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Verlagstext

Projektmanagement wird in Wirtschaft und Verwaltung immer wichtiger, weil Modernisierungs- und Rationalisierungs-Projekte für Unternehmen in einem sich rasch wandelnden Umfeld überlebensnotwendig und für den Staat der Schlüssel zu mehr Effizienz und Bürgernähe sind. Da Projekte zugleich immer heterogener werden, bedarf es neuer Methoden der Projektgestaltung. Dieses umfassende Handbuch zeigt sowohl dem strategischen Management als auch den operativ Verantwortlichen, wie man auch komplexe Projekte mit vielen Beteiligten systematisch zum Erfolg führt. Konsequent aus der Sicht des Kunden zeigt es Projektmanagement im Gesamtprozessgefüge der betroffenen Organisation. Dabei räumt es auf mit veraltetem Denken und präsentiert einen modernen, teamorientierten und »menschlichen« Ansatz.

Buchbesprechung aus PM aktuell

Buchbesprechung von Heinz Schelle
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 2/2005, Seite 44. Alle Rechte vorbehalten.

Vorab eine persönliche Bemerkung: Seit nunmehr 30 Jahren bespreche ich Bücher zum Thema Projektmanagement. Aber mit keinem Buch habe ich mich bisher so schwer getan wie mit diesem. Mein Versuch, die Beurteilung jemandem anders aufzuhalsen, ist gescheitert. Der Grund für mein Unbehagen: Das Werk enthält so viele wertvolle Einsichten und geht bei vielen Themen so in die Tiefe, dass das einfach gewürdigt werden muss. Andererseits setzt der Verfasser selbst die Messlatte sehr hoch. Er muss es sich also auch gefallen lassen, entsprechend kritisch beurteilt zu werden.

Meine erste Kritik macht sich daran fest, dass wieder einmal ein Autor versucht, eine neue Begriffsbestimmung für Projekte zu finden. Offensichtlich ist Zöllner einem Missverständnis zum Opfer gefallen. Er hat offensichtlich in der DIN-Definition das kleine, aber wichtige „z. B.“ übersehen. Das führt ihn zu der unhaltbaren Position, dass Projekte nur dann vorliegen, wenn eine projektspezifische Organisation gegeben ist. Er postuliert: „Ein einmaliges Vorhaben wird erst dadurch und auch erst dann zu einem Projekt, wenn sich das Management ausdrücklich dazu entschließt, dieses Vorhaben mit einer spezifischen Projektorganisation aufzusetzen.“ Mit dieser Definition schließt er mit einem Federstrich die Unmenge von anspruchsvollen Projekten aus, die Tag für Tag in der Industrie im Rahmen der Linienorganisation laufen. Nur ein Beispiel aus meiner eigenen Industriepraxis: In der Zentralen Forschung und Entwicklung der Siemens AG wurden viele ehrgeizige Forschungs- und Entwicklungsprojekte, z. B. auf dem Gebiet der Supraleitung, innerhalb einer Laborgruppe durchgeführt. Die einzelnen Labor- bzw. die Laborgruppenleiter leiteten die Vorhaben. Für eine spezielle Form der Projektorganisation bestand keine Notwendigkeit. Es würde wohl auch niemand ernsthaft behaupten, dass in diesem Fall keine Projekte vorgelegen hätte. Wer sich in der Literatur umschaut, etwa bei Frese, einem der deutschen Organisationspäpste“, kann dort sehen, dass das auch aus der Sicht der betriebswirtschaftlichen Organisationstheorie nicht beanstandet wird.

