Hans A. Wüthrich, Dirk Osmetz, Stefan Kaduk:
Musterbrecher. Führung neu leben
Gabler 2006,
261 Seiten,
ISBN: 9783834905079.
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5.0 Sterne
(6 Rezensionen)
Leben in und mit Paradoxien lautet die Herausforderung! Dieses Buch richtet sich an alle, die im Rahmen ihrer Führungstätigkeit ungute Gefühle erleben und nicht länger bereit sind, als Marionetten ihrer Führungsreflexe zu funktionieren. Es plädiert für musterbrechendes Denken, für die Veränderung der inneren Haltung gegenüber Führung. Es erwarten Sie musterbrechende Erlebniswelten - irritierend und inspirierend: Unzulänglichkeit der Perfektion - die Stärke der Verletzlichkeit Karriere ohne Laufbahnplanung - Effizienz durch Vielfalt CEO ohne Macht - Zeit in einer Zeit ohne Zeit Be-Greifbar dank Stallgeruch - Haltung ohne Pose
Hans A. Wüthrich, Jahrgang 1956, Inhaber des Lehrstuhls für Internationales Management, Universität der Bundeswehr München, Partner der B&RSW AG Management Consultants, Zürich, Coach für Führungskräfte, Publikationen auf den Gebieten Strategisches Management, Unternehmenskultur und Führung, Aufsichts- und Beiratsmandate. Dirk Osmetz, Jahrgang 1967, Ingenieur und promovierter Wirtschaftswissenschaftler, Partner der PhilOs Managementberatung München, Lehr- und Forschungstätigkeit am Institut für Internationales Management, Universität der Bundeswehr München, mehrjährige Führungserfahrung, Publikationen auf den Gebieten Führung und Veränderungsmanagement. Stefan Kaduk, Jahrgang 1970, promovierter Betriebswirt, sieben Jahre Unternehmensberatung, Lehr- und Forschungstätigkeit am Institut für Personal- und Organisationsforschung und Habilitand am Institut für Internationales Management, Universität der Bundeswehr München, Publikationen auf den Gebieten Personal- und Changemanagement.
Das Buch, das am Lehrstuhl für Internationales Management der Fakultät für Wirtschaftsund Organisationswissenschaften der Universität der Bundeswehr München entstanden ist, dürfte wohl manchen Leser zunächst ein wenig irritieren. Es werden zu Beginn „sieben glorreiche“ Führungsmuster dargestellt, mit denen sich zumindest zum größten Teil viele Projektmanager und vor allem Projektcontroller einverstanden erklären werden.
Muster 1: Führung muss steuern
Muster 2: Führung muss kontrollieren
Muster 3: Führung muss standardisieren
Muster 4: Führung muss rational entscheiden
Muster 5: Führung muss den kurzfristigen Erfolg sichern
Muster 6: Führung muss beschleunigen
Muster 7: Führung muss sich an Rahmenbedingungen orientieren
Bei diesen Mustern bleiben die Autoren natürlich nicht stehen, sondern „brechen“ sie. Bei weniger kreativen Zeitgenossen könnte das in etwa so aussehen, dass – eine beliebte Heuristik – die Negation gebildet und abgehandelt wird. Also etwa: Führung vertraut blind. So einfach machen sich die Autoren die Sache allerdings nicht. Vielmehr leiten sie aus den oben angeführten Grundsätzen Paradoxien ab. Und da fängt die Irritation an.
Die Gegenentwürfe, die zunächst nicht alle unmittelbar einsichtig sind, lauten:
Vor allem bei den Postulaten zur Kontrolle und zur Beschleunigung dürften viele unserer Leser Probleme haben und ein wenig schlucken.
Befasst sich doch unsere Zeitschrift gerade mit diesen beiden Themen intensiv und seit vielen Jahren. Die Methoden des Controllings werden immer mehr verfeinert bis zur Horrorvision der Stufe 5 von CMMI, die in einigen Ländern schon Realität geworden ist. Zur Beschleunigung der Durchlaufzeiten von Projekten haben wir sogar erst vor kurzer Zeit ein Schwerpunktheft herausgebracht. Mein Rat: Lesen Sie trotzdem weiter. Sie werden es nicht bereuen. Das Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite aufregend und spannend. Wüthrich, Osmetz und Kaduk erläutern nämlich ihre Paradoxien an zahlreichen Beispielen. Es kommen 40 Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Gesellschaft zu Wort, die darüber berichten, wie sie in Organisationen mit herkömmlichen Mustern gebrochen haben. Dabei tun die Autoren das selbst auch durch das überraschend neue Layout, an das man sich zunächst gewöhnen muss, das einem aber zunehmend Freude macht: Der Ausdruck „Rand- und Zwischenbemerkungen“ ist wörtlich genommen worden. Diese Texte werden wirklich am Rand bzw. zwischen den Zeilen positioniert.
In unserer Gesellschaft gibt es eine Fachgruppe „Neue Wege im Projektmanagement“, die ebenfalls seit Langem technokratische Dogmen in unserer Disziplin hinterfragt. Das vorliegende Buch ist meines Erachtens hervorragend als Input geeignet, um neue Anregungen zu bekommen. Noch etwas: Sie können das Werk auch in den Urlaub oder ins Wochenende mitnehmen. Sie werden sich bei der Lektüre garantiert nicht langweilen und angeregt werden, über Ihre Führungsmuster nachzudenken.