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Verlagstext

Nur wer Aufwand, Zeit, Kosten und Qualität seiner IT-Projekte auf Basis einer fundierten Aufwandschätzung von Anfang an solide plant, kann sie erfolgreich ins Ziel steuern. Wer die IT-Managementaufgabe »Aufwandschätzung« nicht wahrnimmt, riskiert leichtfertig das Scheitern seiner IT-Projekte. Das heißt teures Lehrgeld zahlen; denn ein einziges abgebrochenes Projekt kommt teurer als die Einführung einer professionellen Aufwandschätzung, die oft wegen Zeitknappheit und angeblich zu hohem Aufwand sträflich vernachlässigt werden. Manfred Bundschuh und Axel Fabry stellen in ihrem Buch ihre Erfahrungen bei Einführung und Durchführung der Aufwandschätzung sowie unterschiedliche Aufwandschätzmethoden, Software-Metriken und Tools zur Aufwandschätzung vor. Die wichtigste Voraussetzung für professionelle Aufwandschätzung sind Messungen des funktionalen Umfangs der zu entwickelnden Software. Die Autoren informieren über die dazu in der Praxis eingesetzten Methoden und ISO-Normen, insbesondere die Function-Point-Methode und deren Varianten. Dem Anfänger werden viele praktische Erfahrungen vermittelt. Der Profi wird vieles aus der eigenen Praxis wiedererkennen und von den Kennzahlen im Kapitel »Benchmarking von IT-Projekten« sowie von den Hinweisen zur Vertiefung in das Thema profitieren. Dieses Buch überzeugt durch seine Praxisnähe und versucht mit möglichst wenig Theorie auszukommen.

Aus dem Inhalt: - Positive und negative Aspekte des Schätzens - Aufwandschätzung bei Software-Wartung - Die Einführung der Aufwandschätzung, häufig gestellte Fragen - Typische Fehler, To-Dos und Not-To-Dos - Software-Metriken, Benchmarking-Kennzahlen - Metriken im objektorientierten, Data Warehouse- und Web-Umfeld - IT-Metrik-Organisationen, Tools zur Aufwandschätzung - Die Function-Point-Methode und ihre Varianten sowie deren Anwendung in der Praxis - Fallbeispiele, Checklisten, Internetadressen

Buchbesprechung aus PM aktuell

Buchbesprechung von Heinz Schelle

Monographien über Aufwands- und Kostenschätzung in Projekten sind zumindest in Deutschland relativ selten. Das Thema wird in der Projektmanagementliteratur eher stiefmütterlich behandelt. Eine gewisse Ausnahme machen einschlägige Publikationen in der IT-Branche, so das 1981 ins Deutsche übersetzte Werk von Barry W. Boehm, in dem auf vielen hundert Seiten das Constructive Cost Model (COCOMO) dargestellt wird, und einige Bücher zu Function Point. Dieser Schätzmethode widmet sich mit Schwerpunkt auch das voluminöse Werk von Bundschuh und Fabry, das – den Verfassern sei es gedankt – auch neueste Entwicklungen berücksichtigt. Ein „Management Summary“ nach jedem Kapitel, für eilige Leser bestimmt, erhöht den Wert der Veröffentlichung.

Die beiden Autoren gehen zunächst grundsätzlich auf die Schätzproblematik ein und identifizieren das wichtigste Problem: Es fehlen in der Regel empirische Daten aus abgeschlossenen Vorhaben. Sie formulieren ihr Credo, das sich durch das ganze Buch zieht: Messen ist das Herzstück der IT-Planung. Die Konsequenz beschreiben sie selbst so: „Deshalb wird im vorliegenden Buch stets von Aufwandsschätzung mit der vorangegangenen Messung der Größe des Anwendungssystems ausgegangen.“

Die Messung der Größe des Schätzobjekts, ein wichtiger Kosteneinflussfaktor, kann dabei in den unterschiedlichsten Einheiten erfolgen, insbesondere mithilfe von Codezeilen, wie das bei COCOMO geschieht, oder mithilfe von Function Points, mit denen der funktionale Umfang der zu entwickelnden Software gemessen werden soll. Im einleitenden Kapitel wird eine Fülle von pragmatischen Regeln und Erfahrungen zur Aufwandsschätzung formuliert, die auch Nicht-IT-Leuten zur Lektüre empfohlen werden können.

