Immer noch die „große Unbekannte“?
Von Daniela Freund
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 4/2000, Seite 52 - . Alle Rechte vorbehalten.
Risk Management ist eine wichtige Disziplin, um den Erfolg von Projekten mit zu sichern. Im Zeichen zunehmenden Wettbewerbsdruckes dient Risk Management auch dem Schutz vor wirtschaftlichem Schaden durch fehlgeschlagene Projekte. Gleichzeitig ist Risk Management immer noch die „große Unbekannte“ der Projektmanagementdisziplinen. Ursachen dafür liegen sowohl im psychologischen Bereich (wer will sich schon bei Projektstart mit den möglichen Risiken beschäftigen), in der praktischen Anwendbarkeit als auch in dem unmittelbaren Nutzen für die Projektbeteiligten (welches sind die geeigneten Maßnahmen, um die Risiken einzudämmen?). Im ersten Teil wird die theoretische Basis für den Risk-Management-Prozess gelegt, d. h., die Zusammenhänge von Risiken und Projekten werden beschrieben. Im Mittelpunkt stehen dabei solche Risiken, die im Umfeld von Informationstechnologie-Projekten anfallen. Im zweiten Teil werden die Grundlagen des Risk Managements beschrieben und ein neuer Ansatz zur Durchführung von Risk Management entwickelt.
1 Was ist Risiko im Projekt?
Für die Beschreibung des Risk Managements ist es erforderlich zu klären, wie der Begriff Risiko inhaltlich zu verstehen ist und wie sich Risiko auf ein Projekt auswirkt. Umgangssprachlich wird der Begriff häufi g gleichgesetzt mit einer drohenden Gefahr: „Es ist riskant, bei Rot über die Ampel zu gehen.“ In diesem Artikel soll für „Risiko“ folgende Defi nition gelten: „Ein Risiko ist ein Ereignis, von dem nicht sicher bekannt ist, ob es eintreten und/oder in welcher Höhe es einen Schaden verursachen wird. Es lässt sich aber eine Wahrscheinlichkeit für den Eintritt dieses Ereignisses (Risikowahrscheinlichkeit) und/oder für die Höhe des Schadens angeben.“
Risiken im Projekt sind mögliche Ereignisse oder Situationen, die für das Projekt gegenüber der Planung nachteilige Folgen haben. Sowohl in der Literatur als auch in der Praxis sind die Einschätzungen zu den Risiken, welche in Projekten entstehen können, breit gestreut. Dennoch sind – zumindest in Teilen – Parallelen zu finden. Einheitlich werden z. B. technische Risiken genannt. Auch Risiken im Bereich von Kosten und/oder Wirtschaftlichkeit sowie in der Kommunikation und Dokumentation werden übereinstimmend erwähnt. Häufig sind auch unrealistische oder zu Anfang unzureichend konkretisierte Ziele für das Scheitern eines Projektes verantwortlich. Um einen groben Überblick über die verschiedenen Risikoartenzu bekommen, ist eine Kategorisierung erforderlich. Diese ist sowohl unter sachlichen als auch zeitlichen Gesichtspunkten möglich. Bei der sachlichen Kategorisierung werden die einzelnen Risiken verschiedenen übergeordneten Gruppen zugeordnet, wie z. B. Risiken fachlicher, technischer, personalpolitischer oder finanzieller Art.
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