Sandra Bartsch-Beuerlein:
Qualitätsmanagement in IT-Projekten
Hanser Fachbuch 2000,
ISBN: 9783446213593.
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Kundenbewertung:
3.5 Sterne
(6 Rezensionen)
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 1/2001, Seite 48 - 49. Alle Rechte vorbehalten.
Bartsch-Beuerlein will dem Praktiker, wie sie in der Einleitung sagt, bewährte Praktiken („best practice“ in Neudeutsch) für IT-Projekte vermitteln. Sie betrachtet dabei mit Recht das ganze Spektrum dieser Projektkategorie und schränkt ihren Blick nicht auf Software-Entwicklungsprojekte ein. Im Vordergrund des Buches steht eindeutig die Verbesserung der Prozessqualität, auf die Verbesserung der Produktqualität wird eher am Rande eingegangen. Sehr geschickt ist die Entwicklung von drei Szenarien, in denen IT-Projekte abgewickelt werden. Das erste Szenario beschreibt das Umfeld, in dem interne Projekte eines Unternehmens abgewickelt werden. Im zweiten Szenario ist der Auftragnehmer ein Unternehmen, das IT-Projekte für andere Firmen durchführt. Die Ausprägung von Projekt- und Qualitätsmanagement in derartigen projektorientierten Unternehmen ist in der Regel stärker als in Organisationen, denen sich das Szenario 1 zuordnen lässt. Im Szenario 3 fungieren Generalunternehmer als Auftragnehmer. Probleme ergeben sich hier vor allem aus dem Nebeneinander von verschiedenen Unternehmenskulturen, die sich natürlich auch auf Projekt- und Qualitätsmanagement auswirken.
Nachdem die Autorin die verschiedenen Projektlandschaften abgesteckt hat, wird ein sehr aktueller Überblick über Projektmanagement- Standards gegeben. Die Arbeiten von PMI, der GPM und verschiedener europäischer Schwesterorganisationen werden kenntnisreich dargestellt. Es schließt sich eine kurze Geschichte des Qualitätsmanagements an, wobei u. a. auf die ISO-Normen eingegangen wird (ISO 9000 ff. bzw. ISO 10 006).
Ein besonders lesenswertes Kapitel befasst sich mit Modellen zur Prozessverbesserung (Reifegradmodelle) wie CMM, Bootstrap und Spice, Entwicklungen, die außerhalb der IT-Branche nur wenig bekannt sind. Es würde sich nach Ansicht des Rezensenten sehr lohnen, diese Modelle, deren Zweck es ist, den Erfolg von IT-Projekten etwas weniger personenabhängig zu machen, einmal aus der Sicht anderer Branchen zu betrachten, Erfahrungsberichte anzuhören und zu diskutieren, welche Elemente für andere Projektarten übernommen werden könnten. Ein branchenübergreifendes Symposion, eine Veranstaltungsform, die sich leider zurzeit geringer Beliebtheit erfreut, weil sie in der Regel nicht sofort konkrete Ergebnisse erbringt, wäre dazu geeignet. Im weiteren Verlauf widmet sich die Verfasserin dann Themen wie Projektauftrag, Projektstart, Projektumfeldanalyse, Projektbüro, Projektorganisation und Projekthandbuch, um nur einige Stichworte zu nennen, und erörtert sie sehr anschaulich aus der Sicht von IT-Projekten. Viel Platz wird den Erfolgsfaktoren im Projekt eingeräumt. Grundlage dafür ist vor allem die großzahlige empirische Studie von Lechler. Die von der Autorin vorgenommene Gewichtung der Faktoren ist zwar aus den vorliegenden Studien nicht ableitbar, die Vorgehensweise, die Rolle der einzelnen Erfolgsfaktoren in IT-Projekten eingehend zu erörtern und sie sozusagen als roten Faden zu benutzen, ist aber sinnvoll und überzeugend.
Ein besonders aktuelles Thema, das bisher in wenigen Publikationen so detailliert dargestellt wird, betrifft Qualitätsmanagement- und Zertifizierungssysteme. Höchst erfreulich ist, dass Bartsch-Beuerlein dabei auch sehr ausführlich das Modell „Project Excellence“ der GPM und ihr Zertifizierungsprogramm vorstellt. Der Anhang enthält eine Reihe von wichtigen Hilfen wie z. B. eine Mustergliederung für ein Projekthandbuch und Checklisten für Qualitätsmanagement in Projekten. Vermisst wird allerdings eine eingehendere Behandlung des Risikomanagements in IT-Projekten, ein Thema, das in jüngster Zeit wieder erhebliche Aufmerksamkeit auf sich zieht und das vor allem im angelsächsischen Sprachraum in umfangreichen Publikationen, zum Teil allerdings reichlich praxisfremd behandelt wird. Alles in allem ein sehr aktuelles, flott geschriebenes und an Informationen reiches Buch, das an jeder Stelle zeigt, dass seine Verfasserin viel praktische Erfahrung hat. Frau Bartsch- Beuerlein sei an dieser Stelle vor allem dafür gedankt, dass sie den umfangreichen Arbeiten der GPM und ihrer Schwesterorganisationen so viel Aufmerksamkeit geschenkt hat.