Im zweiten Kapitel werden die Grundlagen der Aufwandsschätzung sehr ausführlich dargestellt. Bereits hier findet der Leser zahlreiche Gedanken und Anregungen, so zum Beispiel zum Problem der Überstunden und zur Messung des tatsächlichen Aufwands in Arbeitsstunden, Personenmonaten oder -jahren. Die Kritik „Schätzungen erfolgen in der Praxis zu früh und zu selten“ und die Forderung nach einer häufigeren Wiederholung der Schätzung, um unter anderem den schleichenden Funktionszuwachs zu berücksichtigen, kann man nur unterstreichen.

Außerordentlich verdienstvoll ist das folgende, dritte Kapitel, das sich mit der Einführung einer Methode systematischer Aufwandsschätzung befasst. Den Autoren ist nur zu bewusst, dass bei diesem Innovationsprojekt, wie sie es nennen, mit erheblichen Akzeptanzproblemen gerechnet werden muss. Der sehr informative Praxisbericht, die Wiedergabe einer empirischen Untersuchung aus England, in der Betroffene befragt wurden, eine Liste von Fragen, die im Zusammenhang mit der Einführung häufig gestellt werden, und eine Aufzählung von Killerphrasen sollten von allen gelesen werden, die sich mit der Implementierung eines Metrikprogramms befassen. Dem Topmanagement ins Stammbuch geschrieben: „Ein einziges misslungenes IT-Projekt kostet mehr als aller Aufwand, der nötig ist, um probate Methoden zur Aufwandsschätzung und Software-Messung einzuführenund zu institutionalisieren!“

Im vierten Kapitel werden dann die verschiedenen Methoden der Aufwandsschätzung näher beschrieben und vor allem auch parametrische Methoden erläutert, die in Deutschland noch immer viele IT-Leute wie der Teufel das Weihwasser fürchten. Erfreulicherweise wird dabei auch auf die Möglichkeiten der Bestimmung des Wartungsaufwands eingegangen. Die Problematik der Verwendung von Lines of Code als Kosteneinflussgröße wird überzeugend dargestellt.

Sehr weit holen die Autoren dann im Kapitel 5 „Metriken“ (Produkt- und Prozessmetriken) aus. Dabei geht es natürlich nicht mehr nur um das Thema Aufwandsschätzung, sondern generell um die Feststellung des aktuellen Stands des Software-Entwicklungsprozesses und des Softwareprodukts. Die Rolle von Metriken in Benchmarkingmodellen wie CMM wird erläutert, ein konzeptionelles Datenmodell einer Metrikdatenbank vorgestellt. Auch aus diesem Kapitel kann der interessierte, branchenfremde Leser eine Menge Anregungen gewinnen, verlangen doch inzwischen auch branchenneutrale Benchmarkingmodelle wie OPM 3 der PMI die Einführung von Metriken, um auf höhere Reifegradstufen zu gelangen. Einen sehr detaillierten Überblick über die internationalen Standards (ISO-Normen und wichtige IT-Metrikorganisationen) bekommt man im Kapitel 6. Der Rezensent hat den begründeten Verdacht, dass ein großer Teil der IT-Verantwortlichen in der Bundesrepublik davon wenig weiß. Der Rolle von Metriken im Benchmarking von IT-Projekten wird im Kapitel 7 nochmals nachgegangen. Auch hier wird der Leser von der Fülle der gebotenen wertvollen Daten etwa zur Entwicklungsproduktivität oder zum Zusammenhang zwischen Mitarbeiterzahl und Produktivität geradezu erschlagen. Die Tabelle, in der durchschnittliche Function Points für Neuentwicklungsprojekte, unterschieden nach Regionen der Welt, aufgeführt werden, dürfte allerdings für jemand, der kein Vorwissen mitbringt, kaum verständlich sein, werden Begriffe wie External Input (EI) oder Internal logic files (ILF) doch erst später ausführlich erklärt.

