PM Forum 2010 mehrWERTprojektmanagement. Chancen zum Wachsen nutzen


Dov Dvir, Aaron J. Shenhar: Reinventing Project Management: The Diamond Approach to Successful Growth & Innovation
Harvard Business School Press 2007, 276 Seiten, ISBN: 9781591398004.


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Verlagstext

Projects are the engines that drive innovation from idea to commercialisation. In fact, the number of projects in most organisations today is expanding while operations is shrinking. Yet, since many companies still focus on operational excellence and efficiency, most projects fail - largely because conventional project management concepts cannot adapt to a dynamic business environment. Moreover, top managers neglect their company's project activity, and line managers treat all their projects alike - as part of operations. Based on an unprecedented study of more than 600 projects in a variety of businesses and organisations across the globe, \"Reinventing Project Management\" provides a new and highly adaptive model for planning and managing projects to achieve superior business results.

Buchbesprechung aus PM aktuell

Buchbesprechung von Martin Haberstroh
© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 1/2010, Seite 40 - 41. Alle Rechte vorbehalten.

Durch die zunehmende Projektarbeit in Unternehmen sowie der gesamten Gesellschaft sehen sich Projektverantwortliche einer immer umfangreicheren, aber vor allem auch ausdifferenzierten „Projektlandschaft“ gegenüber. Beispiele für unterschiedliche Projekte in einem Bereich/Unternehmen können sein: 1. zeitkritische Entwicklung eines komplett neuen Gesamtfahrzeugs, 2. reguläre Weiterentwicklung einer bereits existierenden Produktkomponente (z.B. Getriebe, Achsen) oder 3. Optimierung eines internen Geschäftsprozesses zwischen mehreren Abteilungen. Dies wirft die Frage auf, ob ein speziell angepasstes Projektmanagement für diese Projekte erforderlich ist.

Doch welche Eigenschaften von Projekten sind entscheidend für die Anpassung des Projektmanagements und welche Eigenschaften kann man vernachlässigen? Und wie ist ein Erfolg versprechendes Projektmanagement auszugestalten? Speziell für diese Themenstellung liefern Aaron J. Shenhar und Dov Dvir mit ihrem Buch „Reinventing Project Management: The Diamond Approach to Successful Growth and Innovation“ einen äußerst beachtlichen Beitrag. Zudem ist den Autoren das Thema Projekterfolg sehr wichtig.

Somit werden gemäß der International Competence Baseline Version 3.0 im Wesentlichen zwei PM-technische Kompetenzelemente thematisiert: 1.00 Projekt, Projektmanagement, Projektarten und PM-Prozesse sowie 1.01 Projektmanagementerfolg. Der Schwerpunkt des Buchs liegt hierbei eindeutig auf dem Thema Projektarten.

Ihre Empfehlungen basieren auf der systematischen Analyse von mehr als 600 Projekten aus unterschiedlichsten Branchen. Zudem verfügen die beiden Autoren über langjährige Projektmanagementerfahrung in Unternehmen und sind inzwischen als Professoren auf dem Gebiet Projektmanagement erfolgreich.

1. Projekterfolg: Until you „figure out what success means“ … leadership is an almost „pointless conversation“ (gemäß Peter F. Drucker)

Hinsichtlich des Projekterfolgs ist für Shenhar und Dvir die strategische Bedeutung der Projekte sehr wichtig. Insbesondere sehen sie den Projektleiter nicht nur für den „kurzfristigen“ Abwicklungserfolg (klassisches magisches Dreieck: Leistung, Zeit, Kosten), sondern auch für den „längerfristigen“, strategischen Anwendungserfolg in der Verantwortung. Sie empfehlen folgende fünf Erfolgsdimensionen:

  • Effizienz (speziell Einhaltung der Zeit- und Kostenvorgaben)
  • Auswirkung auf den Kunden (z.B. Erfüllung der vereinbarten Leistung sowie generell Kundenzufriedenheit)
  • Auswirkungen auf das Projektteam (z.B. Arbeitszufriedenheit)
  • Unmittelbarer, direkter Unternehmenserfolg (z.B. Umsatz, ROI)
  • Vorbereitung auf die Zukunft (z.B. neue Technologien, Produkte, Märkte)

Zudem raten sie zur Bestimmung von Abbruchkriterien für das Projekt.

Die ersten beiden Dimensionen erfassen den eher kurzfristigen Abwicklungserfolg, die folgenden drei Dimensionen den eher langfristigen Anwendungserfolg. Hinsichtlich des Projekterfolgs ist also nicht nur die effiziente, clevere Abwicklung, sondern auch die längerfristige, strategische Ausrichtung zu beachten. Klarheit bei allen fünf Erfolgsdimensionen ist sicherlich bei großen Projekten mit einer langen Laufzeit in einem turbulenten Umfeld zu empfehlen. Hier sind im Projektverlauf sehr viele Diskussionen über die strategische Projektausrichtung zu erwarten, die mithilfe eindeutig definierter Erfolgskriterien in diesen fünf Bereichen klarer und strukturierter geführt werden können. Eine Bestimmung der Auswirkungen auf das Projektteam ist sicherlich hilfreich für die Motivation und die Begrenzung der Fluktuationsrate innerhalb des Projektteams.