Richtig ärgerlich wurde ich, als ich die Kritik des Verfassers an der bisherigen Projektmanagementliteratur gelesen habe. Er schreibt auf S. 9: „Stattdessen werden relativ aufwändig der ‚ideale Projektmanager‘, ‚bewährte‘ Vorgehensmodelle und ‚moderne‘ Werkzeuge propagiert und damit der Eindruck erweckt, als ob diese Projekte allein mit einer entsprechenden Persönlichkeit des Projektmanagers und einer guten Verfahrenstechnik zu beherrschen wären.“ Da werden mit großem Anlauf weit offen stehende Türen eingerannt. Natürlich gibt es solche Bücher, wie sie Zöllner beschreibt, aber das ist im besten Fall die halbe Wahrheit. Es sind doch, zum Teil schon seit Jahrzehnten, die Bücher von Sizemore House, Weinberg, Hansel und Lomnitz, Mayrshofer und Kröger, Heintel und Krainz und Graham auf dem Markt. Das ist nur eine kleine Auswahl. Zum Problem des geplanten organisatorischen Wandels, das angesprochen wird, haben unter vielen anderen Doppler und Lauterburg sowie Rosenstiel und Reiss sehr profund geschrieben. Dass diese Autoren, die nicht im kommentierten Literaturverzeichnis zu finden sind, die Bedeutung der Kommunikation nicht erkannt hätten, kann man nun wirklich nicht sagen. Liest man dann bei Zöllner selbst, stellt man erstaunt fest, dass die organisationspsychologischen Aspekte so ausführlich auch wieder nicht behandelt werden.

Ein weiteres Ärgernis: Der Autor empfiehlt sein Buch ausdrücklich auch für Studenten der Informatik. Das ist kein guter Rat. Da hätte er sich schon darüber informieren müssen, welche mehr oder weniger offiziellen Lehrinhalte hier vermittelt werden müssen. Ein kurzer Blick in das vorzügliche Buch von Balzert (Software-Technik Band 2, Software-Management, Software-Qualitätsmanagement, Unternehmensmodellierung) oder in das neuere Werk „Basiswissen Software-Projektmanagement“ von Hindel et alii hätte dem Autor gezeigt, was ein Studierender erwarten kann. Viele aktuelle Themen, wie z. B. V-Modell, CMM-I, SPICE, BOOTSTRAP, Agiles Projektmanagement und der Factor-Criteria-Metric-Ansatz, werden mit keinem Wort erwähnt. Nicht einmal CMM-People wird gestreift, ein Thema, das doch genau in das Programm von Zöllner passen würde. Ein letztes Ärgernis: Es gibt im Text selbst nicht einen einzigen Quellennachweis. Dabei basiert die Publikation doch auf den Vorarbeiten vieler Autoren. Als Beispiel sei hier nur Erich Kosiol genannt, der nur im Anhang gewürdigt wird.

Was bleibt nach so viel Kritik? Warum meine Skrupel, das Buch zu rezensieren? Hier nochmals der Grund: Zöllner hat ein sehr differenziertes, außerordentlich gedankenreiches Buch geschrieben. Die Lektüre wird einem allerdings nicht leicht gemacht. Wenn man genügend Zeit mitbringt, lohnt sie sich aber auf jeden Fall. Ob die Ausführungen zum Projektzweck, die Gedanken zur Projektstrukturierung, die Überlegungen zu verschiedenen Projektkonstellationen und zum Krisenmanagement sowie die umfangreichen Darlegungen zu Vorgehensmodellen – Zöllner bietet, aus langjähriger Praxis schöpfend, überall unkonventionelle und originelle Überlegungen. Man müsste eigentlich zu jedem Kapitel eine eigene Besprechung schreiben, um dem Autor gerecht zu werden und um sich mit ihm auseinander zu setzen. Ob sich allerdings viele Praktiker gerade dieser Mühe unterziehen werden, ist fraglich. Schade darum!

Leserbrief aus PM aktuell - Heft 3 / 2005

Zur Buchbesprechung „Praxisbuch Projektmanagement“ in Heft 2/2005, Seite 44, schrieb der Buchautor Uwe Zöllner an Prof. Heinz Schelle

© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 3/2005, Seite 48. Alle Rechte vorbehalten.

Vielen Dank für Ihre inzwischen veröffentlichte Besprechung meines Praxisbuchs Projektmanagement – insbesondere auch deshalb, weil Sie es sich nicht leicht gemacht haben (Sie sprechen gar von Skrupeln bei der Rezension).

