Viele IT-Projekte werden anders als geplant zu Ende gebracht, zeigen nicht den erwarteten Nutzen oder scheitern schlichtweg. Ursache sind häufig fehlende Erfahrungen, u.a. mit der Informationstechnologie, mit den Menschen oder mit den betroffenen Organisationen und Unternehmen. Erfolgreiche Projekte dagegen verfügen über ein erfahrenes und innovatives IT-Projektmanagement, das Projektplanung, Projektsteuerung und -abschluss sowie den Software-Lebenszyklus berücksichtigt.
Wann gelingen IT-Projekte, wann nicht? Darum geht es in den Erfahrungsberichten dieses Buches, in denen reale, teilweise anonymisierte Projekte beschrieben werden - so wie sie wirklich verlaufen sind, mit ihren Erfolgen und Mißerfolgen. Vorgestellt werden typische Projektsituationen, wie Einsatz von Standardsoftware, Individualentwicklungen, Softwaremigrationen oder die Hinzunahme externen Know-hows.
Alle Berichte werden von Herausgeberseite ausführlich kommentiert und auf die folgenden Fragen hin untersucht:
Welche Fehler wurden gemacht, wie hätte man sie vermeiden können, wie konnten sie korrigiert oder abgemildert werden?
Welche Probleme sind aufgetreten, wurden sie rechtzeitig erkannt, konnten sie gelöst werden?
Warum scheitern Projekte, wie hätte man einen Projektabbruch oder ein völliges Neuaufsetzen vermeiden können?
Was läßt sich daraus für künftige IT-Projekte lernen?
Dabei werden Fallstricke und Erfolgsfaktoren deutlich herausgearbeitet, um die Erfahrungen auf andere IT-Projekte übertragbar zu machen. Ein Grundlagenbeitrag gibt außerdem einen über die Berichte hinausgehenden, zusammenhängenden Überblick über die Thematik.
Wer sich einigermaßen in der Projektmanagement- Literatur auskennt, weiß, dass es zwar vor allem in Kongress-Proceedings eine Fülle von Aufsätzen über erfolgreiche Vorhaben gibt, kaum aber Berichte über mehr oder weniger fehlgeschlagene Projekte. Schon aus diesem Grund muss man die Herausgeber und die Autoren des Sammelbandes außerordentlich loben. Das Buch ist aus einer Initiative der Fachgruppe 5.12 Projektmanagement des Fachbereichs 5 (Wirtschaftsinformatik) der Gesellschaft für Informatik entstanden. Es enthält sieben Beiträge, in denen über insgesamt zwölf erfolgreiche und weniger erfolgreiche Projekte berichtet wird. Behandelt werden Eigenentwicklungen, die Auswahl und der Einsatz von Standardanwendersoftware, Migrationsvorhaben und ein Projekt zur Lösung der Jahr-2000-Problematik. Auch aktuelle Themen wie IT-Lösungen nach der Übernahme von Unternehmen werden angesprochen. Dass die Organisationen, in denen die Projekte realisiert wurden, in der Regel anonym bleiben, tut dem Wert der Publika tion keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil: Dieses Beispiel sollte Schule machen und vielleicht andere dazu ermutigen, ebenfalls nicht nur Erfolge, sondern auch Projektfehlschläge ehrlich zu analysieren. Besonders zu rühmen ist, dass jeder Erfahrungsbericht am Schluss von einem der Herausgeber (Heidi Heilmann) kommentiert wird.
Im Einzelnen enthält der Band folgende Beiträge:
Erfolgfaktoren des IT-Projektmanagements (H. Heilmann)
Benutzerorientiertes Projektmanagement in großen Software-Entwicklungs- und -Einführungsprojekten (M. Kütz)
Umsetzung einer IT-Strategie in einem stark veränderlichen betrieblichen Umfeld (H.-J. Etzel, D. Faißt, R. Richter)
Analyse, Auswahl, Anpassung, Fehlschlag – die Historie einer Standardsoftwareeinführung (M. Raulf)
Systematisches Management eines Jahr-2000-Projekts (J. Grahl, J. Puchan, A. Senzenberger)
Sanierung eines IT-Projekts – Einführung einer Standardsoftware zur Vertriebsabwickung (H. J. Etzel, H. Vollberg)
Im ersten Grundsatzbeitrag gibt H. Heilmann einen knappen, aber sehr aktuellen und informativen Überblick über das IT-Projektmanagement, neuere Entwicklungen, aktuelle Rahmenbedingungen (z. B. steigende IT-Durchdringung, Trend zu Standardanwendersoftware, zunehmende Notwendigkeit des Risikomanagements), Fallstricke und Erfolgsfaktoren. Bei diesem letzten Punkt hätte man sich freilich einen Hinweis auf die umfangreiche Erfolgsfaktorenforschung in der Disziplin Projektmanagement gewünscht. Mit H.-G. Gemünden und seinen Schülern haben wir in der Bundesrepublik ja exzellente Repräsentanten dieses Forschungszweigs. Es wäre interessant gewesen, die Ergebnisse der Forschung, darunter die Resultate einer empirischen Analyse von 448 Projekten in der Bundesrepublik (mit etwa 25 % IT-Vorhaben), mit den sehr differenzierten Schlussfolgerungen des Sammelbandes zu vergleichen. Die folgenden Beispiele werden in etwa alle nach dem nachfolgenden Muster kommentiert:
Positive Aspekte werden besonders hervorgehoben.
Folgende Fragen werden immer wieder gestellt:
Welche Fehler wurden gemacht, wie hätte man sie vermeiden können, wie konnten sie korrigiert oder abgemildert werden?
Welche Probleme sind aufgetreten, wurden sie rechtzeitig erkannt, konnten sie gelöst werden?
Warum scheitern Projekte, wie hätte man einen Projektabbruch oder ein völliges Neuaufsetzen vermeiden können?
Was lässt sich daraus für künftige IT-Projekte lernen?
Insgesamt kann die Publikation der Gesellschaft für Informatik, wie schon anfangs betont, nicht genug gelobt werden. Sie hebt sich in wohltuender Weise von den zahlreichen, schönfärberischen Tagungsberichten ab, die man bis zum Überdruss geboten bekommt und die eher der Selbstdarstellung des Referenten und seiner Organisation als der Information des Lesers dienen.
Man kann aus den offenen und ehrlichen Darstellungen vermutlich mehr lernen als aus der Lektüre vieler mehr oder weniger abstrakter Lehrbücher, zumal die einzelnen Beitrage auch noch eine ganze Reihe von Anregungen (z. B. zur präzisen Formulierung von Meilensteinen und zum Risikomanagement) bieten. Die weitgehend einheitliche Kommentierung und die umfangreiche Literaturliste steigern den Wert des Werks noch erheblich. Fazit: Das Beispiel kann anderen Autoren - nicht nur aus der IT-Branche - nur dringend zur Nachahmung empfohlen werden. Die Edition derartiger Projektanalysen ware für die Ausbildung des Projektmanagement-Nachwuchses erheblich wichtiger als die in neuerer Zeit geradezu hektische Aufschüttung des schon genügend hohen Lehrbuchbergs mit zum Teil schlechtem Schuttgut.