorstand Heimo Thomas sehen in Projektmanagern gute Kandidaten für Führungsaufgaben. Eine gewisse Durchlässigkeit zwischen den Karrieresystemen für Projektleiter und Linien-Führungskräfte empfiehlt sich.

Fünftens: Es bietet sich an, Projektmanager am Erfolg ihrer Projekte angemessen zu beteiligen. Dabei sollte das „magische Dreieck“ von Termintreue, Budgetbewusstsein und Qualität des Projektergebnisses Maßstab für eine erfolgsabhängige Vergütung sein. Als Prüfstein könnte auch Kundenzufriedenheit gelten.


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