2. Projektarten und Projektmanagement: „One size does not fit all“ – Wann und wie ist das Projektmanagement anzupassen?

Vier zentrale Dimensionen mit verschiedenen Abstufungen wurden von Shenhar und Dvir identifiziert, um das Projektmanagement situationsgerecht anzupassen:

  • Neuheit bezeichnet die Unsicherheit hinsichtlich der Projektziele und der Markt-/Kundenanforderungen. Drei relevante Abstufungen wurden identifiziert: 1. Derivat (z. B. Verbesserung einer bestehenden Produktionslinie), 2. Plattform (z. B. eine neue Fahrzeuggeneration) und 3. Breakthrough/Durchbruch (z.B. die erste Mikrowelle). Bei zunehmender Neuheit nimmt die Aussagefähigkeit der Marktdaten zumindest zu Projektbeginn ab. Zudem sind mehrere Iterationen erforderlich (z.B. Prototypen), bis die Projektanforderungen fixiert werden können.
  • Technische Unsicherheit bezeichnet, wie viel neue Technologie erforderlich ist, um ein Projekt abzuschließen. Vier relevante Abstufungen wurden identifiziert: 1. Low-tech (z.B. Straßenbau), 2. Medium-tech (z.B. Derivate/Verbesserungen oder neue Produkte in etablierten Branchen), 3. High-tech (z.B. neue Produkte/ Systeme in dynamischen Branchen wie Computer) und 4. Super-high-tech (z.B. Apollo-Mondprogramm). Mit zunehmender technischer Unsicherheit nimmt auch die Anzahl und Dauer der erforderlichen Entwicklungszyklen zu. Zudem wächst die Bedeutung der technischen Aktivitäten (z.B. Konstruktion) und der technischen Kompetenz des Projektteams.
  • Komplexität bezeichnet imWesentlichen die Vernetztheit des Projektergebnisses (z.B. Produkt) und der Projektaufgabe. Vier relevante Abstufungen wurden identifiziert: 1. Komponente (z.B. Post-it Notes, Personal Digital Assistant), 2. System (z.B. neues Automobil, Raketenentwicklung), 3. Systemverbund (z.B. English channel tunnel, Stuttgart 21). Bei zunehmender Komplexität ist eine aufwendigere Projektorganisation mit mehr formellen Regelungen erforderlich.
  • Tempo/Zeitdruck bezeichnet, wie wichtig und eng der Zeitrahmen für die Projektabwicklung ist. Vier relevante Abstufungen wurden identifiziert: 1. regulär (z.B. teilweise interne Projekte), 2. schnell/wettbewerbsentscheidend (time-to-market, z.B. Markteinführung eines Neuprodukts), 3. zeitkritisch (z.B. nicht verschiebbares Bauprojekt für die olympischen Spiele, IT-Projekte zur Euroumstellung), 4. Blitz (z.B. Rettungsprojekt nach einer Katastrophe). Bei zunehmendem Tempo kann nur noch gröber geplant werden und die Planung muss öfters überarbeitet werden. Um schnell agieren zu können, muss das Projektteam ein hohes Maß an Entscheidungs- und Handlungsautonomie erhalten. Ferner muss sich das Topmanagement stärker engagieren, um Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

Beachtenswert ist, dass diese vier Dimensionen keine Produktarten (z.B. Fahrzeug, Motor, Kraftwerksbau) umfassen und sie dennoch entscheidend sind für ein richtig angepasstes Projektmanagement. Außer für ein angepasstes Projektmanagement lassen sich diese Dimensionen auch für das Risikomanagement, Projektportfoliomanagement und Outsourcing nutzen.

Der Titel des Werks „Reinventing Project Management“ ist außerordentlich ambitioniert, und ob dieses Versprechen eingelöst wird, darf bezweifelt werden. Mit Sicherheit haben die Autoren jedoch ein Buch vorgelegt, das sich durch einen hohen Innovationsgrad speziell hinsichtlich der Bestimmung unterschiedlicher Projektarten auszeichnet. Die Autoren stellen mit der Projektklassifikation basierend auf den vier Eigenschaften ein ausgesprochen klares Konzept zur Bestimmung eines angepassten Projektmanagements zur Verfügung. Hervorzuheben ist hierbei die Fundierung dieses Konzepts durch die systematische Analyse von mehr als 600 Projekten aus unterschiedlichsten Branchen. Das Buch ist sehr lesefreundlich geschrieben. So werden viele Fallbeispiele eingesetzt, um die Argumentation zu erläutern. Zudem werden die wesentlichen Inhalte regelmäßig zusammengefasst. Nicht übersehen werden sollte der Anhang: Hier finden sich Zusammenfassungen, wie das Projektmanagement entsprechend den vier Dimensionen anzupassen ist. Zudem finden sich hier auch Checklisten/Fragebögen zur Bestimmung der Projektarten und des Projekterfolgs. Auf der Homepage des Buchs (www. reinventingprojectmanagement.com/index.html) finden sich weitere Artikel, Buchrezensionen und nutzbare Folien/Präsentationen. Dieses sehr gute Buch ist speziell für Personen zu empfehlen, die sich einer umfangreichen und ausdifferenzierten Projektlandschaft gegenübersehen und diese besser verstehen wollen, um ihr Management auf diese Projekte zielgerichtet anzupassen.


