Im Untertitel erhebt das Buch den Anspruch „Ein Leitfaden zur persönlichen Strategieentwicklung in Projekten für Wirtschaft, Berufsschulen, Gymnasien, Universitäten und zum Selbststudium“ zu sein. Diese breite Palette von Leserinnen und Lesern zu befriedigen ist zugegebenermaßen ein hoher Anspruch. Es ist interessant, das Konzept der Autorin zu prüfen und dann mit den eigenen Erfahrungen im Projektmanagement zu vergleichen. Dies erfolgt aufgrund von Unterricht in Projektmanagement an einer Fachhochschule, studentischen Diplom- und Projektarbeiten z. B. für Unternehmen der Wirtschaft, die Verwaltung und gemeinnützige Institutionen sowie langjähriger Erfahrung als Projektmanager.
Die Autorin erläutert zuerst die Projektdidaktik, ausgehend von der Metapher einer Gipfelbesteigung, was sicher kein schlechter Vergleich ist, aber natürlich auch seine Grenzen hat. Sie setzt sich zum Ziel, mit dem vorliegenden Handbuch die „Grundlage für flexibles, komplexes Management erfolgreicher Förderprojekte“ zu entwickeln. Die dann aufgeführte Zielsetzungsliste von 13 Punkten erweitert und definiert den Rahmen nochmals.
Mit Lesehinweisen und einer Palette von grafischen Symbolen soll weiter den unterschiedlichen Projektniveaus und der Vorgehensweise in der Erarbeitung des Stoffes entsprochen werden. Immer noch in der Einleitung wird eingegangen auf Projektdidaktik als Fundament erfolgreicher Projekte, den Beitrag zur Überwindung der Bildungskluft und schließlich die Gefäße zur Umsetzung, jeweils verbunden mit ausführlicher Visualisierung.
Der Aufbau in drei Teilen erfolgt mit einem ersten Überblick der Projektentwicklung mit den dafür notwendigen Bausteinen und den damit verbunden Projektebenen. Das Vorgehensmodell umfasst neun Projektphasen von Informieren bis Auswerten, welche als Treppenstufen dargestellt werden.
Dabei fällt bei der einleitenden Fragestellung „Was ist ein Projekt?“ auf, dass hier weniger auf die in der Fachwelt verwendeten Definitionen (z. B. DIN 69 901) Bezug genommen wird, sondern eher der Prozess angesprochen wird. Die erwähnten neun Treppenstufen werden ausführlich – immer auch visuell – dargelegt und mit Checklisten, Mustern und Hinweisen versehen, unbestreitbar eine sehr vielfältige und mit viel Aufwand verbundene Darstellung.
Im zweiten Teil wird die Projektstrategieentwicklung mit neun Fragestellungen erläutert (von „wohin?“ bis „mit wem?“), nachdem einleitend verschiedene Aspekte beleuchtet wurden (z. B. „Dynamisch-intuitives Projekttalenttraining“ oder „Talente: Von der Knospe zur Blume“). Diese – wichtigen – Fragen werden ebenfalls eingehend besprochen und reflektiert.
Im dritten Teil wird die Thematik der umfassenden Persönlichkeitsentwicklung besprochen, ebenfalls wieder mit der Zahl Neun verbunden: Neun Thesen werden als „Geheimnisse genialer Projekte“ dargelegt. Es findet sich hier der mir bislang unbekannte Begriff der Kugelgenialität, welcher „das Ergebnis intensiver strategischer Potenzialentfaltung“ ist. Die Profilierungsziele – als Basis oder Resultat der neun Thesen – sind, wie einleitend erwähnt, dem breiten Spektrum der Persönlichkeitsentwicklung gewidmet; es gehören hierzu praktische Hinweise, wie z. B. Tagesleitkarten, Rhythmus und Flexibilität. Es finden sich auch Begriffe, die in der Projektmanagementliteratur weniger erwartet werden, wie Intuitions-Oktaeder, Intelligenzsonne oder Zeitkugeln.
Gemessen an den Erwartungen des Titels und der im Untertitel erwähnten Zielsetzung fällt die Beurteilung gemischt aus: Es handelt sich zweifelsohne um ein Werk, das mit Akribie, breiter Literaturrecherche und Engagement geschrieben wurde. Es ist m. E. jedoch als Grundlage für Studierende zu umfassend – weniger wäre eher mehr – und zu wenig auf Alltagsprobleme erster Priorität fokussiert, um nicht zu sagen reduziert.
Nach meinem Verständnis müssen Studierende das Rüstzeug für die Erarbeitung von Projekten nicht durch Studium einer über 240 Seiten umfassenden Grundlage erarbeiten, sondern „by doing“. Schon die Lektüre, umso mehr die Erarbeitung des dargelegten Stoffes, übersteigt die zeitlichen Möglichkeiten der meisten angesprochenen Zielgruppen, den Stoff in dieser Form praktisch umzusetzen. Dies bedeutet nicht, dass die Theorie, die praktischen Anleitungen überflüssig wären, im Gegenteil; sie sollten jedoch die Freude an der Projektarbeit fördern, die Neugierde, etwas auszuprobieren, auch wenn nicht alle möglichen Schwierigkeiten im Voraus bekannt sind, fördern. Eine Version „light“, verbunden mit einem durchgehenden Beispiel (Fallstudie), wäre wertvoll.
Fazit: Ausgehend von dieser Zielsetzung kann ich dieses Buch denjenigen empfehlen, die einen neuen und originellen Ansatz „des Interesses wegen“ lesen wollen. Erwartungen, damit praxisorientierte und mit einem verhältnismäßigen Aufwand verbundene Impulse zu erhalten, wie man Projekte in der Wirtschaft, aber auch als Unterrichtsbestandteil entwickeln kann und soll, werden eher enttäuscht.