Ergebnisse eines Workshops auf dem Deutschen PM Forum 1998

Von Manfred Saynisch, Gerhard Mekelburg, Peter Michael Frieß

© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 1/2000, Seite 12 - 20. Alle Rechte vorbehalten.
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Die Managementkybernetik konzentriert sich auf die Entwicklung von Lenkungsmodellen, mit denen komplexe Systeme unter Kontrolle gehalten werden können. Diese Lenkungsmodelle könnten somit auch für das Management komplexer Projekte geeignet sein. Der Beitrag fasst die Ergebnisse des Forschungsprojektes „Systemdynamik im Projekt und PM“ zusammen, in dem das Modell lebensfähiger Systeme (MLS) von Stafford Beer auf seine Eignung für Projekte und für das Projektmanagement überprüft und einige Gestaltungsregeln für das Management komplexer Projekte erarbeitet wurden. Sie wurden auf dem Deutschen Projektmanagement Forum 1998 in Dresden vorgestellt.

1. Einführung in das Projekt: Anlass und Rahmen

Das Projektmanagement wird heute vielfach noch als ein Instrument betrachtet, mit dem sich komplexe Vorhaben wie eine Maschine konstruieren, bauen, steuern und kontrollieren lassen. Die Praxis zeigt jedoch ein anderes Bild. Viele Projekte enden mit einem so nicht geplanten Ergebnis, einer Terminoder Kostenüberschreitung oder schlicht in einem Fiasko.

Die Vermutung, dass wir vielleicht ein anderes Verständnis des Projektmanagements benötigen würden, wird selten formuliert. Weit verbreiteter ist hingegen die Bekämpfung von Symptomen: Für Projekte in der Krise gibt es jetzt das Krisenmanagement, für Konflikte das Konfliktmanagement. Andere Projekte mutieren zur Selbsterfahrungsgruppe. Und die Listen der Projekt-Erfolgsfaktoren sind mittlerweile ähnlich lang wie die Listen von Qualifikationsanforderungen an die Projektleiter. Dies alles hat seine Berechtigung, weil es auf die eine oder andere Art und Weise der Weiterentwicklung des Projektmanagements dient. Es trägt aber zur Lösung der Probleme nur partiell bei.

Das Programm „Neue Wege im Projektmanagement“ unter der Leitung von Dipl.-Ing. M. Saynisch geht einen anderen Weg. In diesem Programm werden Auswirkungen und Konsequenzen erarbeitet, die sich aus neuen Sichtweisen und Erkenntnissen in den Wissenschaften für das Projektmanagement ergeben. Nach der Evolutions- und Chaostheorie sind in den letzten Jahren Teilthemen aus dem Gegenstandsbereich von Systemtheorie und Kybernetik in Form von Forschungsprojekten detaillierter untersucht worden.

Ansatzpunkt für das im Jahr 1996/97 durchgeführte Forschungsprojekt „Systemtheorie und soziale Systeme im Projektmanagement“ (GPM Projekt 96002) war die enge Vernetzung von Systemtheorie und Projektmanagement. Die Systemtheorie ist die Wissenschaft von der Struktur, den Verknüpfungen und dem Verhalten komplexer Systeme. In diesem Projekt standen die strukturellen Aspekte der Gestaltung von Projekten und des Projektmanagements im Vordergrund. Zielsetzung dieses Projektes war es, neuere systemtheoretische Konzepte (wie z. B. Selbstorganisation, Chaostheorie, Autopoiesis) auf die Gestaltung von Projekten anzuwenden, in denen neben der Leistungserstellung auch die Interessen verschiedenster Gruppen und Personen oder politisch- kulturelle Einflussfaktoren eine wesentliche Bedeutung haben. Unter dem Titel „Zur Gestaltung der sozialen Architektur von Projekten – Das Zusammenwirken von sozialen, technischen und komplexen Systemen“ wurden die Arbeiten und Ergebnisse publiziert.


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