8b591323-9516-4889-ad93-7819899d1b4eTrueISBN3423058889LargeBooks
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 2/2000, Seite 48 – 49. Alle Rechte vorbehalten.
Bei der von Schelle im August 1999 herausgegebenen zweiten Aufl age mit dem Titel „Projekte zum Erfolg führen“ handelt es sich um ein sehr systematisch aufgebautes und kompaktes Taschenbuch, ideal für Studenten an Fachschulen und Universitäten. Es macht, wie im zweiten Vorwort vom Autor erwähnt, durchaus Appetit, ist darüber hinaus aber auch mit vielen wichtigen Details versehen, so dass der Interessent nicht gleich ein weiteres Buch zur Hand nehmen muss, um Hinweise zur Bearbeitung eines aktuellen PM-Problems zu erhalten.
Die Grundsätze des Projektmanagements (Kapitel 3) bieten für den Neuling eine hervorragende Einführung, wie man an das schwierige Thema Projektmanagement am besten herangeht. Schelle geht besonders auf die Bedeutung der Projektdefi nition und die damit verbundene klare Zielsetzung ein und in dem Zusammenhang auch auf die Problematik, dass man es mit der Definition oftmals nicht allzu genau nimmt. Wichtig ist an dieser Stelle auch die von Schelle angesprochene gemeinsame Definition von Projektzielen zusammen mit dem Kunden (Kapitel 7).
Weitere Schwerpunkte von Kapitel 3 sind die Schaffung von Transparenz des jeweiligen Projektstandes, das frühzeitige Erkennen von Risiken, die schnelle Reaktion auf bestehende und potenzielle Projektstörungen und das Thema der personifizierten Verantwortung. Mit Projektrisiken befasst sich der Autor dann noch eingehend im Kapitel 8 und weist besonders auf die Risiken zur Einhaltung der Termine, Kosten und Zielvorgaben hin.
Der Autor beschreibt in Kapitel 6 ausführlich, wie ein Projektteam zu formieren ist und wie der Projektleiter und die Projektgruppe einzusetzen sind. Es ist richtig, wenn er in dem Zusammenhang sagt: „Der beste Fachmann ist leider nicht immer der, der auch soziale Kompetenz mitbringt.“ Zutreffend ist ferner die Aussage, dass der Projektmanager als „Unternehmer auf Zeit“ zu sehen ist.
Im Kapitel 10 geht Schelle auf die Bedeutung der Projektstrukturierung ein und beschreibt in Kapitel 11 ergänzend die Ablauf- und Terminplanung. „Frühwarnung ist alles“, sagt er und ergänzt dazu: „Man kann nur beeinfl ussen, was noch nicht geschehen ist.“ In Kapitel 12 widmet Schelle sich dann dem heiklen Thema der Abschätzung von Mitteln und Kosten und schreibt: „Zwar sind in den meisten Firmen viele Kostendaten in dicken Ordnern festgehalten, die Zahlen sind aber in den seltensten Fällen so systematisch zusammengestellt, dass jederzeit auf sie bei der Kostenschätzung neuer Projekte zurückgegriffen werden kann.“ Kapitel 12 wird durch Kapitel 13 (projektbezogene Einsatzmittelplanung und Multiprojektmanagement) sinnvoll ergänzt.
Kapitel 14 ist der Kostenkontrolle gewidmet, und Schelle weist in diesem Zusammenhang zu Recht auf die Bedeutung der gleichzeitigen Messung des Projektfortschritts und die vom Arbeitspaketverantwortlichen zu ermittelnden Kosten bis zur Fertigstellung (cost to completion) hin. Er stellt die Situation vereinfacht an zwei Beispielen dar, geht dabei aber nicht explizit ein auf die Earned- Value-Methode, die inzwischen auch von einigen Software-Herstellern angeboten wird.
„Änderungen im Griff haben“ betitelt er Kapitel 15 und weist darauf hin, dass unkontrollierte Änderungen häufi g die Ursache von Kostenüberschreitungen sind. Ergänzend hierzu wird in Kapitel 16 auf die unveränderte Einhaltung der versprochenen Qualität eingegangen, damit der Kunde zufrieden gestellt wird und nicht abspringt. In diesem Zusammenhang spielen auch die von Schelle bezeichneten „Haltepunkte im Projekt“, nämlich die Projektmeilensteine, eine wesentliche Rolle (Kapitel 17), und er schreibt: „Ein Meilenstein ist erst erreicht, wenn die defi nierten Ergebnisse vorliegen und auf Inhalt und Qualität überprüft wurden.“
Im Kapitel 18 geht Schelle auf die Bedeutung des Berichtswesens ein und hält fest: „Projektinformationen müssen schnell verfügbar sein.“ Er unterstreicht außerdem die Bedeutung persönlicher Gespräche und Kontakte und die Notwendigkeit zu kurzen, aber eher häufigen Projektbesprechungen. Dieses Kapitel wird durch Kapitel 19 (Konflikte im Projekt) sinnvoll ergänzt. In Kapitel 20 weist der Autor auf die Nutzungsmöglichkeiten von Projektmanagementsoftware hin. Dass Projekte systematisch abzuschließen und gemachte Erfahrungen festzuhalten sind, beschreibt er in Kapitel 21.
Zum guten Schluss hält Schelle eine Reihe von Empfehlungen für Vorstandsmitglieder, Geschäftsführer und Behördenchefs bereit. Hier die, nach meiner Meinung, drei wichtigsten Empfehlungen: „Geben Sie dem Projektteam einen klaren Projektauftrag“, „Beharren Sie darauf, dass im Projekt Meilensteine gesetzt werden“, „Lassen Sie sich regelmäßig über den Fortgang des Projektes berichten.“
Das in der zweiten Auflage von Schelle herausgegebene Taschenbuch zum Thema Projektmanagement ist nicht nur für Studenten äußerst informativ und lesenswert, sondern darüber hinaus auch für Praktiker und zukünftige Projektleiter und deren Teammitglieder, denn es behandelt alle wesentlichen Aspekte des modernen Projektmanagements. Aber auch für Mitarbeiter des Firmenmanagements ist das Buch eine hervorragende Grundlage. Natürlich hat Schelle Recht, wenn er im Vorwort der zweiten Auflage darauf hinweist, dass die Disziplin „Projektmanagement“ sehr stoffreich ist und er nicht alle Aspekte erschöpfend behandeln kann; er weist deshalb auf entsprechende ergänzende Fachliteratur hin.
Fazit: Der besondere Nutzen des vorliegenden Buches für den Lernenden wie auch für den Praktiker ist die gelungene Balance zwischen angemessener Stoffvielfalt und Handlichkeit.