Beim ersten Durchlesen Ihrer Besprechung war ich natürlich etwas befremdet. Beim nochmaligen Lesen habe ich dann verstanden: Offenbar habe ich nicht von Anfang an deutlich genug zum Ausdruck gebracht, dass es sich bei diesem Buch um ein reines Praxisbuch ohne weitergehenden wissenschaftlichen Anspruch handelt und dass es sich nur auf das Management einer bestimmten Art von Projekten bezieht und nicht auf Projektmanagement schlechthin.

Das Buch konzentriert sich auf die spezifische Welt der Modernisierungs- und Rationalisierungsprojekte, also auf Organisationsprojekte, die sich mit IT-gestützten Lösungen befassen. Wie ich im Vorwort bereits andeute und dann im Kapitel 1.2 veranschauliche, unterscheiden sich diese Projekte in wesentlichen Punkten von den Projekten der industriellen Forschung, Entwicklung und Fertigung und auch von den militär- und raumfahrttechnischen Großprojekten, in denen das Projektmanagement ursprünglich entstanden ist.

So ist zum Beispiel bei Modernisierungs- und Rationalisierungsprojekten, anders als bei den von Ihnen angesprochenen industriellen Projekten, die projektspezifische Organisation ein wesentliches Merkmal der Projektdefinition – gilt es doch, die Projekte von den vielen kleineren Modernisierungs- und Rationalisierungsschüben abzugrenzen, für die ein Projektmanagement, wie wir es verstehen, völlig überdimensioniert wäre. Im Interesse einer auch praktisch überzeugenden Sprachregelung sollte deshalb im Modernisierungs- und Rationalisierungsgeschäft der Projektbegriff auf die etwas anspruchsvolleren Vorhaben begrenzt werden, die hier üblicherweise in einer projektspezifischen Organisation durchgeführt werden. Leider wird das im einführenden Kapitel 1.1 nicht unmissverständlich zum Ausdruck gebracht.

Entsprechendes gilt auch für die von mir an der gängigen Literatur zum Projektmanagement geübte Kritik. Sie ist nur aus der spezifischen Sicht der Modernisierungs- und Rationalisierungsprojekte zu verstehen und sollte nicht die Brauchbarkeit dieser Literatur für das Management anderer Projektarten in Frage stellen. Ich wollte damit lediglich das Unbehagen vieler Kollegen und Kunden zum Ausdruck bringen, die leider immer wieder feststellen müssen, dass manche Handlungsempfehlungen aus der Literatur nur sehr bedingt oder besser gar nicht auf das Management von Modernisierungs- und Rationalisierungsprojekten anzuwenden sind.

Im Übrigen trifft es zu, dass der Umgang dieses Buches mit anderen Literaturquellen nicht den Anforderungen einer wissenschaftlichen Abhandlung genügt. Das Buch ist in Absprache mit dem Verlag als Praxisbuch positioniert und im Titel als solches kenntlich gemacht worden. Hierzu gehörte auch, bewusst auf Quellenverweise im Text zu verzichten und stattdessen die verwendeten Quellen nur in einem kommentierten Literaturverzeichnis am Ende des Buches zu würdigen (mit einem ausdrücklichen Hinweis, dass es keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt). Meine Bemerkung im Vorwort, dass dieses Buch auch als Lehrbuch für Studierende geeignet sei, sollte man deshalb einfach streichen. Die Bemerkung ist unerheblich für das Buch und verleitet nur zu Missverständnissen.

Über den letzten Absatz Ihrer Besprechung habe ich mich dann natürlich gefreut, und ich hoffe, dass möglichst viele Praktiker, die bislang nicht die passende Managementliteratur zu den spezifischen Herausforderungen der Modernisierungs- und Rationalisierungsprojekte gefunden haben, in meinem Buch die Anregungen finden, die sie schon immer gesucht haben.

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