Die hilfreichste Leser-Rezension von Amazon.com (USA)

What you measure identifies what you value. (5 Sterne)


In this book, Aaron J. Shenhar and Dov Dvir introduce and develop what they characterize as "a new approach and a new formal model to help managers understand what project management is all about. This new approach is based on a success-focused, flexible, and adaptive framework. We call it the `adaptive project management approach [APM],' and it differs from [and is preferable to] the traditional approach in several significant ways" that are identified in the first chapter. Rather than replacing the traditional approach, APM builds on it by taking into full account the strategic as well as tactical aspects of project performance in both the short and the long term as well as taking into account, also, the points of view of various project stakeholders, including customers.

"To address differences among projects, we present a diamond-shaped framework to help managers distinguish among projects according to four dimensions: novelty, technology, complexity, and pace (NTCP)." By invoking the metaphor of a baseball diamond, Shenhar and Dvir correctly suggest an essential paradox of project management that I have personally observed for many years: projects are conducted within fixed parameters according to established rules (four "bases" 90 feet apart, beginning at "home plate" and proceeding to "first base," three "outs" to an inning "at bat" or "on the field," etc.) and yet projects are usually messy and their results seldom predictable. Hence the importance of having a generous "owner" or benefactor and a capable "manager" as well as talented and skilled "players" who work effectively as a "team."

With regard to "keeping score" to determine whether or not the "game" is "won," Shenhar and Dvir suggest that the new success criteria involve at least five dimensions (or metrics): project efficiency, impact on the customer, impact on members of the project team, business results, and preparation for the future. "Each metric may have several submeasures, and it may differ from project to project in detail, intensity, importance, and other aspects."

With regard to the specific material provided, Shenhar and Dvir carefully organize it within three Parts: A New Model for Managers, The Four Bases of Successful Projects, and Putting the Diamond Approach to Work. Shenhar and Dvir also include total of 11 "Research Appendixes." Of special interest to me is what they have to say about managing projects for innovation (Chapter 8) and reinventing project management for the reader's organization (Chapter 11). Here is a brief excerpt from each chapter that correctly suggests the thrust and flavor of Shenhar and Dvir's narrative:

"The innovator's dilemma [per Clayton Christensen] presents a risk for companies: to follow customer demand based on sustaining progress may cause you to miss the opportunities presented by fast, disruptive change. The project management solution to the innovator's dilemma is to learn the distinction between breakthrough and platform projects. While investing in sustaining large businesses, what are handled by platform or derivative projects, companies must initiate a few breakthrough projects that are managed separately according to different rules, thereby addressing the potential opportunities of disruptive change." (Page 159).

"Every project effort creates a unique learning opportunity. [In fact, too many to count.] Things change rapidly, decisions are constantly made, and mistakes are made. Lessons can be learned every week and at every milestone, and clearly at project completion. But few organizations have the habit of recording, documenting, and sharing project lessons throughout the company. For example, whenever a project is terminated, there are valuable lessons that must be learned. Yet managers (perhaps because of human nature often tend to avoid discussing or dwelling on any failures; they would rather move on." (Page 212)

Whether or not the "Diamond Approach" (NTCP) is the best approach to take is, of course, for each reader to determine. My own rather extensive prior experience with all manner of projects and their teams clearly indicates that the given approach (whatever it is) must be comprehensive, cohesive, flexible, consistent, and cost-effective. Moreover, each project team must have a strong leader. That said, all project management teams and those who lead them would be well-advised to remember what Peter Drucker observed in 1963: "There is surely nothing quite so useless as doing with great efficiency what should not be done at all."

Those who share my high regard for this volume are urged to check out books that Christensen has co-authored (The Innovator's Dilemma, The Innovator's Solution, and Seeing What's Next) and Geoffrey Moore's Inside the Tornado, Crossing the Chasm, and Dealing with Darwin. Also Jeanne Ross, Peter Weill, and David Robertson's Enterprise Architecture as Strategy as well as Dean Spitzer's Transforming Performance Measurement, Adrian Slywotsky's The Upside, and Richard Ogle's Smart World.

(16 von 18 Kunden fanden diese Rezension hilfreich)
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