Von Georg Disterer

© GPM-Magazin PM Aktuell-20004, Seite 30 - 36. Alle Rechte vorbehalten.
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Die Bewahrung und Nutzung von Wissen werden für Unternehmen zunehmend wettbewerbskritisch. Insbesondere wenn Erfahrungen und Wissen in Projekten gewonnen werden, ist Vorsorge dafür zu tragen, dass Folgeprojekte davon profitieren können. Vorhaben werden in Unternehmen ja gerade zur Lösung von innovativen und interdisziplinären Fragestellungen eingesetzt; die dabei im Projektteam aufgebaute Kompetenz muss nach Projektende erhalten und anderen Projektteams zur Verfügung gestellt werden. Dafür müssen während des Projektabschlusses gezielte Schritte und Maßnahmen eingeleitet werden, von denen hier einige vorgestellt werden.

Der Begriff Wissensmanagement fasst alle Tätigkeiten zum organisierten, systematischen und kontrollierten Umgang mit dem Wissen eines Unternehmens zusammen. Dabei werden nur wenige Fachvertreter behaupten, dass diese Tätigkeiten alle grundsätzlich neu sind. Eher setzt sich die Einschätzung durch, dass die heutige große Bedeutung der Ressource Wissen die Unternehmen zwingt, den Umgang mit unternehmensinternem Wissen zu bündeln, zu intensivieren und zu systematisieren. Damit sollen Planung und Steuerung der Bereitstellung und der Nutzung von Wissen und Erfahrungen im Unternehmen verbessert werden.

Dabei birgt die Projektorganisation einige besondere Probleme. In einer „normalen“ Organisation gibt es stabile Institutionen wie Abteilungen, Bereiche, Werke u. Ä., in denen Wissen und Erfahrungen gesammelt und abgefragt werden können. Dabei können die Sammlungen durchaus unterschiedlich aussehen, z. B. Dokumentationen, Archive, kompetente Mitarbeiter oder in Arbeitsabläufen verborgen. Dies bietet in vielen einfachen Situationen, in denen Wissen nachgefragt wird, schnelle und von Einzelpersonen unabhängige Hilfe: Frage: „Wer weiß bei uns etwas über abc?“ Antwort: „Geh mal zu den Logistikern“, „… in die Anlaufplanung“, oder „… in den Einkauf“, oder „… zu denen im Werk Schleswig“.

Diese Möglichkeiten gibt es in der Regel nicht zu Wissen und Erfahrungen, die in Projekten gesammelt werden. Projekte sind defi nitionsgemäß temporäre, zeitlich begrenzte Organisationen, die für besondere Tätigkeiten eingesetzt werden. Nach dem Projektende ist keine Institution oder kein Korpus mehr da, der als Sammelpunkt von Wissen und Erfahrungen angesehen werden kann. Anlaufstellen (wie Abteilungen, Bereiche, Werke), wo Unterlagen eingesehen oder Wissende getroffen werden können, existieren nach Projektende nicht mehr. Das Projekt wird nach Projektende aufgelöst und existiert nicht mehr.


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