Kernstück des Buches sind das Kapitel 8, in der die IFPUG-Function-Point-Methode dargestellt wird, und die folgenden Kapitel. (IFPUG steht für International Function Point User Group.) Wichtig für den, der mit Function Point nicht vertraut ist, ist die Feststellung, dass diese Methode zunächst vor allem zur Messung der Größe bzw. des Umfangs einer Anwendung aus Benutzersicht von der IBM entwickelt wurde. Der Nutzen der Methode erschöpft sich somit keineswegs nur in der Verwendung der Funktionspunkte als Aufwands- bzw. Kosteneinflussgröße. Vielmehr dient der Ansatz vielfältigen anderen Zwecken, so z. B. der Ermittlung des Wachstums der Anforderungen während des Projekts und der Projektfortschrittsmessung. Als günstigsten Zeitpunkt für eine erste Zählung von Function Points empfehlen Bundschuh und Fabry den Abschluss der Phase Bedarfsanalyse und Lösungsentwurf (Fachkonzept, Requirements Analysis). Im weiteren Verlauf von Kapitel 8 wird dann sehr gründlich und gut nachvollziehbar die Vorgehensweise bei der Zählung der ungewichteten Function Points beschrieben. Bei der Darstellung des nächsten Schritts, der Ermittlung der gewichteten Function Points mithilfe von 14 Einflussfaktoren, hätte sich der Verfasser dieser Zeilen allerdings ein wenig mehr kritische Distanz gewünscht.

In Kapitel 9 werden eine ganze Reihe verschiedener Varianten der Function-Point-Methode gegenübergestellt. Die in diesem Abschnitt alles andere als leichte Lektüre ist freilich nur dem zu empfehlen, der schon tief in die Materie eingedrungen ist. Dieser Vorbehalt gilt nicht im vollen Umfang für Kapitel 10, in dem teilweise sehr anschauliches Material ausgebreitet wird, so z. B. Gleichungen der Volkswagen AG zur Schätzung des Software-Entwicklungsaufwands (gemessen in Personenmonaten), in denen die Funktionspunkte als Kosteneinflussgröße erscheinen. Hier finden sich u. a. auch Hinweise auf Anwendungen bei Data-Warehouse-Projekten und Web-Entwicklungen.

Kapitel 11 fasst für den Anwender nochmals die Zählregeln nach dem Zählhandbuch der IFPUG zusammen. Kapitel 12 enthält ein einfaches, gut verständliches Fallbeispiel: Es soll ein Programm entwickelt werden, das einen Seminaranbieter bei der Administration der Lehrveranstaltung (Ersterfassung und Benachrichtigung von Teilnehmern, Verwaltung einer Dozentendatei, Erstellen von Teilnehmerlisten und Rechnungen usw.) unterstützt. In Kapitel 13 werden zahlreiche Tools für die Aufwandsschätzung vorgestellt. Ein Anhang mit einer Checkliste zum Kickoff einer Function-Point-Zählung, eine ungewöhnlich ausführliche Literaturliste und ein sorgfältig gemachtes Stichwortverzeichnis schließen das Werk ab.

Abschließende Beurteilung: Auch wenn man sich an manchen Stellen von den Autoren eine etwas kritischere Einstellung zum Stoff gewünscht hätte, ist die Publikation doch überaus zu begrüßen. Das ungewöhnlich materialreiche Werk gibt dem Leser, der noch nicht so sehr mit dem Thema „Metriken“ vertraut ist, eine sehr präzise Vorstellung, in welche Richtung die Entwicklung in der IT-Branche voraussichtlich gehen wird. Für den Fortgeschrittenen ist die Publikation ein unentbehrlicher Ratgeber.

© GPM-Magazin PMaktuell - Heft 1/2005, Seite 37 - 38. Alle Rechte vorbehalten.

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